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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Klassenfahrt (503 Aufrufe)
Φιλομαθής schrieb am 28.01.2019 um 14:49 Uhr (Zitieren)
Eine Gruppe von Lehrern und Schülern aus Athen ist, nachdem sie eine geraume Zeit in Cerveteri verbracht hatte, vor rund 150 Jahren an die Spree gelangt. Drei unter ihnen weilen mit ihren Gedanken jedoch bei einem anderen Fluss. Welchem?
Re: Klassenfahrt
οὔτις schrieb am 28.01.2019 um 17:47 Uhr (Zitieren)
Ich vermute mal:
Die Spree vor 150 Jahren, da denkt man an den Pergamonaltar. Der Fluß könnte dann der Kaikos sein.

Cerveteri und die Zahl 3 bleiben hierbei noch unberücksichtigt, leider.
Re: Klassenfahrt
filix schrieb am 28.01.2019 um 21:05 Uhr (Zitieren)
So einfach macht Φιλομαθής es nicht - in der Ilias verstopfen Leichen diesen Strom, Achill, der Verursacher dieser Gewässerverschmutzung, legt sich wenig erfolgreich mit dessen Gott an. Auf der rotfigurigen Trinkschale, die über Cerveteri nach Spreeathen gelangte, sieht man übrigens, dass Laptops mit Touchpen im Schulunterricht kein Novum unserer Tage sind.
Re: Klassenfahrt
Φιλομαθής schrieb am 28.01.2019 um 23:05 Uhr (Zitieren)
Gratulation! (Dass das Rätsel ohne weitere Hinweise zu lösen ist, hätte ich kaum erwartet.) Ja, es handelt sich um die von dem athenischen Vasenmaler Douris verzierte sogenannte Schulschale (Inventar-Nr. F 2285 der Berl. Antikensamml., Beazley Nr. 205092*), beliebt als Illustration in Lehrbüchern des Altgriechischen. Gefunden wurde sie in der etruskischen Nekropole von Cerveteri.

Der erwähnte Ur-Laptop konnte s. v. Rhetograph tatsächlich ins Historische Wörterbuch der Rhetorik eingeschleust werden und wird, wenn aus künftigen Auflagen wieder getilgt, immerhin wohl in der Wikipedia seinen Platz behalten.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Kylix befindet sich die Szene, die Gegenstand des Rätsels war. Ein Lehrer breitet eine Buchrolle aus, ein zweiter Mann, wohl ebenfalls zum Lehrkörper gehörig, sitzt dabei und scheint mit Krummstab und Fingern das Metrum abzuzählen, zwischen ihnen steht der Prüfling. Auf der Buchrolle erkennt man die Schriftzeichen:

ΜΟΙΣΑΜΟΙ
ΑΦΙΣΚΑΜΑΝΔΡΟΝ
ΕΥΡΩΝΑΡΧΟΜΑΙ
ΑΕΙΝΔΕΝ

Das Ganze wird meist in folgender Weise als Hexameter gelesen: Μοῖσά μοι ἀμφὶ Σκάμανδρον ἐΰρροον ἄρχομ' ἀείδειν, allerdings lässt sich zwischen dem Μοῖσά μοι und dem Übrigen keine Sinneinheit herstellen. Die Meinungen darüber, ob wir hierbei das Bruchstück eines verlorenen Troja-Gedichts vor uns haben oder ob nur die ersten poetischen Gehversuche des dargestellten Schülers präsentiert werden, gehen auseinander.

* http://www.beazley.ox.ac.uk/record/EDB1DF70-3922-48F4-BD5D-C0EE747E47D4[/sub]
Re: Klassenfahrt
filix schrieb am 29.01.2019 um 12:27 Uhr (Zitieren)
Antike, Cerverteri und Berlin - da kann es sich doch nur um Vasenmalerei handeln. Die D(o)urisschale wird auch in dem Bändchen Von Göttern und Menschen - Bilder auf griechischen Vasen (herausgegebn von den SMB), das für kleinen Preis ziemlich gute Abbildungen bietet, vorgestellt, auf die von dir für das Rätsel ausgewählte Szene wird dort allerdings nicht näher eingegangen.

Danke für den Hinweis auf das Kuckucksei* im Hist. Wörterbuch der Rhetorik , das folgendermaßen beschlossen wird: F.-H. Gnilbor, G. Adovilak → Confusio –> Inventio demens –> Logograph –> Perturbatio –> Schreibunterricht.

* https://books.google.de/books?id=75ljBLDvS_IC&pg=PA1395#v=onepage&q&f=false[/sub]
Re: Klassenfahrt
filix schrieb am 29.01.2019 um 13:33 Uhr (Zitieren)
Cerveteri; herausgegeben ...

Bei dieser Gelegenheit: Kennt jemand eine Zusammenstellung antiker lit. Quellen, in denen Darstellungen auf Vasen behandelt werden?
Re: Klassenfahrt
Φιλομαθής schrieb am 29.01.2019 um 17:23 Uhr (Zitieren)
Ob es da wirklich so viele gibt? Thomas Mannack (Griechische Vasenmalerei, Eine Einführung, Darmstadt ²2012, S. 15) bemerkt: "Obwohl Tongefäße aller Art sehr beliebt waren, werden sie von antiken Schriftstellern nur beiläufig erwähnt. Immerhin berichtet Herodot (V 88), daß Argiver und Aegineten nach einer nicht datierbaren Auseinandersetzung mit Athen den Gebrauch attischer Töpferwaren in ihren Tempeln untersagten." Und weiter: "Die Römer schenkten griechischer Keramik wenig Beachtung. Das einzige uns überlieferte literarische Zeugnis stammt von Sueton (divus Iulius, 81), ..."

Zitat von filix am 29.1.19, 12:27F.-H. Gnilbor, G. Adovilak → Confusio –> Inventio demens –> Logograph –> Perturbatio –> Schreibunterricht.

:-) Man muss nicht Turing heißen, um die Klarnamen der Übeltäter zu ermitteln.
Re: Klassenfahrt
Φιλομαθής schrieb am 29.01.2019 um 20:04 Uhr (Zitieren)
Zitat von filix am 29.1.19, 12:27Hinweis auf das Kuckucksei

Apropos Kuckucksei: der erwähnte Vers sollte nicht nur einmal dem Stesichoros als ein solches untergeschoben werden. In einem 2014 veröffentlichten Aufsatz schreibt Jasper Gaunt (The Poet and the Painter: A Hymn to Zeus on a Cup by the Brygos Painter, in: Between Orality and Literacy: Communication and Adaptation in Antiquity, Leiden, S. 108): "Theodor Bergk suggested that the verse was a quotation from Stesichoros." In der Fußnote die Stellenangabe: "His Stesichorus fr. 26."¹

In Bergks Poetae lyrici Graeci (vol. III, Lpz. ⁴1882) erscheint der Vers nun allerdings nicht bei Stesichoros, sondern als Frg. 30 A unter den Adespota des Bandes². Als Frg. 26 des Stesichoros führt ihn hingegen Ernst Diehl in seiner Anthologia lyrica Graeca (vol. II, Lpz. 1925). Dieser nun beruft sich auf Wilamowitz-Moellendorff als Urheber der Zuschreibung: "Stesichoro dedit Wil. Herm. 40, 128, 96".

Geht man dem nach³, stößt man zwar auf eine Konjektur zu einem Stesichoros-Fragment, allerdings einem, das bei Plutarch überliefert wird. Wilamowitz selbst rückt den Irrtum zurecht und zeigt sich dabei ungewöhnlich nachsichtig (Hermes 60, 1925, S. 302): "Durch irgendeinen Zufall hat Diehl das übersehen und führt XL 128 zu Stesichoros 26 an: da soll ich den Gallimathias des guten Duris Μοῖσά μοι ἀφὶ Σκάμανδρον ἐύρων ἄρχομ' ἀείδεν dem Stesichoros zugeschrieben haben. Wie das entstanden ist, werden wir wohl beide nicht wissen. Aber wer eine solche Arbeit leistet, dem würde man hundert Irrtümer verzeihen."⁴

¹ https://books.google.de/books?id=n0z3AwAAQBAJ&pg=PA108#v=onepage&q&f=false
² https://archive.org/details/poetaelyricigrae03berguoft/page/696
³ https://archive.org/details/hermeswies40wies/page/128
https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k55235d/f308.image.langDE[/sub]
Re: Klassenfahrt
Φιλομαθής schrieb am 01.02.2019 um 22:33 Uhr (Zitieren)
Thomas Mannacks Angabe zu bestätigen scheint Johannnes Overbeck, wenn er im Vorwort zu seiner Quellensammlung anmerkt: "Die Namen der zwei oder drei litterarisch bekannten Steinschneider und ein Verzeichnis der Vasenmalernamen wird Niemand vermissen oder in einem Buche wie dieses - wenigstens nicht berechtigterweise - suchen." (Die antiken Schriftquellen zur Geschichte der bildenden Künste bei den Griechen, Leipzig 1868, S. VI.) Es kann freilich nicht schaden, auch einen Blick in den, nunmehr fünfbändigen, Neuen Overbeck zu werfen.

In der Anthologia Graeca findet man über Hermann Beckbys Register (Hohlgefäße, Trinkgefäße) einzelne Epigramme, die sich auf Vasenbilder beziehen, aber wer wollte sagen, aus welcher Zeit die thematisierten Gefäße stammten und ob es sich dabei überhaupt um Keramik handelte?
Re: Klassenfahrt
filix schrieb am 01.02.2019 um 23:01 Uhr (Zitieren)
Erstaunlich, dass eine so omnipräsente Kunstgattung so wenige Spuren hinterlassen hat. Danke jedenfalls für die Recherche bzw. Hinweise. Der Neue Overbeck ist mir tatsächlich entgangen ... Kannst Du den Mannack empfehlen?
Re: Klassenfahrt
Φιλομαθής schrieb am 02.02.2019 um 12:30 Uhr (Zitieren)
Im Großen und Ganzen ja. Das, was der Untertitel verspricht, eine Einleitung zu sein, wird nach meinem Eindruck eingelöst. Nach Durcharbeiten des Bandes sollte man über ein solides Grundwissen auf dem Gebiet verfügen. Einem knappen Durchgang durch die Forschungsgeschichte folgen Darstellungen dessen, was man über Herstellung, Handel und Gebrauch der Vasen weiß, sowie ein Überblick über die Datierungsmethoden. Im Anschluss werden alle Epochen der figürlich verzierten Vasenkunst des alten Griechenland und ihre Herstellungszentren abgehandelt und die wichtigsten, identifizierbaren Maler vorgestellt. Einzelne Kunstwerke werden jedoch nicht beschrieben. Benutzerfreundlich zeigt sich die gegliederte Bibliographie.

Ein echter Mangel des Buchs liegt im Fehlen eines Registers, so dass es zum Nachschlagen nur bedingt zu gebrauchen ist. Auch das beigegebene Glossar bietet in dieser Hinsicht keinen Ersatz, besteht es doch hauptsächlich aus Erklärungen zur Mythologie, bei denen man sich teilweise fragt, welcher Leser diese benötigen könnte ("Eros: geflügeltes Kind der Aphrodite und Personifikation der Liebe."); Fachbegriffe zur Vasenkunde sind manchmal aufgenommen worden (Lekanis, Lieblingsnamen), oft jedoch nicht (Lekythos, Loutrophore). Als weiterer Minuspunkt ist zu erwähnen, dass die Abbildungen durchweg schwarz-weiß und z. T. recht kleinformatig ausfallen.
Re: Klassenfahrt
filix schrieb am 03.02.2019 um 21:45 Uhr (Zitieren)
Danke für die ausführliche Darlegung - die bescheidene Abbildungsqualität finde angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten der Reproduktion besonders ärgerlich, ich habe meine Zweifel, dass die nur ökonomischen Zwängen geschuldet ist, es gibt ja auch so etwas wie visuelle Unkulturen, in denen das Dürftige Seriosität signalisieren soll.
 
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