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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Judenpogrom in Alexandria #2 (76 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.06.2020 um 23:46 Uhr (Zitieren)
Daraufhin verbesserte sich die Lage der Juden, obgleich die Synagogen geschlossen blieben. In dieser Situation brach eine Delegation von drei Juden nach Rom auf, an ihrer Spitze Philo. Sie sollte zwei Kernanliegen vorbringen, die mit den Stichworten Synagoge und Verbesserung der Bürgerrechtssituation gekennzeichnet sind. Das Problem der Synagogen scheint bei den Audienzen nicht thematisiert worden zu sein. Die Juden hätten sicherlich die Entfernung der Kaiserstatuen verlangt, während Caligula sich bei ihnen darüber beschwert hätte, daß sie ihm nicht opfern würden. Das Gegenargument der jüdischen Abgesandten, sie würden für ihn opfern, hätte den Kaiser nicht sonderlich beeindruckt. Bei dem zweiten Themenkomplex könnte es darum gegangen sein, daß die Juden das alexandrinische Bürgerrecht anstrebten; dies wurde ihnen in der späteren Antwort des Kaisers Claudius nicht gewährt.

Mit den Juden machte sich aber auch eine Gesandtschaft der griechischen Bürger Alexandrias auf die lange Reise, geleitet von Apion, als notorischer Judenhasser bekannt. Die Griechen wollten alle Schuld an den Unruhen in Alexandria von sich weisen und darauf beharren, daß der politische Status der Juden erhalten bliebe. Im Mai des Jahres 40 wurden beide Delegationen endlich zu einer Audienz bei Caligula vorgelassen, die ohne Ergebnis verlief.
[...]

Nach der Ermordung Caligulas im Januar 41 schöpften die Juden neue Hoffnung und begannen in Alexandria einen bewaffneten Aufstand gegen die griechische Bevölkerung, den die Römer im Keim erstickten. Die Lösung des mehrere Jahre schwelenden Konfliktes brachte das berühmte Edikt des Claudius an die Alexandriner vom 10. November 41: „Was die Frage betrifft, wer von euch verantwortlich war für den Aufstand und die Fehde oder – wenn man die Wahrheit sagen soll – den Krieg gegen die Juden, so bin ich nicht geneigt, ein bestimmtes Urteil zu fällen, obwohl eure Gesandten eure Sache angesichts ihrer Gegner mit Eifer betrieben haben. Ich behalte mir aber unerbittlichen Zorn gegen jede Seite vor, welche die Feindseligkeiten wieder aufnehmen sollte. [...] Deshalb beschwöre ich euch noch einmal, auf der einen Seite die Alexandriner, sich verträglich und freundlich gegen die Juden zu zeigen, die viele Jahre in derselben Stadt gewohnt haben, sie in der Ausübung ihres herkömmlichen Kultes nicht zu kränken, sondern ihnen die Beobachtung ihrer Sitten zu erlauben wie zur Zeit des Staatsgottes Augustus; und diese Sitten habe ich auch nach Anhörung beider Seiten bestätigt. Und auf der anderen Seite gebiete ich den Juden, nicht nach irgend etwas zu streben über das hinaus, was sie bisher be-saßen, keine gesonderte Gesandtschaft zu schicken, als ob sie in einer gesonderten Stadt lebten, und sich nicht in die Wettkämpfe der Gymnasiarchen und Kosmeten zu drängen, wäh-rend sie ihre Privilegien genießen und eine große Zahl von Vorteilen in einer Stadt, die nicht die ihre ist (weil sie keine Bürger der Stadt sind). Sie sollen ferner keine Juden hereinführen oder einladen, die aus Syrien oder Ägypten zu ihnen kommen, und mich nicht nötigen, um so mehr Verdacht zu schöpfen. Sonst werde ich mit allen Mitteln gegen sie vorgehen wie gegen Menschen, die in der Gemeinschaft des Erdkreises eine allgemeine Seuche erregen.“

(Manfred Clauss: Alexandria – Eine antike Weltstadt. Stuttgart 2003, S. 156-159)
Re: Ein Judenpogrom in Alexandria #2
Γραικύλος schrieb am 27.06.2020 um 12:20 Uhr (Zitieren)
Die Auseinandersetzungen gingen noch für Jahrzehnte weiter, bis unter Trajan der Statthalter unter Einsatz der beiden in Ägypten stationierten Legionen sämtliche Juden Alexandrias hat umbringen und ihren Stadtteil Δ zerstören lassen. Von da an sind für zwei Jahrhunderte keine Juden in Alexandria mehr nachweisbar.
Dann tauchen sie in der Überlieferung wieder auf, und zwar in einer überraschenden Rolle: als Unterstützer der Arianer gegen Athanasius.
 
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