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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Namhafte Tiere der Antike #10: Die gezähmte Riesenschlange (74 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.09.2020 um 18:46 Uhr (Zitieren)
[u]Diodorus Siculus (1. Jahrhundert v.u.Z.): Bibliotheké (III 36 f.) [/u[

[...] Indes habe ich die Absicht, eine Beschreibung der größten Schlangen zu geben, die man in dafür bestimmten Behältnissen nach Alexandria brachte und die dort wirklich zu sehen waren. Dazu soll eine detaillierte Beschreibung der Methode kommen, nach der man diese Schlangen einfing.

Ptolemaios II. nämlich, der eifrig bemüht war, Elefanten zu jagen und hohe Prämien für die aussetzte, die in raffiniertester Weise die stärksten dieser Tiere fingen, wandte sehr viel Geld auch für derartige Liebhabereien auf.
So brachte er nicht nur eine große Zahl Kriegselefanten in seinen Besitz, sondern bewirkte auch, daß von anderen, bisher nie gesehenen und in ihrer Art merkwürdigen Tieren die Griechen erstmals Kenntnis erhielten. So taten sich denn in genügend großer Zahl Jäger zusammen, die sahen, wie großzügig der König belohnte, und beschlossen, alles daran zu setzen, um eine der großen Schlangen zu jagen und nach Alexandria zu bringen.

Das Unternehmen war ebenso umfassend wie bewundernswert, das Glück ihren Absichten gewogen und von einem Ergebnis, das ihrer Tatkraft entsprach. Man hatte es nämlich auf eine Schlange abgesehen, die, 30 Ellen lang, sich an Wasserstellen aufhielt. Die ganze Zeit hindurch lag sie unbeweglich zusammengerollt; zeigten sich aber Tiere, die aus Durst an diesen Platz zu kommen pflegten, so schnellte sie plötzlich vor uns zerriß sie mit den Zähnen, während sie gleichzeitig mit ihrem ganzen Leibe ihre Opfer umfing, so daß sie ihrer Gewalt nicht mehr zu entfliehen vermochten. Da dieses Tier nun sehr lang und von Natur aus träge war, so hofften sie, es mit Stricken und Ketten in ihre Gewalt zu bekommen. Zuerst machten sie sich voller Mut ans Werk und hatten dazu alles Notwendige in Bereitschaft.

Je näher sie aber kamen, desto mehr wurden sie von Furcht verwirrt. Denn jetzt sahen sie die feurigen Augen, die gierig nach allen Seiten schnellende Zunge, dazu die dichten Schuppen, die ein schauerliches Geräusch ergaben, wenn sie sich vorwärts bewegte und dabei etwa an ein Ge-sträuch streifte. Ihre Zähne waren gewaltig und das ganze Maul furchtbar anzusehen, und Schauder erregte auch das ganze Geringel, wenn das Tier sich streckte.

So wich ihnen voller Furcht die Farbe aus dem Gesicht: Ängstlich warfen sie ihre Schlingen dem Tier um den Schwanz. Sobald aber die Stricke den Körper berührten, wandte dieses sich mit gewaltigem Gezisch nach rückwärts, schwang sich furchterregend dem ersten besten über den Kopf, packte ihn und fraß ihn bei lebendigem Leib. Einen zweiten, der davonlaufen wollte, faßte es noch von weitem mit dem Schwanz, um-schlang seinen Leib und erdrückte ihn. Die anderen suchten voller Schreck ihr Heil in der Flucht.

Doch gaben sie die Jagd nicht auf, denn Freigebigkeit und Großzügigkeit des Königs überwogen die Furcht vor den aus eigener Erfahrung kennengelernten Gefahren. So suchte man jetzt mit List und Kunstgriffen, die Schlange zu überwältigen, was mit Gewalt sich als unmöglich erwiesen hatte, und verschaffte dazu sich folgendes Mittel: Sie verfertigten ein dichtes, kugelförmiges Flechtwerk aus Binsen, einem Korbe ähnlich, doch an Umfang und Fassungsvermögen so, daß es den Körper der Schlange aufnahm.

Nun kundschafteten sie deren Höhle aus, dazu die Zeit, wann sie dieser zur Nahrungsaufnahme verließ und wann sie wieder zurückkam. Sobald sie sich nun zur gewohnten Jagd auf andere Tiere aufgemacht hatte, verschlossen sie eiligst den bisherigen Eingang der Höhle mit riesigen Steinblöcken und Erde. In der Nähe des Gebüsches hoben sie einen Gang im Boden aus, in dem sie ihr geflochtenes Gefäß versenkten, und zwar so, daß die Öffnung nach außen gerichtet war und damit das Tier zum Hineinkriechen verlocken mußte.

Für die Rückkehr aber hatte man Bogenschützen, Schleuderer und dazu eine große Zahl Berittener bereitgestellt, Trompeter und alles, was sonst noch dazu gehörte. Als diese sich ihr näherten, vermochte die Schlange den Kopf noch über die Höhe der Reiter emporzuheben.

Die versammelten Jäger nun, gewitzigt durch die vorausgegangenen Unfälle, wagten nicht, ihr nahe zu kommen, son-dern schossen, viele Hände, aus der Ferne alle auf das eine Ziel. Überdies wurde das Tier auch durch den Anblick der Reiter, die Menge starker Hunde und den Lärm der Trompeter verschreckt.

Es suchte sich daher zu dem gewohnten Schlupfwinkel zurückzuziehen, sie hingegen folgten ihm, aber nur so weit, daß es nicht noch mehr gereizt wurde. Doch als es an die aufgeführte Vermauerung kam, da begannen alle zusammen, mit ihren Waffen Lärm zu machen; Trompetenschall und das Auftauchen einer Masse Menschen setzten das Tier in Furcht und Verwirrung. Es fand den Eingang in die Höhle nicht, und durch die Bewegung unter den Jägern weiter erschreckt, floh es in die nahebei vorbereitete Öffnung.

Aber noch während sich nun das Geflecht mit den Windungen des Schlangenleibes füllte, ritten schnell einige der Jäger herbei, und ehe die Schlange ihren Kopf zu wenden vermochte, verschlossen sie die längliche Öffnung mit Stricken, die für den geeigneten Moment schon vorbereitet waren. Dann zog man den Korb aus dem Graben und hob ihn auf einen Wagen.

Das Tier, in engem Raum eingezwängt, aber gab unnatürliche, schreckliche Laute von sich und suchte, mit den Zähnen das Geflecht zu zerreißen, das es einschloß. Nach allen Richtungen warf es seinen Körper herum und ließ während des Transportes befürchten, es werde aus seinem kunstvollen Gefängnis ausbrechen. Erschreckt setzte man deshalb die Schlange wieder auf die Erde nieder und stach sie an einzel-nen Stellen in den Schwanz, um so die gefletschten Zähne auf die verwundeten Partien abzulenken.

Auf diese Weise brachten sie das Tier schließlich nach Alexandria und machten es dem König zum Geschenk, eine Sensation, die man nicht zu glauben vermochte, wenn man von ihr nur hörte. Mit Hilfe verringerter Nahrung gelang es schließ-lich, ihre wilde Kraft zu zähmen, und man gewöhnte sie allmählich an die Menschen, so daß man sich noch wunderte, wie weit sie es darin brachte.

Ptolemaios aber gab den Jägern die angemessene Belohnung und sorgte für den Unterhalt des gezähmten Tieres, das für alle Fremden, die in die Hauptstadt kamen, zur großen, vielbewunderten Attraktion [μέγιστον παρεχόμενον καὶ παραδοξότατον θέαμα] wurde.

(Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Buch I-X. Hrsg. v. Otto Veh. Stuttgart 1992, S. 232-234)

Bei den von Ptolemaios II. gesammelten Kriegselefanten handelte es sich nicht, wie man annehmen könnte, um den großen afrikanischen, sondern um den Waldelefanten, der noch kleiner ist als der indische (der den Seleukiden wegen ihrer Nähe zu Indien vorbehalten war) und diesem im Kampf unterlegen ist.
 
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