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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Flüchtlinge an der Grenze (97 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.11.2021 um 13:27 Uhr (Zitieren)
Im Jahre 376 u.Z. tauchten die von den Hunnen vertriebenen Westgoten an der Donaugrenze des Römischen Reiches auf und baten, ja flehten darum, als Flüchtlinge aufgenommen zu werden. Die ebenfalls in Hunnennot befindlichen Ostgoten schlossen sich dem wenig später an. Da es sich um eine große Zahl handelte (man schätzt sie auf ein Million Menschen, darunter 200000 kriegstüchtige), löste die Anfrage auf römischer Seite Unsicherheit und Zögern aus.

Der Kaiser Valens entschied schließlich, die Goten seien ins Reich aufzunehmen, allerdings unter zwei Bedingungen: 1. Sie sollten beim Grenzübergang alle Waffen abliefern – eine an sich verständliche Forderung, wenn auch eine Zumutung für die Goten. 2. Sie sollten alle ihre Kinder abgeben, auf daß sie an römische Familien gegeben und zu Römern erzogen würden – eine sehr harte Bedingung, zumal sich bald herausstellte, daß es hier nicht um Adoption und Integration ging, sondern um die Versklavung der Kinder.

Die Goten ließen sich auf beide Forderungen ein. Ihre Not muß groß gewesen sein, und sie mögen gedacht haben, daß keine Suppe so heiß gegessen wie gekocht wird.

Über diesen bedenklichen Umstand hinaus war das weitere Verhalten der Römer bestimmt durch Gier und Dummheit. Einerseits ließen sich die Grenzbeamten bestechen, den Goten ihre Waffen trotz Vereinbarung zu lassen; andererseits nutzte man ihre weiterhin bestehende Notlage – eine Million Menschen will mit dem Lebensnotwendigen versorgt sein – dazu aus, ihnen zu Wucherpreisen minderwertige Lebensmittel zu verkaufen. Auf diese Weise hatte man dann nicht nur Feinde, sondern bewaffnete Feinde im eigenen Reich, das sich zudem als durch und durch korrupt erwies.

Die nun folgenden Verwicklungen fanden ihren Höhepunkt in der Schlacht von Adrianopel 378 u.Z., bei der die Goten den Römern eine der vernichtendsten Niederlagen ihrer Geschichte zufügten und Kaiser Valens ums Leben kam. Wie man sagt, wurde er bei dem Versuch, sich zu verstecken, lebendigen Leibes in einer Hütte verbrannt.

Wenn man Flüchtlinge kalten Herzens daran hindert, ins eigene Land zu kommen, hat man einen Feind außerhalb der Grenzen; wenn man Flüchtlinge ins eigene Land läßt und dann unwürdig behandelt, hat man einen Feind innerhalb der Grenzen, was klarerweise noch schlimmer ist.

Der Fall ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit Flüchtlingen nicht umgehen darf.

(Berichtet hat diese Ereignisse Ammianus Marcellinus.)
Re: Flüchtlinge an der Grenze
Γραικύλος schrieb am 23.11.2021 um 14:25 Uhr (Zitieren)
- ein Million --> eine Million
- Ammianus Marcellinus XXXI
Re: Flüchtlinge an der Grenze
Γραικύλος schrieb am 24.11.2021 um 23:34 Uhr (Zitieren)
Nicht oft ist die Gelegenheit so günstig, aus der Geschichte zu lernen.
 
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