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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter (196 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.08.2026 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Aussprüche von Königen und Feldherren (Moralia 181 F):

Ptolemaios I. Soter war ein General Alexanders des Großen und später König von Ägypten (323 – 285/3 v.u.Z.), der Begründer der Ptolemäer-Dynastie.
Ptolemy, son of Lagus, used, as a rule, to dine and sleep at his friend’s houses; and if ever he gave a dinner, he would send for their dishes and linen and tables, and use them for the occasion. He himself owned no more than were required for everyday use; and he used to say that it was more kingly to enrich than to be rich [ἀλλὰ τοῦ πλουτεῖν ἔλεγε τὸ πλουτίζειν εἶναι βασιλικώτερον].

Vgl. Aelian, Varia Historia

Ptolemy son of Lagus (they say) took great pleasure in enriching his friends. He said it was better to make other people rich than be rich oneself [ἔλεγε δὲ ἄμεινον εἶναι πλουτίζειν ἢ πλουτεῖν].

[XIII 13]

[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 68 sq.]
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
Andreas schrieb am 31.08.2026 um 17:40 Uhr (Zitieren)
and he used to say that it was more kingly to enrich than to be rich

Das einnert an:
„πάντα ὑπέδειξα ὑμῖν ὅτι οὕτως κοπιῶντας δεῖ ἀντιλαμβάνεσθαι τῶν ἀσθενούντων, μνημονεύειν τε τῶν λόγων τοῦ κυρίου Ἰησοῦ ὅτι αὐτὸς εἶπεν, Μακάριόν ἐστιν μᾶλλον διδόναι ἢ λαμβάνειν.

(Apostelgeschichte 20,35)
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
Γραικύλος schrieb am 31.08.2026 um 18:09 Uhr (Zitieren)
Nur daß Ptolemaios dies nicht für eine Belohnung im Himmelreich tut, ἀλλὰ τοῦ πλουτεῖν ἔλεγε τὸ πλουτίζειν εἶναι βασιλικώτερον.
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
Bukolos schrieb am 01.09.2026 um 06:51 Uhr (Zitieren)
Zwei Männer, die als θεὸς σωτήρ verehrt wurden (bzw. werden), bringen Mauss' Überlegungen zum Prestigegewinn aus Potlatch & Co. auf den Punkt - die Parallele hat schon was für sich.
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
βροχή schrieb am 01.09.2026 um 09:33 Uhr (Zitieren)
Geht es wirklich um Prestige?

Nur das nötigste zu besitzen ist doch eher minimalistisch. Wenn man nur weniges hat, muss man sich auch nur um weniges kümmern.
Eine Form der Bequemlichkeit. Auf dann doch mal benötigtes weiters bei Bedarf zurückgreifen zu können, weil die Freunde es vorhalten und sich darum kümmern, ist eine Form von Geschicklichkeit.

Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 01.09.2026 um 10:48 Uhr (Zitieren)
Ich denke, das Kriterium für Ptolemaios' Verhalten/Einstellung ist das Stichwort βασιλικώτερον = "dem Herrscher zukommend(er)/angemessener/würdiger". Das als 'Prestige' zu bezeichnen ist wohl treffender, als es/sie auf reine Praktikabilität, Bequemlichkeit gar zu beschränken.

Bukolos' Hinweis auf den rituellen Austausch von Geschenken, der bei einer agonistischen Ausrichtung der Transaktion auch eine Belastung des Schenkenden bis hin zum Ruin darstellt/darstellen kann, ist erhellend. In dem Zusammenhang kann man auch an die δῶρα ξεινικά erinnern, die (anders als unser dt. Wort 'Gastgeschenke', also solche, die der Gast mitbringt) die Pflicht des Gastgebers sind, die der Gast also erwarten durfte, und an den schönen Satz "Reich ist nicht, wer viel besitzt, sondern wer viel gibt."

Ptolemaios erweist sich also als guter Herrscher, weil/wenn er seinen Untertanen die Gelegenheit gibt, sich ihm gegenüber als reich zu zeigen und sich damit nicht nur ihm, sondern auch sich selbst Ehre anzutun.
Eine etwas anders gelagerte Form des do ut des :-)
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
βροχή schrieb am 01.09.2026 um 11:26 Uhr (Zitieren)
Er sagt selber, es sei würdig. Die eigene Würde zu betonen, ist schon ein Abbruch an dieser.

Gibt er wirklich, wenn er sich selber bei anderen einlädt und für eigene Einladungen auf andere zurückgreift?


Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 01.09.2026 um 12:47 Uhr (Zitieren)
Du legst heutige Maßstäbe an, betrachtest es aus einem Blickwinkel, die/der der damaligen Auffassung nicht entsprechen/entspricht. Zentral ist hier die Ehre, die der höhergestellte Gast dem Gastgeber erweist, indem er ihn aufsucht und sich bewirten läßt.
Vgl. Lk 19,5

Stell' Dir vor, die Queen auf Staatsbesuch hätte, sämtliche protokollarischen Regeln und Gepflogenheiten außer Acht lassend, aus welchem Grund auch immer vor Deinem Haus angehalten - hättest Du sie nicht hereingebeten und nicht alles getan/gegeben, ihr einen würdigen Empfang zu bereiten, so gut Du's eben hast? Und wie hättest Du Dich anschließend gefühlt? Reue über die unvorhergesehenen Ausgaben oder doch Stolz?
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
βροχή schrieb am 01.09.2026 um 13:45 Uhr (Zitieren)
σ... mir geht es nicht so sehr um die Freunde, die ihm helfen. Sicher sind die stolz, es fällt ein bisschen Ruhmesglanz auf sie.

Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
Γραικύλος schrieb am 01.09.2026 um 14:11 Uhr (Zitieren)
Sinnig ist ja der Hinweis von Bukolos, daß hier - dank Andreas - von zwei Menschen die Rede ist, die als θεὸς σωτήρ, als göttlicher Erlöser, bezeichnet wurden bzw. werden, Ptolemaios natürlich lange vor Jesus Christus.

Dennoch bin ich der Meinung, daß es diesem um etwas anderes geht als dem Ptolemaios: "Die Letzten werden die Ersten sein" und "Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden."
Ptolemaios hingegen geht es um das durch großzügiges Schenken gewonnene Ansehen, das Prestige. Er macht sich nicht klein dabei, sondern groß.
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
βροχή schrieb am 01.09.2026 um 14:53 Uhr (Zitieren)


das betrifft den 2. Satz?

Ptolemy son of Lagus (they say) took great pleasure in enriching his friends. He said it was better to make other people rich than be rich oneself


... geht es nicht darum die Freude, die seine Geschenke auslösen zu sehen und sich selber daran zu erfreuen? Das ist sein naturell, er mag es und kann es sich leisten, das auszuleben.

Wenn er sich dann verausgabt hat und nicht mehr reich ist, wenn er hier angekommen ist:

He himself owned no more than were required for everyday use


kann er auch niemandem mehr große Geschenke machen? Bzw. er verschenkt das, was er zuvor von anderen nimmt?






Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
Bukolos schrieb am 03.09.2026 um 01:27 Uhr (Zitieren)
Zitat von βροχή am 1.9.26, 14:53Das ist sein naturell, er mag es und kann es sich leisten, das auszuleben.

Der Politik der Gabe (um noch einmal auf Marcel Mauss zurückzukommen), die der Begründer einer dynastischen Theokratie ebenso wie der überaus erfolgreiche Religionsstifter exemplarisch vorlebt, darf man wohl mehr Kalkül unterstellen als der Aelian-Text uns glauben machen will. Dem Gabentausch als sozialem Kommunikationsmittel und stabilisierendem Faktor der Gemeinschaft dürfte in beiden Gruppen - der hellenisch-makedonischen Elite in Ägypten und der bedrängten Religionsgemeinschaft im Römischen Reich - keine geringe Rolle bei ihrer Etablierung zugekommen sein.
Re: Ein Ausspruch des Ptolemaios I. Soter
βροχή schrieb am 03.09.2026 um 06:29 Uhr (Zitieren)
Dem Gabentausch als sozialem Kommunikationsmittel und stabilisierendem Faktor der Gemeinschaft dürfte....
- keine geringe Rolle bei ihrer Etablierung zugekommen sein.


Das gilt ja sehr oft, ich möchte das auch nicht relativieren.

Mein post interpretiert den Text und greift einen Einzeltyp auf, ob der realistisch auf den genannten zutraf, weiß ich nicht.

 
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