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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Achills Tod (87 Aufrufe)
Quoth schrieb am 10.01.2026 um 19:32 Uhr (Zitieren)
Graeculus hat jüngst eine Quelle zitiert (in Forum: Homers Herkunft: endlich geklärt ) die vielleicht nur eine Behauptung enthält, nämlich die, dass Homer von Odysseus abstammte und diesen als seinen Großvater in Ehren hielt. Und wenn ich daran denke, dass mein Vater, wenn er etwas erzählen wollte, immer mit den Worten begann „Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα …“ – also mit den ersten Worten der Odyssee, dann schaudere ich bei dem Gedanken, diesem Heroen der literarischen Überlieferung Unrecht zu tun. Aber habe ich eben diesen meinen Vater in Gerichtsverhandlungen nicht oft genug die Frage an einen Zeugen stellen hören: „Sind Sie mit dem Angeklagten verwandt oder verschwägert?“ – und das aus dem ganz einfachen Grund, weil alle Menschen geneigt sind, positiv, behütend, beschützend und rechtfertigend von Personen zu sprechen, die ihnen familiär nahestehen. Ja, die Aufrichtigkeit kann in diesem Fall angezweifelt werden. Ist nicht jede(r) bereit, einen angeklagten Bruder zur Not auch mit einer Lüge zu entlasten? Und neigen wir Enkel von Nazis nicht vielfach dazu, unsere in der Wolle braun gefärbten Vorfahren in einen neutral beigen Schafspelz zu kleiden? Und so hat Homer bzw. die auf ihm beruhende oder ihn fortsetzende Überlieferung uns auch verschwiegen, dass wohl ein Pfeil des Paris in die einzig verwundbare Stelle, nämlich die Ferse, den Peliden fällte, dass dieser aber nicht von Paris abgeschnellt worden war, sondern von dem Flitzebogen Dolons, den Odysseus in der Dolonie erbeutet hatte, im Kampf nie einsetzte, ihn aber für die absolut notwendige Tötung des in seiner Loyalität wackligen Kommilitonen benutzte, denn seinen eigenen Bogen hatte er, weil er zu schwer war (oder weil er als Bogenschütze nicht in Erscheinung treten sollte?) daheim gelassen. Was für ein Bogenschütze von Format Odysseus war, lesen wir in der Odyssee, wenn er, um seine Identität zu beweisen, den Pfeil durch zwölf in Linie stehende Axtschäfte schießt – und anschließend treffsicher mit Pfeilen unter den Freiern Penelopes aufräumt. Aber in der Ilias kämpft er nie mit dem Bogen – sondern nur mit Speer, Schwert – und natürlich seiner schärfsten Waffe: seinen Worten. Und wie kam Odysseus an einen Pfeil von Paris? Den brauchte er auf dem Schlachtfeld nur aufzusammeln, denn Paris traf auch öfter daneben – und vielleicht hat Odysseus ihn auch aus einem von Paris erlegten Kämpfer herausgezogen, das Blut abgewischt und ihn in sein Wams gesteckt, um ihn für die leider, leider unumgängliche Hinrichtung des notorischen Verräters zu verwenden. Da er seinen schweren Bogen zu Hause gelassen hatte, hatte er natürlich auch keine eigenen Pfeile, und einen Pfeil des Thrakers Dolon zu benutzen oder sich von Ajax dem Lokrer einen zu leihen, fand er unklug. Der Tod Achills musste den Troern in die Schuhe geschoben werden. Odysseus ist berühmt und berüchtigt für seine List; so hatte er die Steinigung des unschuldigen Palamedes herbeigeführt. – Die Ermordung Achills aber bildet für mich den Kulminationspunkt seiner Untaten, und sie ist zugleich auch ein weiteres Beispiel seiner Gerissenheit. (Wird fortgesetzt).
Re: Achills Tod
Γραικύλος schrieb am 10.01.2026 um 20:32 Uhr (Zitieren)
Wo ist denn diese Version vom Tod des Achilles überliefert?

Die wichtigste Stelle, in der aber von einem Beitrag des Odysseus nicht die Rede ist, dürften die "Posthomerica" des Quintus Smyrnaeus (III 1 ff.) sein.
Re: Achills Tod
Quoth schrieb am 10.01.2026 um 22:18 Uhr (Zitieren)
Quelle: Schwabs Sagen des klassischen Altertums und mein eigener Kopf.
Re: Achills Tod
Γραικύλος schrieb am 10.01.2026 um 23:24 Uhr (Zitieren)
Ich verstehe. Eine kreative Neuerzählung des Mythos.
Achilles war wegen seiner Beziehung zu Polyxena ein Unsicherheitsfaktor geworden für die Griechen.
Re: Achills Tod
Bukolos schrieb am 11.01.2026 um 06:25 Uhr (Zitieren)
Dass man Odysseus' Charakter deutlich negativer zeichnen kann, als in der Odyssee geschehen, zeigt Sophokles' Darstellung der Beschaffung eines anderen (für den Sieg vor Troja unabdingbaren) Bogens im Philoktet. Wobei auch mit dem homerischen Odysseus keineswegs eine reine Identifikationsfigur entworfen wird: bildet doch die Odyssee auch die Geschichte einer gescheiterten Führungskraft, die das gesamte ihr unterstellte Personal verliert. Darüber hinaus wird man dem Odysseus Homers mangelnde Affektkontrolle bescheinigen müssen, wenn er in einem transgressiven Gewaltakt die komplette Jeunesse dorée Ithakas hinmetzelt und einen Bürgerkrieg riskiert, der nur durch göttliches Eingreifen unterdrückt werden kann.
Re: Achills Tod
Quoth schrieb am 11.01.2026 um 08:21 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 10.1.26, 23:24Achilles war wegen seiner Beziehung zu Polyxena ein Unsicherheitsfaktor geworden für die Griechen.

Ein Unsicherheitsfaktor war er immer gewesen. Nur durch eine List konnte Odysseus ihn zur Teilnahme am Feldzug gegen Troja quasi zwingen. Und obgleich er auch Männer liebte, war Achilleus doch bereit, wegen einer ihm vorenthaltenen Beutefrau in einen folgenschweren Kampfstreik zu treten und ungerührt zuzuschauen, wie Hektor die Griechen hinschlachtete (Ilias). Achilleus hat sich mit dem Kriegsziel, eine geflüchtete Ehefrau in den Ehekral zurückzuführen, nie identifiziert.
Re: Achills Tod
Quoth schrieb am 11.01.2026 um 08:50 Uhr (Zitieren)
@bukolos: Mit Recht erinnerst Du in diesem Zusammenhang an eine weitere (i)Heldentat(/i) des Laertiaden, die Aussetzung Philoktets auf Lemnos. Die Ärzte, die ihn zehn Jahre später kurierten (Machaon, Asklepios), hätten auch da schon zur Verfügung gestanden.
Re: Achills Tod
Γραικύλος schrieb am 11.01.2026 um 15:17 Uhr (Zitieren)
Immerhin macht der tote Achill im Hades dem Odysseus ein Kompliment:

https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=11172
 
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