Γραικύλος schrieb am 16.06.2026 um 14:59 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Aussprüche von Spartanern (Moralia 229 E):
Lysandros war ein spartanischer Admiral während des Peloponnesischen Krieges.
[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 374-377]
Re: An einen Schmeichler
info schrieb am 16.06.2026 um 18:07 Uhr (Zitieren)
Re: An einen Schmeichler
βροχή schrieb am 17.06.2026 um 08:30 Uhr (Zitieren)
Mit dem Lob zwar nicht geizen, aber auch nicht zu verschwenderisch zu sein.
Re: An einen Schmeichler
Patroklos schrieb am 17.06.2026 um 11:43 Uhr (Zitieren)
Schmeicheln geht wohl zurück auf liebkosen, berühren (smeichen/smeken), wird später zu Schönreden etc. Die Bedeutung „liebevoll streichen/streicheln“ führt zu „Schminke“, Streichmasse.
Re: An einen Schmeichler
βροχή schrieb am 17.06.2026 um 13:35 Uhr (Zitieren)
... die Erklärung passt gut,
man sagt ja auch metaphorisch der wurde gestreichelt.
Re: An einen Schmeichler
βροχή schrieb am 17.06.2026 um 13:37 Uhr (Zitieren)
... dem wurde Honig um den Mund geschmiert, wie
eine Schminke
Re: An einen Schmeichler
Γραικύλος schrieb am 17.06.2026 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Wie ist der Vergleich mit den beiden Ochsen zu verstehen?
Ich fasse es so auf: "Du brauchst gar nicht so viel zu reden; selbst bei stummen Tieren weiß ich genau, ob sie etwas taugen."
Re: An einen Schmeichler
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 17.06.2026 um 14:32 Uhr (Zitieren)
So sehe ich das auch, Γραικύλε.
Mein Vorschlag: "Spar dir den Atem: selbst bei stummen Ochsen erkenne ich genau, welcher etwas taugt."
Re: An einen Schmeichler
Patroklos schrieb am 17.06.2026 um 14:54 Uhr (Zitieren)
Ein Versuch:
Der Schmeichler redet nur, die Ochsen arbeiten/ziehen.
Deren jeweilige Arbeitskraft zeigt sich im physischen Zustand (Ausmergelung).
Bilden die beiden Ochsen ein Gespann, dann könnten sie gleichwohl erkennbar unterschiedlich sein aufgrund (infolge?) ihres Einsatzes.
(Schein und Sein-Variante?)
Urbane Theorie…
Re: An einen Schmeichler
Γραικύλος schrieb am 17.06.2026 um 15:37 Uhr (Zitieren)
P.S:
to oxen --> two oxen
Aber das war wohl klar.
Re: An einen Schmeichler
Γραικύλος schrieb am 17.06.2026 um 15:56 Uhr (Zitieren)
ἀργός: faul, träge, den Acker nicht bestellend
Woran auch immer der Bauer das erkennen mag hier geht es um das "σιγνώντων δ’ ἀμφοτέρων, ἀκριβῶς ἐπίσταμαι ...": er braucht dafür nicht das Geschwätz des Schmeichlers, der seinen Verstand benebeln will.
Re: An einen Schmeichler
info schrieb am 17.06.2026 um 17:33 Uhr (Zitieren)
Ursprünglich war es nicht auf den Acker beschränkt:
Ursprung: Es handelt sich um ein zusammengesetztes Wort. Es entstand durch Kontraktion (Zusammenziehung) aus dem älteren homerischen Wort aergos (ἀεργός).
Bestandteile:
a- (alpha privativum): Die verneinende Vorsilbe (wie das deutsche „un-“ oder „nicht-“).
ergon (ἔργον): Das Wort für „Arbeit“ oder „Werk“.
Wörtliche Bedeutung: „Ohne Arbeit“ oder „nicht arbeitend“. Daraus entwickelten sich historisch die Bedeutungen brachliegend (für Felder), untätig, träge und schließlich im Neugriechischen die Eigenschaft, sich nur langsam vorwärtszubewegen.
Re: An einen Schmeichler
βροχή schrieb am 17.06.2026 um 20:21 Uhr (Zitieren)
Dieses Alpha Privatium geht auf ei e Ursprache zurück
Wie spricht man das *n̥- aus?
Re: An einen Schmeichler
Patroklos schrieb am 17.06.2026 um 20:38 Uhr (Zitieren)
Mir fällt das N-Wort spontan ein. Wahlweise das Nasobem.
Re: An einen Schmeichler
βροχή schrieb am 17.06.2026 um 22:04 Uhr (Zitieren)
... muss davor nicht sowas wie ein Vokal sein?
Re: An einen Schmeichler
Bukolos schrieb am 18.06.2026 um 09:40 Uhr (Zitieren)
Silbisch, wie in bairisch Wiesn oder Brezn.
Re: An einen Schmeichler
Bukolos schrieb am 18.06.2026 um 09:47 Uhr (Zitieren)
Schwer vorstellbar, dass Lysander (1) ein faules Exemplar unter seinen Zugrindern geduldet, noch schwerer, dass der erfolgreiche Feldherr - trotz der relativen Armut, in der er aufgewachsen sein soll - (2) nur zwei besessen hätte.
Punkt 1 leitet zu der Frage, ob wir τόν τε ἀργὸν καὶ τὸν ἐργαζόμενον tatsächlich auf die beiden Rinder beziehen müssen, schließlich unterstützt der Artikel im Griechischen auch die generische Lesart. Der Genitivus absolutus σιγώντων δ’ ἀμφοτέρων lässt sich hierbei kausal auffassen: Aufgrund des Schweigens seiner beiden Arbeitstiere, kann der Sprecher induktiv beurteilen, wer faul ist und wer etwas leistet.
Punkt 2 legt nahe, dass hier ein Zitat vorliegt. Tatsächlich finden wir in den äsopischen Fabeln eine, die eine ganz ähnliche Situation entwickelt (235 III Hausrath): Ein Winzer erhält von Wespen und Rebhühnern das Angebot, ihn als Gegenleistung für die Gabe von Wasser beim Weinbau zu unterstützen. Er weiß natürlich, dass beide Tierarten den Trauben mehr schaden als nützen würden und lehnt ab mit Verweis auf seine zwei Rinder, die alles täten, ohne sich in Ankündigungen zu ergehen.
Re: An einen Schmeichler
Patroklos schrieb am 18.06.2026 um 09:55 Uhr (Zitieren)
Die Unterscheidung der beiden Hornviecher habe ich nun doch noch nicht verstanden.
Re: An einen Schmeichler
βροχή schrieb am 18.06.2026 um 11:13 Uhr (Zitieren)
dafür gibt es auch ein Sprichwort:
der macht mehr Schaden als gut
Schwierig, weil es am Anfang steht, als Vorsilbe.
Varianten sind
griechisch an-
latein in-
deusch un-
die gehen alle auf den Vorläufer *n̥- zurück.
Re: An einen Schmeichler
Bukolos schrieb am 19.06.2026 um 00:21 Uhr (Zitieren)
Die beiden Rinder werden im Lysander-Apophthegma - so zumindest meine These - wie in der Fabel überhaupt nicht unterschieden. Sie bilden die ebenso schweig- wie arbeitsame Kontrastfigur zum Typus des seinen Diensteifer preisenden Schwätzers. Tatsächlich können die obliquen Optative ἐπαινοίη und ὑπερασπάζοιτο als Referat vergangener Handlung bzw. Empfindung gelesen werden, wobei die Mitteilung des Ungenannten, dass er Lysander maßlos geliebt habe (ὑπερασπάζοιτο) in dem Zusammenhang wenig Sinn machte, weshalb ich der Lesart ὑπερασπίζοιτο ("dass er ihn beschützt habe") den Vorzug geben möchte.
Re: An einen Schmeichler
Γραικύλος schrieb am 19.06.2026 um 15:10 Uhr (Zitieren)
Über diesen scheinbar leichtfüßig daherkommenden Text habe ich viel gelernt.