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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nichtchristliche Wunderberichte der Antike #16 (60 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.05.2022 um 00:00 Uhr (Zitieren)
33.
Clodius Albinus

Clodius Albinus war ein Gegenkaiser gegen Septimius Severus (195-197 u.Z.).

Bei seiner Geburt sollen ihm zahlreiche Hinweise auf seine künftige Herrschaft zuteil geworden sein [Huic multa imperii signa, cum esset natus, facta dicuntur]; so wurde sogar ein weißes Rind (1) mit gänzlich purpurfarbenen Hörnern geboren, ein Wunder, was sowohl die Hörner <als auch was die Farbe> betrifft [quod mirandum fuit cum cornibus].
Besagte Hörner sollen sich übrigens als Weihgeschenk des bereits zum Tribunen Beförderten lange im Tempel des Apollo von Cumae befunden haben. Er soll nämlich, als er das dortige Orakel nach seinem Schicksal befragte, in Versen folgende Antwort erhalten haben:

Beruhigen wird er das sturmgepeitschte Römerreich der Ritter hier
Und wird zu Boden schmettern die Punier und den gallischen Empörer.
[Hic rem Romanam magno turbante tumultu
sistet eques, sternet Poenos Gallumque rebellem.] (2)

Und wirklich hat er in Gallien, wie feststeht, viele Stämme gebändigt. Er selbst aber bezog die ihm gewordene Prophezeiung „wird zu Boden schmettern die Punier“ auf Severus, weil Septimius Afrikaner war. Es gab auch noch ein anderes Zeichen seiner künftigen Herrschaft.
Die kaiserliche Familie beobachtet nämlich den eigentümlichen Brauch, daß die Kleinkinder dieses Hauses in Becken aus Schildplatt gebadet werden (3); als nun der kleine Albinus geboren war, brachte ein Fischer dem Vater eine riesige Schildkröte als Geschenk:
in diesem Zufall erkannte der wohlunterrichtete Mann ein günstiges Vorzeichen; freudig nahm er die Schildkröte entgegen, ließ die Schale präparieren und bestimmte sie in der Erwartung, dem Sprößling auf diese Weise zu künftigem Glanz zu verhelfen, zur Wanne für warme Bäder des Säuglings.
Obwohl Adler in der Umgegend von Albinus‘ Geburtsort (4) ein seltener Anblick sind, so brachte man doch, als er sieben Tage alt war, zur Stunde des Festessens, das dem Knaben zu Ehren anläßlich der Namensgebung veranstaltet wurde (5), sieben noch nicht flügge Adler aus ihren Horsten, die halb im Scherz um die Wiege des Knäbleins gruppiert wurden; auch dieses Vorzeichen ließ sich der Vater gefallen; er ließ die Adler atzen und in sorgfältiger Pflege großziehen.
Dazu kam noch folgendes Vorzeichen: Während in der betreffenden Familie die Knaben in rötliche Windeln gewickelt zu werden pflegten, wurde er, weil gerade die rötlichen Windeln, die seine Mutter, als sie ihn trug, gefertigt hatte, in der Wäsche und noch nicht trocken waren, vorsorglich in das purpurne Busenband der Mutter gewickelt; deshalb nannte ihn seine Amme im Scherz auch Prophyrius.
Dies waren unter anderem die Vorzeichen, die auf seine künftige Herrschaft deuteten. Wer sich darüber unterrichten will, möge den Aelius Cordus (6) nachlesen, der allen möglichen Unsinn über derartige Vorzeichen zusammenstellt [qui friuola super huius modi ominibus cuncta persequitur].

[SSHA, Iulius Capitolinus: Clodius Albinus 4, 3-10]


(1) Albinus = der Weiße
(2) Vergil, Aeneis VI 857 f.
(3) Das Schildplatt der Schildkröte war kaiserliches Monopol.
(4) Hadrumentum in Afrika
(5) Am dies lustricus, der bei den Knaben der 9., bei den Mädchen der 8. Tag nach der Geburt war, bekam das Kind seinen Namen, d.h. das praenomen als den eigentlichen Individualnamen.
(6) Neben Aelius Cordus erscheinen in der Historia Augusta auch die Namensformen Iunius Cordus, Cordus oder auch nur Iunius, so daß man als vollständige Namensform Aelius Iunius Cordus annehmen kann; ein Werk von ihm ist nicht überliefert.
 
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