α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lebensmaximen und ein Vorbild (181 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 05.06.2026 um 16:48 Uhr (Zitieren)
Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τά εἰς ἑαυτόν) VI 30:
Hüte dich, daß du nicht verkaiserst oder angesteckt wirst [Ὅρα μὴ ἀποκαισαρωθῇς, μὴ βαφῇς]. Denn es kommt so etwas vor. Bleibe daher ein einfacher, guter Mensch, ohne Falsch, voll Ernst und Würde, schlicht und natürlich, ein Freund der Gerechtigkeit, gottesfürchtig und gütig, voll Liebe zu deinen Verwandten und stark zur Erfüllung deiner Pflichten. Ringe danach, daß du so bleibst, wie dich die Philosophie haben wollte. Scheue die Götter, rette die Menschen! Das Leben ist kurz; es gibt nur eine Frucht des Erdendaseins: eine fromme Gesinnung und Werke der Menschenliebe.

Bewähre dich in allem als ein Jünger des Antoninus (1). Zeige dich so beharrlich wie er bei der Ausführung wohlüberlegter Entschlüsse, stets gleichmäßig in deinem Wesen und ebenso fromm; habe die Heiterkeit seines Antlitzes, seine Milde; sei ebenso frei von eitler Ruhmsucht und setze wie er deinen Ehrgeiz in die richtige Erfassung der Dinge. Und denk daran, wie er überhaupt keine Sache aufgab, bevor er sie nicht völlig erkannt und klar begriffen hatte; und wie er Leute ertrug, die ihn mit Unrecht tadelten, ohne sie wieder zu tadeln. Und wie er an nichts mit Hast heranging, und wie er Verleumdungen kein Gehör schenkte. Und wie er ein gründlicher Prüfer von Charakteren und Handlungen war, frei von Schmähsucht, frei von jeder Angst, frei von Argwohn und von allem sophistischen Wesen. <Denk auch daran> mit wie wenigem er auskam, was Wohnung, Bett, Kleidung, Nahrung, Bedienung betrifft. Wie arbeitsfreudig und wie langmütig er war. Und daß er infolge seiner Lebensweise imstande war, an derselben Stelle bis zum Abend auszuharren, und daß er nicht gegen die gewohnte Stunde sein Bedürfnis zu verrichten brauchte. Und seine Zuverlässigkeit und Gleichmäßigkeit in seinen Freundschaften. Und daß er Leute ertrug, die mit Freimut seinen Ansichten entgegentraten, und sich freute, wenn ihn jemand eines Besseren belehrte. Und wie gottesfürchtig er war, ohne abergläubisch zu sein – damit du, wenn dein letztes Stündlein kommt, ein ebenso gutes Gewissen hast wie er.

(Marc Aurel: Selbstbetrachtungen. Hrsg. v. Wilhelm Capelle. Stuttgart 121973, S. 74 f.)

(1) Antoninus Pius (reg. 138-161 u.Z.), Vorgänger und Adoptivvater Marc Aurels
Re: Lebensmaximen und ein Vorbild
Quoth schrieb am 06.06.2026 um 06:41 Uhr (Zitieren)
Dass ein so perfekter Vater ihn er- und nicht entmutigt hat, es ihm gleich zu tun, ist erstaunlich.
Re: Lebensmaximen und ein Vorbild
info schrieb am 06.06.2026 um 12:37 Uhr (Zitieren)
Ὅρα μὴ ἀποκαισαρωθῇς, μὴ βαφῇς· γίνεται γάρ. τήρησον οὖν σεαυτὸν ἁπλοῦν, ἀγαθόν, ἀκέραιον, σεμνόν, ἀφιλόκομπον, τοῦ δικαίου φίλον, θεοσεβῆ, εὐμενῆ, φιλόστοργον, ἐρρωμένον πρὸς τὰ πρέποντα ἔργα. ἀγώνισαι ὑπὲρ τοῦ τοιοῦτον συμμεῖναι, οἷόν σε ἠθέλησε ποιῆσαι φιλοσοφία. αἰδοῦ θεούς, σῷζε ἀνθρώπους. βραχὺς ὁ βίος· εἷς καρπὸς τῆς ἐπιγείου ζωῆς, διάθεσις ὁσία καὶ πράξεις κοινωνικαί.

Πάντα ὡς Ἀντωνίνου μαθητής· τὸ ὑπὲρ τῶν κατὰ λόγον πρασσομένων ἐνστατικόν, καὶ τὸ ἐν πᾶσιν ὁμαλές, καὶ τὸ ὅσιον, καὶ τὸ φαιδρὸν τοῦ προσώπου, καὶ τὸ μειλίχιον, καὶ τὸ ἀφιλόδοξον, καὶ τὸ περὶ τὴν κατάληψιν τῶν πραγμάτων φιλότιμον· καὶ ὡς ἐκεῖνος οὐκ ἄν τι ὅλως παρῆκεν μὴ πρότερον εὖ μάλα περισκεψάμενος καὶ σαφῶς διευκρινήσας· καὶ ὡς ἔφερεν τοὺς ἀδίκως αὐτῷ μεμφομένους μὴ ἀντιμεμφόμενος· καὶ ὡς ἐπ’ οὐδὲν ἔσπευδεν· καὶ ὡς διαβολὰς οὐκ ἐδέχετο· καὶ ὡς ἀκριβὴς ἐξεταστὴς ἠθῶν καὶ πράξεων· οὐκ ὑβριστής, οὐ ψοφοδεής, οὐχ ὑποπτικός, οὐ σοφιστής· καὶ ὡς ὀλίγοις ἀρκούμενος, οἷον οἰκήσει, στρωμνῇ, ἐσθῆτι, τροφῇ, ὑπηρεσίᾳ· καὶ τὸ φιλόπονον καὶ μακρόθυμον· καὶ οἷος συμμεῖναι τῇ αὐτῇ διαίτῃ μέχρις ἑσπέρας, διὰ τὴν ἔκκρισιν οὐδὲ τῶν ἀναγκαίων χρείαν ἔχων παρὰ τὴν τεταγμένην ὥραν· καὶ τὸ βέβαιον καὶ ὅμοιον τῶν φιλίων, καὶ τὸ τῶν ἀντιβαινόντων παρρησιαστικῶς ταῖς γνώμαις αὐτοῦ ἀνεκτικόν, καὶ τὸ χαῖρον, εἴ τίς τι κρεῖττον δεικνύοι· καὶ τὸ θεοσεβὲς χωρὶς δεισιδαιμονίας· ἵνα οὕτως εὐσυνείδητόν σοι καταλάβῃ ἡ ὑστάτη ὥρα, ὡς ἐκείνῳ.
Re: Lebensmaximen und ein Vorbild
info schrieb am 06.06.2026 um 13:10 Uhr (Zitieren)
Mit Marc Aurel hat sich auch der Regenburger Philosoph Ulrich Hommes (wird heuer 94)
beschäftigt:
Zu dir selbst. Marc Aurel. Auswahl und Einführung von Ulrich Hommes, Regensburg 1990.

Hommes stellt Marc Aurel vor allem als einen Menschen dar, der nach innerer Freiheit sucht,
der Gelassenheit nicht als Passivität, sondern als Lebenskunst versteht,
der Verantwortung und Selbstbeherrschung verbindet,
und der auch in Macht und Krisen Menschlichkeit bewahren will.
Ein Gedanke, der sich durch Hommes' eigene philosophische Arbeiten zieht, ist die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Weg zu sich selbst. Deshalb interessierte ihn an Marc Aurel weniger der Kaiser als der Mensch, der sich in seinen „Selbstbetrachtungen“ ständig selbst prüft und erzieht. Das passt zu Hommes' sonstigen Büchern wie Erinnerung an die Freude, Dem Leben vertrauen oder Über die Leichtigkeit.
In einer Buchbeschreibung zu Hommes' Marc-Aurel-Auswahl heißt es über dessen Interpretation:

Die Gelassenheit, die Marc Aurel ausstrahlt, sei das Geheimnis dieser „Lektion in Lebenskunst“.


Er hat sich auch mit Ästhetik befasst:
Ulrich Hommes
Der Glanz des Schönen, Regensburg 1992
In diesem Buch geht es nicht um Ästhetik im Sinn einer Theorie der Kunst. Vielmehr wird Schönheit ganz allgemein als Grundzug der Wirklichkeit herausgestellt. Zwar ist es dem Verfasser nicht entgangen, dass keineswegs alles schön ist, was es so gibt um uns herum. Aber es ist seine Überzeugung, dass die Dinge und Verhältnisse ehr viel mehr Glanz ausstrahlen, als wir für gewöhnlich wahrnehmen.


Hommes ist der Sohn dieses christlichen Philosophen,
der nicht nur philosophisch produktiv war (8 Kinder) und
als typischer absent-minded professor galt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Hommes

PS:
Ulrich Hommes hat sich zudem mit dem Thema ANGST auseinandergesetzt.
Dazu hielt er im SS 1983 eine Vorlesung für Hörer
aller Fakultäten, die sehr gut besucht war.

Er hatte auch 3 Sendereihen im Bayr. Fernsehen:
"Chancen der Freiheit“
„Auf der Suche nach Sinn“
„Wohin mit der Angst? Gespräche vor der Fernsehkamera“

Er saß ab Anfang der 1970er Jahre für die Bayerischen Universitäten und Hochschulen im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks, war ab 1991 Mitglied und später auch Vorsitzender des ARD-Programmbeirats sowie auch Mitglied des Programmbeirats des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Helm

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.