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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Echnaton in der Literatur (79 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 06.11.2019 um 14:54 Uhr (Zitieren)
Nachdem um 1900 herum der der damnatio memoriae verfallene Pharao Echnaton, der Begründer der ersten monotheistischen Religion, wiederentdeckt worden war, hat sein Lebenswerk auch eine - bescheidene? - literarische Deutung erfahren.

Bekannt ist sein umfänglicher Auftritt in Thomas Manns Joseph und seine Brüder. Darüber hier etwas zu sagen, heißt Eulen nach Athen bzw. Mumien nach Ägypten zu tragen.

Nennen möchte ich aber Walter Erich Schäfers (1901-1981) Trauerspiel Echnaton, das 1925 in Stuttgart veröffentlicht worden ist.
Das Drama schildert den Weg von Amenophis zu Echnaton, von der traditionellen zur revolutionären Religion.
An euch, ja, wend' ich mich, ihr Brüder. Für euch nur sprach ich, was aus Schweigen geboren. Hündisch kniet ihr gestreckt, in Dunkel und bangem Geheimnis. Steine um euch, Grabkälte und Stille. Ist das Gott? Ihr Menschen, dem Licht geboren, dem Frohsein und Leben, schaut ihr Gott, atmet ihr Gott? - Hei, Leute, weitauf die Tore, nieder die schwarzen Gehänge!

(S. 55)

Und Aton funkelt. Und Aton winkt. Brüder! Mit mir kommt, wer glaubt an Aton, den Hochbrausenden, den Inwohnenden! Frei er - frei wir. Verlaßt dies Haus, die Stadt, die Blut dünstet, da jeder Stein von Gewalt spricht und von Fluch jede Säule. Da Gottes Glut starr ward und Fratze sein Antlitz. In die Wüste kommt, unter Sterne und Bläue, wo Gott tanzt in Winden und Glanz. Dort dienen wir ihm, dort schauen wir ihn. Dort ruhn wir, ihr Brüder, gebettet in Aton, den Gott.

(S. 58)

S. 63 rezitiert Echnaton dann aus seinem berühmten Aton-Hymnus: "Schön bist du, Aton, Aton, strahlend am Lichtberg des Himmels" usw.

Aber es geht tragisch aus: Echnaton stirbt, und die Menge verwüstet die neuen Tempel.
Nenne die Krankheit! Nenne sie Tod. Nicht Tod ist's, das zuckt durch meine Gebeine. Daß Echnaton hinzieht den großen Strom, was wiegt's? Daß ich hinfahre in Jugend? - Heller glüht' ich, warum nicht soll ich schneller verglühn, denn die vielen? Nein, nein. Aton seh' ich nicht mehr, Blutwolken hängen vor Aton! [..]
Weh, tot ist Aton! Tot ich selbst! Weht nicht Verwesung aus meinem Mund? Stiert nicht mein Auge gleich Totenaugen? Tot ist der Gott! Echnaton hat ihn gemordet.

(S. 96)

Ei, Schäfers Echnaton riecht nach Nietzsche.

Kennt jemand weitere literarische Verarbeitungen des Stoffes?
 
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