α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sextus Empiricus zur Skepsis (201 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 05.08.2019 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Sextus Empiricus in seinem Grundriß der pyrrhonischen Skepsis (Pyrrhon war ein Skeptiker, der selber nichts geschrieben hat) wendet sich gegen eine Form von Skepsis, welche nicht sich selbst einbezieht, sondern einen skeptischen Standpunkt dogmatisch vertritt. Der wahre Skeptiker
[...] dogamtisiert jedoch auch nicht, wenn er hinsichtlich der verborgenen Dinge die skeptischen Schlagworte vorbringt, z.B. "Um nichts eher" (οὐδὲν μᾶλλον) oder "Ich bestimme nichts" (οὐδὲν ὁρίζω) oder eines der übrigen, über die ich später noch reden werde. Der Dogmatisierende nämlich setzt die Sache als wahr, über die er angeblich dogmatisiert, der Skeptiker dagegen setzt diese Schlagworte nicht als unbedingt wahr. Denn wie das Schlagwort "Alles ist falsch" (πάντα ἐστὶ ψευδῆ) und ebenso das Schlagwort "Nichts ist wahr" (οὐδέν ἐστιν ἀληθές) mit den übrigen Dingen auch sich selbst falsch nennt, so nimmt auch der Skeptiker an, daß das Schlagwort "Um nichts mehr" mit den übrigen Dingen auch sich selbst "nicht eher" (μὴ μᾶλλον) wahr nennt und daß es deswegen zusammen mit den übrigen Dingen sich selbst ausschaltet. [...] Wenn also der Dogmatisierende sein Dogma als wahr setzt, der Skeptiker dagegen seine Schlagworte in dem Sinne vorbringt, daß sie potentiell von sich selbst ausgeschaltet werden, dann wird man wohl nicht behaupten, daß er dogmatisiere, wenn er sie vorbringt. Das Wichtigste aber ist, daß er bei der Äußerung der Schlagworte nur sagt, was ihm selbst erscheint (τὸ ἑαυτῷ φαινόμενον λέγει), und daß er nur sein eigenes Erlebnis undogmatisch kundtut, ohne über die äußeren Gegenstände irgendetwas zu versichern.

(I 14 f.)

Und selbst diese Vorsicht ist noch ein gutes Stück entfernt von Wittgensteins Erkenntnis: "Wer an allem zweifeln wollte, der würde auch nicht bis zum Zweifel kommen. Das Spiel des Zweifelns selbst setzt schon die Gewißheit voraus." [i](Über Gewißheit Zf. 115)

Welche Gewißheit? Die der Sprache, in der er denkt, d.h. die Gewißheit, daß das Wort "Zweifel" eine klare Bedeutung innerhalb einer Sprache hat. Daran zweifelt Sextus Empiricus keine Sekunde.
Re: Sextus Empiricus zur Skepsis
Γραικίσκος schrieb am 05.08.2019 um 16:05 Uhr (Zitieren)
Korrektur:

Sextus Empiricus in seinem Grundriß der pyrrhonischen Skepsis (Pyrrhon war ein Skeptiker, der selber nichts geschrieben hat) wendet sich gegen eine Form von Skepsis, welche nicht sich selbst einbezieht, sondern einen skeptischen Standpunkt dogmatisch vertritt. Der wahre Skeptiker
[...] dogamtisiert jedoch auch nicht, wenn er hinsichtlich der verborgenen Dinge die skeptischen Schlagworte vorbringt, z.B. "Um nichts eher" (οὐδὲν μᾶλλον) oder "Ich bestimme nichts" (οὐδὲν ὁρίζω) oder eines der übrigen, über die ich später noch reden werde. Der Dogmatisierende nämlich setzt die Sache als wahr, über die er angeblich dogmatisiert, der Skeptiker dagegen setzt diese Schlagworte nicht als unbedingt wahr. Denn wie das Schlagwort "Alles ist falsch" (πάντα ἐστὶ ψευδῆ) und ebenso das Schlagwort "Nichts ist wahr" (οὐδέν ἐστιν ἀληθές) mit den übrigen Dingen auch sich selbst falsch nennt, so nimmt auch der Skeptiker an, daß das Schlagwort "Um nichts mehr" mit den übrigen Dingen auch sich selbst "nicht eher" (μὴ μᾶλλον) wahr nennt und daß es deswegen zusammen mit den übrigen Dingen sich selbst ausschaltet. [...] Wenn also der Dogmatisierende sein Dogma als wahr setzt, der Skeptiker dagegen seine Schlagworte in dem Sinne vorbringt, daß sie potentiell von sich selbst ausgeschaltet werden, dann wird man wohl nicht behaupten, daß er dogmatisiere, wenn er sie vorbringt. Das Wichtigste aber ist, daß er bei der Äußerung der Schlagworte nur sagt, was ihm selbst erscheint (τὸ ἑαυτῷ φαινόμενον λέγει), und daß er nur sein eigenes Erlebnis undogmatisch kundtut, ohne über die äußeren Gegenstände irgendetwas zu versichern.

(I 14 f.)

Und selbst diese Vorsicht ist noch ein gutes Stück entfernt von Wittgensteins Erkenntnis: "Wer an allem zweifeln wollte, der würde auch nicht bis zum Zweifel kommen. Das Spiel des Zweifelns selbst setzt schon die Gewißheit voraus." (Über Gewißheit Zf. 115)
Welche Gewißheit? Die der Sprache, in der er denkt, d.h. die Gewißheit, daß das Wort "Zweifel" eine klare Bedeutung innerhalb einer Sprache hat. Daran zweifelt Sextus Empiricus keine Sekunde.
Re: Sextus Empiricus zur Skepsis
Γραικίσκος schrieb am 05.08.2019 um 16:32 Uhr (Zitieren)
dogamtisiert --> dogmatisiert
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pyramiden von Gizeh

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.