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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Bob Dylan über das Glück und ein Griechischwörterbuch (98 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.06.2021 um 18:29 Uhr (Zitieren)
In einem Interview:
[...] ich weiß im Grunde überhaupt nicht, was Glück bedeutet. Ich glaube nicht, dass ich es für mich erklären könnte.

Haben Sie es nie dingfest machen können?

An bestimmten Punkten tun wir das natürlich, aber es ist wie Wasser, es rinnt uns durch die Finger. Solange es Leiden gibt, können Sie nur mehr oder weniger glücklich sein. Wie kann jemand mit einem Missgeschick glücklich sein? Macht Geld jemanden glücklich? Ein Milliardär, der dreißig Rennwagen und eine Sportmannschaft kaufen kann, ist der glücklich? Was könnte ihn dann noch glücklicher machen? Wenn er sein Geld an andere Länder verschenkt? Bedeutet das eine größere Befriedigung, als es hier in die verfallenden Innenstädte zu stecken und Jobs zu schaffen? Also, ich will nicht sagen, dass die Leute das müssen, ich rede nicht von Kommunismus, aber was tun die Leute mit ihrem Geld? Gehen sie ethisch damit um? Und wer nicht weiß, was "Ethos" heißt, soll es im Griechischwörterbuch nachschlagen. Es ist gar keine so üble Sache.

[Heinrich Detering (Hrsg.): Bob Dylan - Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist. Gespräche aus sechzig Jahren. Zürich 2021, S. 258 f.]

Was sagt das Griechischwörterbuch?

ἦθος: Wohnung, Wohnort; Sitte Gebrauch, Einrichtung, Herkommen; die Art zu handeln, zu reden und sich zu benehmen; Charakter, Gesinnung, sittliche Beschaffenheit, das innere Wesen

Ein sehr vielschichtiges Wort und keineswegs gleichbedeutend mit dem, was man heute unter "Ethik/ethisch" versteht, wo es fast so wie "Moral/moralisch" gebraucht wird.
Vor allem ist es eher deskriptiv als präskriptiv/normativ. Auch ein sehr unmoralischer Mensch hat ein bestimmtes ἦθος (Verhaltensmuster).

Oder sehe ich das falsch?
Re: Bob Dylan über das Glück und ein Griechischwörterbuch
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 10.06.2021 um 20:04 Uhr (Zitieren)
Witzigerweise ist im Englischen das Element des 'Etihschen' (im Sinne von sittlich gutem, verantwortetem, also moralischen Handeln) nicht immer so prominent:

fürs britische Englisch:
"the set of attitudes and beliefs that are typical of an organization or a group of people"
als einzige Definition in
https://www.macmillandictionary.com/dictionary/british/ethos

Hingegen gibt fürs amerikanische Englisch der Merriam-Webster:

"[from Greek êthos custom, character]: the distinguishing character, sentiment, moral nature, or guiding beliefs of a person, group, or institution"
https://www.merriam-webster.com/dictionary/ethos
(So auch schon der Webster's New Collegiate (1973).
Das ist umfassender.

Beachtenswert scheint mir auch, daß in der Definition, die Du heranziehst (woher?), auch nur die Rede von 'sittlicher Beschaffenheit' ist, das sittliche Handeln steht offenbar eher am Rande (taucht nur in "Art zu handeln etc." auf.
Es sieht tatsächlich so aus, als habe still und leise im Dt. eine Verschiebung, eher Verengung auf das Moralische, moralisch Gute stattgefunden.

Interessanter Hinweis, aber gleichzeitig drängt sich der Verdacht auf, auch in Dylans Ansicht sei 'ethisch' als 'moralisch gut' zu verstehen.
Re: Bob Dylan über das Glück und ein Griechischwörterbuch
Γραικύλος schrieb am 11.06.2021 um 14:11 Uhr (Zitieren)
Definition, die Du heranziehst (woher?)

In der Regel greife ich als erstes zum Passow - so auch in diesem Falle.

Diese Verschiebung zum positiv Bewerteten stelle ich auch bei qualitas --> Qualität fest. Hin zum Negativen hingegen: Kritik.
 
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