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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der König, die Götter und die Verehrung #6 (76 Aufrufe)
Γραικὑλος schrieb am 01.08.2022 um 13:35 Uhr (Zitieren)
Auch Q. Curtius Rufus hat die m.E. lehrreiche Geschichte um Alexander den Großen und Kallisthenes, die sich im Jahre 327 v.u.Z. abgespielt hat, ausführlich berichtet:
HISTORIAE ALEXANDRI MAGNI MACEDONIS
(Geschichte Alexanders des Großen)
VIII 5, 9 – 8, 18
5. [...] An einem Festtag also ließ er [sc. Alexander] mit aller Pracht ein Gastmahl herrichten, zu dem nicht nur seine engsten makedonischen und griechischen Vertrauten, sondern auch adlige Barbaren hinzugezogen werden sollten. Nachdem der König sich mit diesen niedergelegt hatte, entfernte er sich wieder vom Gastmahl, als er ein wenig gegessen hatte.

Jetzt begann Kleon, wie verabredet war, eine Rede voll Bewunderung für Alexanders Ruhmestaten. Dann zählte er seine Verdienste auf, für die man sich nur auf eine einzige Weise dankbar erweisen könne, wenn sie, die ihn ja für einen Gott hielten, das nun auch offen bekennten, um ihm durch eine geringe Spende an Weihrauch so große Wohltaten zu vergelten.

Die Perser verehrten nicht aus Frömmigkeit, sondern auch aus Klugheit ihre Könige als Götter; denn die Hoheit der Herrschergewalt sei ein Schutz für ihre persönliche Sicherheit. Nicht einmal Herakles und Vater Bakchos seien eher zu Göttern erklärt worden, als bis sie die Missgunst ihrer Zeitgenossen überwunden hätten; und gerade das, was die Gegenwart verheißen habe, glaube auch die Nachwelt.

Trügen die anderen auch Bedenken – er seinerseits werde sich zu Boden werfen, sobald der König zum Mahl zurückkehre. Doch dasselbe müssten auch die Übrigen tun und besonders diejenigen, die Weisheit [sapientia] besäßen: Diese müssten ein Beispiel für die Verehrung des Königs geben.

Ganz eindeutig waren diese Worte an Kallisthenes gerichtet. Die Würde und der offene Freimut dieses Mannes war dem König verhasst [Gravitas viri et prompta libertas invisa erat regi], als ob er allein die Makedonen in ihrer Bereitwilligkeit zu solchem Gehorsam zurückhalte.

Als es hierauf still geworden war und aller Blicke sich auf ihn allein richteten, sagte dieser: „Wäre der König bei deiner Rede zugegen gewesen, so würde die Stimme desjenigen nicht auf sich warten lassen, der dir antwortete. Er selbst nämlich würde dich bitten, ihn nicht zu zwingen, sich zu fremden und ausländischen Bräuchen herabzuwürdigen und seine äußerst glücklich vollbrachten Taten nicht durch derartige Schmeicheleien dem Neid auszusetzen.

Doch weil er nicht anwesend ist, so will ich dir statt seiner antworten: Keine Frucht ist zugleich dauerhaft und frühreif [nullum esse eundem et diuturnum et praecoquem fructum], und du verleihst dem König keine himmlischen Ehren, sondern entreißt sie ihm. Denn um für einen Gott gehalten zu werden, muss eine gewisse Zeit verstreichen, und stets erweist die Nachwelt großen Männern diesen Dank.

Ich meinerseits erflehe für den König vielmehr eine späte Unsterblichkeit, damit sein Leben von langer und seine Erhabenheit von ewiger Dauer sei. Göttliche Verehrung folgt irgendwann dem Menschen, niemals begleitet sie ihn im Leben [Hominem consequitur aliquando, numquam comitatur divinitas].

Du führtest eben Herakles und Vater Bakchos als Beispiele für die Erhebung unter die Unsterblichen an. Glaubst du denn, dass jene durch den Beschluss eines einzigen Gastmahls zu Göttern gemacht worden sind [Credisne illos unius convivii decreto deos factos]? Erst entführte sie ihre menschliche Natur den Blicken der Sterblichen, ehe sie ihr Ruhm in den Himmel erhob.

Natürlich, Kleon, du und ich, wir machen Götter [Scilicet ego et tu, Cleo, deos facimus]! Dann wird der König von uns die Würde seiner Göttlichkeit annehmen! Magst du doch deine Macht erproben: Mach irgendeinen zum König, wenn du ihn zum Gott machen kannst [Potentiam tuam experiri libet: fac aliquem regem, si deum potes facere]! Ist es leichter, jemandem den Himmel als eine irdische Herrschaft zu schenken?

Mögen die gnädigen Götter ohne Neid Kleons Worte gehört haben und zulassen, dass die Ereignisse denselben Lauf nehmen wie bisher! Mögen sie uns gestatten, mit unseren eigenen Sitten zufrieden zu sein! Ich schäme mich meiner Heimat nicht und wünsche nicht, von Besiegten zu lernen, auf welche Weise ich den König verehren soll [Non pudet patriae, nec desidero, ad quem modum rex mihi colendus sit, discere <a victis>].

Denn ich jedenfalls gestehe offen, dass jene die Sieger sind, wenn wir von ihnen die Gesetze annehmen, nach denen wir leben sollen.“ Voller Wohlwollen vernahm man Kallisthenes wie einen Verteidiger der allgemeinen Freiheit. Er hatte ihnen nicht nur stumme, sondern selbst laute Zustimmung entlockt, besonders vonseiten der Älteren, denen die von außen her drohende Änderung ihrer altgewohnten Sitten unangenehm war.

Doch blieb nichts von dem, was man auf beiden Seiten gesprochen hatte, dem König verborgen, da er hinter den Vorhängen stand, die er um die Liegen hatte ziehen lassen. Daher schickte er an Agis und Kleon, sie sollten das Gespräch beenden und dann bei seinem Eintreten nur die Barbaren sich nach ihrer Sitte vor ihm niederwerfen lassen; und kurz darauf kehrte er zum Mahl zurück, als ob er irgendetwas Wichtigeres erledigt habe.

Als ihm nun die Perser ihre Verehrung darbrachten, fing Polyperchon, der dem König zur Linken lag, an, einen von diesen, der mit dem Kinn den Boden berührte, spöttisch aufzufordern, es noch derber auf die Erde zu schlagen, und brachte dadurch den Zorn Alexanders, den dieser schon lange nicht mehr im Herzen fassen konnte, zum Ausbruch.

Deshalb rief der König: „Du aber wirst mich nicht verehren? Oder scheine ich etwa allein dir verspottenswert?“ Jener antwortete, weder der König verdiene Spott noch er selbst eine verächtliche Behandlung.

Da zerrte ihn der König von seiner Liege und warf ihn auf die Erde, und als er vornüber zu Boden gestürzt war, rief er: „Siehst du, dass du jetzt dasselbe getan hast, was du kurz zuvor an einem anderen verlacht hast?“ Und als es befohlen hatte, ihn ins Gefängnis abzuführen, hob er das Gastmahl auf.

 
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