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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Frontwechsel der Stadtgötter (129 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 19.11.2020 um 23:47 Uhr (Zitieren)
Macrobius (Saturnalia III 9, 7 f.) zitiert ein einschlägiges Gebet:
si deus, si dea est, cui populus civitasque Carthaginensis est in tutela, teque maxime, ille qui urbis huius populique tutelam recepisti, precor venerorque veniamquea vobis peto ut vos populum civitatemque Carthaginensium deseratis, loca templa sacra urbemque erorum relinquatis, absque his abeatis eique popula civitatique metum formidinem oblivionem iniciatis, propitiique Romam ad me meosque veniatis, nostraque vobis loca templa sacra urbs acceptior probatiorque sit, mihique populoque Romano militibusque meis propitii sitis. si <haec> ita feceritis ut sciamus intellegamusque, voveo vobis templa ludosque facturum.

I call upon the one in whose protection are the people and community of Carthage, whether it be a god or a goddess, and upon you above all, who have undertaken to protect this city and people, and ask you all for your favor; may you all desert the people and community of Carthage, leave their sacred places, temples, and city, and depart from them, and upon this people and community heap fear, dread, forgetfulness, and come to Rome, to me and my people, with kindly spirit, and may our sacred places, temples, city be more acceptable and approved in your sight, and may you be well disposed to me and the Roman people and my army. If you all should do these things so that we know and understand them, I vow that I will make temples and games for you.

Kann man mal versuchen, wenn zwei Städte miteinander verfeindet sind.
Re: Frontwechsel der Stadtgötter
Marcella schrieb am 20.11.2020 um 08:27 Uhr (Zitieren)
popula > populo.

Vielleicht auch als Kompromiss die Stadtgötter zum wechselseitigen Umzug bewegen.

Zwei Stämme auf Borneo haben es mal so gemacht: Nach vielen Jahrzehnten vernichtender Fehde setzten sich die Dorfältesten zusammen mit dem Ergebnis, dass sämtliche Kinder wechselseitig adoptiert wurden. Es funktionierte. Holder Friede kam auf.
Re: Frontwechsel der Stadtgötter
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 20.11.2020 um 10:06 Uhr (Zitieren)
Das Funktionieren hat allerdings zur Voraussetzung, daß die Rückbindung des Einzelnen wie des Gemeinwesen (Staates) auf allgemeingültige Instanzen, seien es Götter, seien es (juristische oder moralische) Grundwerte, fraglos und unverbrüchlich gilt.
Wie man im Augenblick weithin sieht, besonders links des Großen Teichs, ist eine solche grundlegende Übereinstimmung so stark im Schwinden begriffen oder wird ausgehöhlt (um es vorsichtig zu formulieren), daß schon ein Versuch, daran zu appellieren, geschweige denn, ein Abkommen darauf zu bauen, aussichtslos erscheinen könnte.
Aber nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit (wieder)gekommen ist: Auf denn also!
Re: Frontwechsel der Stadtgötter
Marcella schrieb am 20.11.2020 um 19:41 Uhr (Zitieren)
Es tut gut, wieder klare, vernünftige Sätze zu hören. Darum habe ich diesen Beitrag wieder nach vorne gestellt.
Re: Frontwechsel der Stadtgötter
Γραικύλος schrieb am 20.11.2020 um 23:34 Uhr (Zitieren)
Dieser Beschwörungstext ist ja zum Schaden des Gegners gedacht; Die Götter treten hier nicht als Wahrer bzw. Schützer moralischer Werte auf. Die antiken Götter waren - von einzelnen Ausnahmen bei einzelnen Autoren abgesehen - weit weniger moralische Instanzen, als wir uns das heute vorstellen. Insbesondere waren sie keine moralischen Vorbilder. Sie halfen, ganz egoistisch, denen, von denen sie sich Verehrung und Opfer versprachen.

Ist das nun noch trostloser als der Glaube in unserer Gegenwart? Oder kann man die Welt nicht "Jenseits von Gut und Böse" sehen?
Re: Frontwechsel der Stadtgötter
aa schrieb am 21.11.2020 um 09:06 Uhr (Zitieren)
Sie halfen, ganz egoistisch, denen, von denen sie sich Verehrung und Opfer versprachen.


Kein Wunder bei dieser anthropomorphen
Göttervorstellung (Do, ut des").

Die Frage ist, wie man Gut und Böse definiert.
Was fängt beides an, wo hört es auf?
Der Theologe Rupert Lay verwendet dazu das
Biophilie-Prinzip.
„Handle stets so, dass Du das personale Leben in Deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen Menschen eher mehrst denn minderst“.

https://tredition.de/autoren/rupert-lay-19426/was-dem-leben-dient-hardcover-115492/

Welchen Glauben in der Gegenwart meinst du?
Woran glaubt dMn die heutige Welt?
Woran glaubst du?
Re: Frontwechsel der Stadtgötter
arbiter schrieb am 21.11.2020 um 15:03 Uhr (Zitieren)
Vom selben Autor - hier passend:
"Wir leben in einer Zeit unverantworteten Geschwätzes."
 
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