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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Antheia und Abrokomas (94 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.08.2026 um 14:10 Uhr (Zitieren)
Xenophon von Ephesus, Antheia und Abrokomas I 1 f.:

Die Lebensdaten dieses Autors sind unklar. Da er ein Amt in Kilikien erwähnt, das es erst seit Kaiser Trajan gab (98-117 u.Z.), und offenbar von der Zerstörung des Artemisions von Ephesos (263 u.Z.) nichts weiß, spricht viel für ein Leben zwischen diesen beiden Daten. Selbst daß er aus Ephesos stammt, ist lediglich eine Vermutung.

Erhalten sind fünf Bücher seines Liebesromans. Da die Suda in einer kurzen Bemerkung von zehn Büchern spricht, wird es sich in der überlieferten Version wohl um eine gekürzte Fassung handeln, wofür auch Brüche in der Handlung sprechen.
In Ephesos lebte ein Mann, der zu den angesehensten Familien dort gehörte, mit Namen Lykomedes. Dieser Lykomedes hatte von seiner Gattin Themisto, die auch aus demselben Orte stammte, einen Sohn, Habrokomas [Ἀβροκόμης]; der war so außergewöhnlich wohlgestaltet, daß es weder in Ionien noch sonstwo auf der Welt jemanden gab, der schöner war. Und Habrokomas wurde stets, mit jedem neuen Tage, noch schöner. Zugleich mit den blühenden Reizen seines Körpers nahmen auch die Kräfte seines Geistes zu. Er widmete sich jeder Art von Ausbildung, übte sich in den verschiedenen musischen Künsten. Zitherspiel, Reiten, Waffenkampf waren seine täglichen Übungen.

Die Ephesier waren allesamt ganz vernarrt in ihn, und nicht nur sie, sondern auch die anderen Bewohner Kleinasiens. Man setzte die größten Hoffnungen auf ihn, daß er einmal in der Stadt einen bedeutenden Platz einnehmen werde. Sie verehrten den Knaben fast wie einen Gott, ja es gab welche, die, wenn sie ihn nur sahen, sich zu Boden warfen und ihn anbeteten [προσεῖχον δὲ ὡς θεῷ τῷ μειρακίῳ. καί εἰσιν ἥδη τινὲς οἳ καὶ προσεκύνησαν ἰδόντες καὶ προσηύξαντο].

Das alles machte den Jüngling außerordentlich eitel auf seine Person, und er begann, mit den Gaben seines Geistes, aber noch mehr mit der Schönheit seines Körpers zu prahlen. Was sonst auch immer als schön galt, alles verachtete er als viel geringer. Nichts erschien ihm mehr der Augen, der Ohren des Habrokomas würdig. Wenn er von einem schönen Knaben hörte oder von einem hübschen Mädchen, dann lachte er die Erzähler aus, weil sie offenbar nicht gemerkt hatten, daß er, er allein wirklich schön war.

Eros erkannte er nicht als Gott an, sah auf ihn geringschätzig herab, hielt ihn für ein Nichts. Niemand, so sagte er, würde je der Liebe verfallen und diesem Gotte untertan werden, wenn es ihm nicht selbst recht wäre. Sah er irgendwo einen Tempel, ein Abbild des Eros, dann lachte er nur und meinte, er selbst überträfe jeden Eros an körperlicher Schönheit wie auch an Macht über die Menschen. Und es war wirklich so: Wenn Habrokomas nur auftauchte, dann schien keine Statue mehr schön, kein Gemälde gab es mehr, das man hätte loben mögen.

Darüber geriet Eros in Zorn, ein stolzer Gott, unerbittlich gegenüber seinen Verächtern [Μηνιᾷ πρὸς ταῦτα ὁ Ἔρως. φιλόνεικος γὰρ ὁ θεὸς καὶ ὑπερηφάνοις ἀπαραίτητος]. Er sann darauf, wie er gegen den jungen Mann vorgehen sollte; denn selbst dem Gotte schien es schwer, ihn zu besiegen. So legte Eros schwere Waffen an, holte das stärkste Liebesgift hervor und zog in den Kampf gegen Habrokomas.
[...]

(Xenophon von Ephesos: Die Waffen des Eros; in: Im Reiche des Eros. Sämtliche Liebes- und Abenteuerromane der Antike. 2 Bde. Hrsg. v. Bernhard Kytzler. München 1983; Bd. 1, S. 101 f.)

Der Autor versteht es, so meine ich, eine Spannung aufzubauen.
Re: Antheia und Abrokomas
Γραικύλος schrieb am 30.08.2026 um 14:40 Uhr (Zitieren)
ὁ Ἔρως. φιλόνεικος --> ὁ Ἔρως. φιλόνεικος
Re: Antheia und Abrokomas
Γραικύλος schrieb am 01.09.2026 um 13:38 Uhr (Zitieren)
Hat sich jetzt jemand motiviert gefühlt, sich den Roman zu besorgen und ihn zu lesen, um zu erfahren, wie es weitergeht?
 
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