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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Abenteuer einer Seefahrt #2 (85 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.04.2021 um 10:06 Uhr (Zitieren)
Da ließ er sich mit Mühe bezwingen und gab es auf, gegen die Klippen zu kämpfen. Er wandte das Schiff um und lenkte es, gleichsam in besserer Einsicht, auf die hohe See. Eine Weile ging er gegen die Brandung an, so gut er konnte, dann kam ein kräftiger Südwind zu Hilfe, wir verloren bald das Land aus der Sicht, gelangten rasch in die Nähe der mit zwei Segeln versehenen Lastschiffe, die nichts mit unserem Libyen zu tun hatten, sondern einen anderen Kurs verfolgten.

Wir wurden unwillig und beschwerten uns, daß wir so weit vom Land abkamen, doch Amarantos, unser Iapetos , stand auf dem Verdeck und erging sich in grausigsten Verwünschungen. „Nein, wir fliegen nicht weg. Was soll man denn mit euch machen, die ihr vor Land und See die gleiche Angst habt?“ – „Keineswegs, mein teurer Amarantos“, sagte ich zu ihm, „vorausgesetzt, daß einer sich auf beides versteht! Wir hatten kein Verlangen nach Taphosiris, nur davonkommen wollten wir. Und jetzt, wozu die offene See? Fahren wir doch gerade auf Pentapolis zu mit mäßigem Abstand vom Land! Kommt etwas dazwischen, wie es auf dem Meer passieren kann – das ist ungewiß und gilt auch bei euch als ungewiß –, dann mag uns ein naher Hafen aufnehmen.“

Mein Reden half nichts, der Schurke stellte sich taub. Da brach von Norden ein starker Wind los, der hohe, heftige Wogen trieb. Er fiel plötzlich ein und blies das Segel im Gegensinn auf: was gewölbt war, wurde hohl. Das Schiff war nahe daran, nach hinten zu kentern. Nur mit Mühe konnten wir es ins Gleichgewicht bringen. Mit wichtiger Stimme Amarantos: „Das heiße ich nach den Regeln der Kunst fahren!“ Schon lange erwarte er den Wind vom Meer her, deshalb fahre er auf die hohe See. Nun könne er lavieren, da der Seeraum es möglich mache, die Fahrt zu verlängern. Dies sei unser Kurs; er wäre nicht möglich, wenn wir die Küste entlang führen, denn dann würden wir am Strand zerschmettert! Wir nahmen seine Rede hin, solange es Tag war und die Gefahr noch nicht drohte. Es begann aber in der Nacht, als die Flut sich noch mächtiger erhob.

Diesen Tag begehen die Juden als Rüsttag, sie rechnen die Nacht zusammen mit dem darauf folgenden Tag, an diesem Tag aber ist es niemandem erlaubt, Handarbeit zu tun; sie ehren den Tag in ihrer besonderen Weise, indem sie Arbeitsruhe halten. So legte nun der Steuermann, als er glaubte, die Sonne habe die Erde verlassen, das Steuerruder aus den Händen und warf sich hin, „und mochte zertreten ihn auch jedermann im Schiff“ (1). Wir begriffen den Grund seines Verhaltens nicht sogleich, hielten es vielmehr für Verzweiflung. So gingen wir zu ihm und flehten ihn an, doch nicht die letzte Hoffnung preiszugeben.

In der Tat drohten die furchtbarsten Wogen, das Meer war gegen sich selbst im Aufruhr. Es geschieht dann, daß mit dem Nachlassen des Windes nicht auch die von ihm erregten Wogen zur Ruhe kommen; sie stehen noch unter dem ersten Antrieb der Bewegung, sie geben der Macht des Sturmes nach und erwidern zugleich die Stöße im Gegenangriff. Ich mußte zu diesen hochtrabenden Worten greifen, um nicht das große Unheil allzu dürftig zu erzählen.

Man sagt, daß das Leben derer, die in solchem Sturm fahren, an einem dünnen Faden hänge. Wenn vollends der Steuermann Gesetzeslehrer ist, was kann man da noch hoffen? Als wir nun begriffen, welchen Sinn die Preisgabe des Steuerruders hatte – während wir ihn nämlich baten, das Schiff aus der Gefahr zu retten, las er weiter in seinem Buch –, da gaben wir es auf, ihm zuzureden[,] und versuchten es nun mit Gewalt. Ein braver Soldat – es sind ja manche Araber vom Reiterregiment mit uns auf dem Schiff – zog sein Schwert und drohte, dem Mann den Kopf abzuschlagen, wenn er sich nicht um das Schiff annehme.

(Joseph Vogt: Begegnung mit Synesios, dem Philosophen, Priester und Feldherrn. Gesammelte Beiträge. Darmstadt 1985, S. 34-43)

1) Sophokles, Aiax 1146
 
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