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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Dämon wird gesteinigt (66 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 18.02.2021 um 16:37 Uhr (Zitieren)
Apollonios von Tyana war ein charismatischer Wundermann, Theurg, Philosoph und vielleicht auch Zauberer der Antike, der schon damals mit Jesus verglichen wurde; gestorben ist er unter Kaiser Nerva (96-98 u.Z.).
[...] Als nun aber die Pest [ἡ νόσος] Ephesos befiel und nichts stark genug gegen die Seuche war, schickten die Leute eine Gesandtschaft zu Apollonios und wollten ihn zum Arzt ihrer Leiden machen. Apollonios hielt es nun nicht für nötig, den Gang aufzuschieben, sondern sprach: „Laßt uns gehen!“ und war sogleich in Ephesos, wo er dasselbe tat wie einst Pythagoras in Thurioi und Metapont zugleich [τοῦ Πυθαγόρου, οἶμαι, ἐκεῖνο πράττων τὸ ἐν Θουρίοις καὶ Μεταποντίοις εἶναι]. *)

Als er nun die Ephesier zusammengerufen hatte, sprach er: „Seid zuversichtlich! Noch heute werde ich der Seuche ein Ende machen.“ Auf diese Worte hin führte er die ganze Jugend vor das Theater, wo das Standbild des Apotropaios errichtet war. Hier sahen sie einen alten Mann, der zu betteln schien und kunstfertig mit den Augen zu blinzeln verstand. Er trug einen Ränzel mit einem Stück Brot darin, war in Lumpen gehüllt und hatte ein schmutziges Antlitz.

Apollonios ließ diesen Mann von den Ephesern umringen und rief: „Hebt Steine in großer Menge auf und bewerft damit den Feind der Götter [τὸν θεοῖς ἐχθρόν]!“ Die Epheser wunderten sich über diesen Befehl und hielten es für grausam [δεινὸν ἡγουμένων], einen so armseligen Fremdling zu steinigen, der jammerte und um Erbarmen flehte. Apollonios aber ließ nicht locker und feuerte sie an, auf den Mann einzudringen und ihn nicht fliehen zu lassen.

Daraufhin begannen ihn einige aus der Ferne zu beschießen, und als nun der Fremdling, der zuerst nur zu blinzeln schien, auf einmal aufblickte und Augen voll Feuer zeigte, erkannten die Epheser in ihm den bösen Geist [ξυνῆκαν οἱ Ἐφέσιοι τοῦ δαίμονος] und steinigten ihn jetzt so, daß ihn bald ein Hügel von Steinen begrub.

Nach einer kleinen Weile ließ Apollonios die Steine wegräumen, um das Wesen, das sie getötet hatten, zu betrachten. Als nun die Steine zur Seite geschafft waren, schien der Mann, den sie zu steinigen geglaubt hatten, verschwunden zu sein. An seiner Stelle fand sich ein Hund vor, der in der Form und im Aussehen dem Molosser glich und an Größe einem Löwen gleichkam. Er war von den Steinen ganz zerschmettert und schäumte wie die tollwütigen Tiere. Die Statue des Apotropaios – es war ein Herakles - steht an der Stelle, wo das Gespenst [τὸ φάσμα] gesteinigt worden ist.

(Philostratos: Das Leben des Apollonios von Tyana. Hrsg. v. Vroni Mumprecht. München/Zürich 1983, S. 362-367)

*) Diese Fabel wird über Pythagoras berichtet von Porphyrios vita Pyth. 27 und Iamblichos vita Pyth. 134.
Re: Ein Dämon wird gesteinigt
Γραικύλος schrieb am 18.02.2021 um 18:34 Uhr (Zitieren)
Hier kannst Du erkennen, Marcella, daß Burkert das Zitat auf das Menschenopfer reduziert wiedergegeben hat. Die ganze - und von den Ephesern zunächst beklagte - Grausamkeit des Apollonios wird ja durch die Enttarnung des Dämons in ein anderes Licht gerückt ... und man zweifelt auch, ob das überhaupt eine historische Grundlage hat.
 
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