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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Auf Marsyas (135 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.02.2026 um 00:01 Uhr (Zitieren)
Nicht mehr läßt du wie einst in Phrygiens Pinienwäldern
aus dem durchlöcherten Rohr klingende Lieder erstehn.
Nicht mehr wird dir wie einst, o Satyr, Sprößling der Nymphe,
in den Händen das Werk Pallas (1) Tritonis‘ erblühn.
Unauflösliche Bande umstricken dich, weil du, ein Ird’scher,
Phoibos‘ göttlicher Kunst zu trotzen gewagt.
Ach, dir haben die Flöten, die süß wie die Zither ertönen,
keine Kränze im Kampf, sondern den Hades gebracht.

[Alkaios von Messene; Anthologia Graeca XVI 8]

(1) Athene hatte die Flöte erfunden, aber fortgeworfen.
Re: Auf Marsyas
Γραικύλος schrieb am 28.02.2026 um 00:04 Uhr (Zitieren)
Re: Auf Marsyas
Aurora schrieb am 28.02.2026 um 06:13 Uhr (Zitieren)
(Ovid, Met. VI, 382–400):

„Satyri Reminiscentia foeda est.
Alter ad haec: ‚Quid me mihi detrahis?‘ inquit;
‚A! piget, a! non est‘ clamabat ‚tibia tanti!‘
Clamanti cutis est summos erepta per artus,
nec quicquam nisi vulnus erat; cruor undique manat,
detectique palam nervi, trepidaeque sine ulla
pelle micant venae; salientia viscera possis
et perlucentes numerare in pectore fibras.
Illum ruricolae, silvarum numina, Fauni
et satyri fratres et tunc quoque carus Olympus
et nymphae flevere, quicumque montibus illis
lanigerosque greges armentaque bucera pavit.
Fertilis immaduit madefactaque terra caducas
concepit lacrimas ac venis perbibit imis;
quas ubi fecit aquam, vacuas emisit in auras.
Inde ferox rapidusque ad mare Marsya nomen
flumen habet, Phrygiae liquidissimus amnis.“
Re: Auf Marsyas
Quoth schrieb am 28.02.2026 um 15:01 Uhr (Zitieren)
Orpheus wird enthauptet, Marsyas gehäutet ... Mit den Künstlern verfährt der Mythos nicht gerade zimperlich!
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4b/Titian_-_The_Flaying_of_Marsyas.jpg/960px-Titian_-_The_Flaying_of_Marsyas.jpg
Re: Auf Marsyas
info schrieb am 28.02.2026 um 15:34 Uhr (Zitieren)
Tiefenpsychologische Analyse: Marsyas und Apollo

1. Die Zerstörung der Persona (Die Haut)
Die Haut symbolisiert in der Psychologie die Persona – die soziale Maske und Schutzhülle des Ichs. Das Abhäuten durch Apollo stellt den gewaltsamen Verlust dieser Identität dar. Marsyas’ Ausruf „Quid me mihi detrahis?“ („Warum reißt du mich von mir selbst fort?“) markiert den Moment, in dem die Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt kollabiert.

2. Der Konflikt: Apollinisch vs. Dionysisch
Der Mythos beschreibt den Urkonflikt der menschlichen Psyche (nach Nietzsche und Jung):

Apollo: Steht für das Über-Ich, die Ratio, Ordnung, Form und Distanz (Saiteninstrument).

Marsyas: Verkörpert das Unbewusste, den Trieb, die Ekstase und die Körperlichkeit (Blasinstrument/Atem).

Interpretation: Die Grausamkeit Apollos zeigt die Gefahr einer einseitigen Herrschaft der Vernunft, die versucht, das Triebhafte und Emotionale (den Schatten) komplett auszumerzen, anstatt es zu integrieren.

3. Hybris und Ich-Inflation
Marsyas begeht Hybris, indem er sich mit einem Gott (einem Archetyp) misst. Tiefenpsychologisch ist dies eine Ich-Inflation: Das menschliche Ich verkennt seine Grenzen und glaubt, göttliche Vollkommenheit erreicht zu haben. Die Strafe ist die brutale Rückführung auf die nackte, schmerzhafte biologische Existenz.

4. Die Sichtbarkeit des Inneren
Ovid beschreibt detailreich das Sichtbarwerden der Nerven, Adern und Eingeweide (salientia viscera). Dies symbolisiert die totale Selbsterkenntnis: Wenn alle schützenden Hüllen (Illusionen, Status, Eitelkeit) fallen, bleibt nur die reine, pulsierende Wahrheit des Inneren übrig. Es ist eine radikale Form der Offenbarung.

5. Transformation und Sublimierung (Der Fluss)
Der Mythos endet mit der Entstehung des Flusses Marsyas aus den Tränen der Waldwesen und dem Blut.

Alchemistische Sicht: Das Festgefügte (der Körper) wird verflüssigt (Solutio).

Psychologische Sicht: Individuelles Leid wird durch Trauerarbeit in etwas Kollektives und Fließendes umgewandelt. Das Wasser symbolisiert das Unbewusste, in das Marsyas schließlich eingeht – er stirbt als Individuum, lebt aber als Element weiter.

Fazit: Der Mythos warnt davor, dass die Verleugnung unserer instinktiven Natur (Marsyas) durch eine kalte, perfektionistische Ratio (Apollo) zu einer Zerstörung der menschlichen Ganzheit führt.


Hat jemand Alternativen zu bieten oder meldet
Widerspruch an?
Re: Auf Marsyas
Bukolos schrieb am 01.03.2026 um 06:42 Uhr (Zitieren)
Zitat von Aurora am 28.2.26, 6:13(Ovid, Met. VI, 382–400):

„Satyri Reminiscentia foeda est.
Alter ad haec: ‚Quid me mihi detrahis?‘ inquit;
‚A! piget, a! non est‘ clamabat ‚tibia tanti!‘
Clamanti cutis est summos erepta per artus,
nec quicquam nisi vulnus erat; cruor undique manat,
detectique palam nervi, trepidaeque sine ulla
pelle micant venae; salientia viscera possis
et perlucentes numerare in pectore fibras.
Illum ruricolae, silvarum numina, Fauni
et satyri fratres et tunc quoque carus Olympus
et nymphae flevere, quicumque montibus illis
lanigerosque greges armentaque bucera pavit.
Fertilis immaduit madefactaque terra caducas
concepit lacrimas ac venis perbibit imis;
quas ubi fecit aquam, vacuas emisit in auras.
Inde ferox rapidusque ad mare Marsya nomen
flumen habet, Phrygiae liquidissimus amnis.“

Wer immer noch auf KI-Zitate vertraut, verdiente, Midas' Eselsohren zu tragen. Zum Vergleich der Text einer zuverlässigen Online-Edition*:
Sic ubi nescio quis Lycia de gente virorum
rettulit exitium, satyri reminiscitur alter,
quem Tritoniaca Latous harundine victum
adfecit poena. 'quid me mihi detrahis?' inquit;
'a! piget, a! non est' clamabat 'tibia tanti.'
clamanti cutis est summos direpta per artus,
nec quicquam nisi vulnus erat; cruor undique manat,
detectique patent nervi, trepidaeque sine ulla
pelle micant venae; salientia viscera possis
et perlucentes numerare in pectore fibras.
illum ruricolae, silvarum numina, fauni
et satyri fratres et tunc quoque carus Olympus
et nymphae flerunt, et quisquis montibus illis
lanigerosque greges armentaque bucera pavit.
fertilis inmaduit madefactaque terra caducas
concepit lacrimas ac venis perbibit imis;
quas ubi fecit aquam, vacuas emisit in auras.
inde petens rapidus ripis declivibus aequor
Marsya nomen habet, Phrygiae liquidissimus amnis.


* https://latin.packhum.org/loc/959/6/0#92
Re: Auf Marsyas
βροχή schrieb am 01.03.2026 um 06:59 Uhr (Zitieren)
Wie entsteht so eine Veränderung, durch Rückübersetzung?
Re: Auf Marsyas
βροχή schrieb am 01.03.2026 um 07:12 Uhr (Zitieren)
Warum ist die Stafe so extrem grausam? Ist die Flöte ein phallsches Symbol?
Re: Auf Marsyas
Bukolos schrieb am 01.03.2026 um 13:07 Uhr (Zitieren)
Zitat von βροχή am 1.3.26, 6:59Wie entsteht so eine Veränderung, durch Rückübersetzung?

Unwahrscheinlich. Ein Großteil des von der KI ausgegeben Quellenzitats stimmt im Wortlaut überein: Das deutet nicht auf Rückübersetzung. Die eingefügten Fehler vor allem am Anfang und am Ende, aber auch im übrigen Text (erepta; palam; flevere, quicumque) wirken eher wie ein Wasserzeichen, durch das die Mitwirkung von KI erkennbar gemacht wird.
Re: Auf Marsyas
βροχή schrieb am 03.03.2026 um 05:32 Uhr (Zitieren)
ein Wasserzeichen, durch das die Mitwirkung von KI erkennbar gemacht wird.


Absichtliche Fehler, mittels der der Mensch upps. falsches Wort, der Konsument muss es heissen, den Bloedstempel aufgedrückt bekommt. Das wird ja immer schöner. Der naechste Schachzug ist dann eine bezahl-KI welche diesen Stempel entfernt oder unterlässt.

 
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