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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der König, die Götter und die Verehrung #6 (82 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.08.2022 um 12:50 Uhr (Zitieren)
Q. Curtius Rufus, HISTORIAE ALEXANDRI MAGNI MACEDONIS (Geschichte Alexanders des Großen) VIII 5, 9 – 8, 18:
6. Dem Polyperchon wenigstens verzieh er später, nachdem er ihn lange gezüchtigt hatte; gegen Kallisthenes aber, der ihm schon längst wegen seiner Widerspenstigkeit verdächtig war, bewahrte er einen hartnäckigeren Groll. Bald bot sich ihm die Gelegenheit, diesen Groll zu befriedigen.

Wie oben bemerkt, war es bei dem makedonischen Adel Sitte, die erwachsenen Söhne den Königen zu Aufgaben zu übergeben, sie sich von Sklavendiensten nicht sehr unterschieden.

Sie hielten nachts nach einer feststehenden Reihenfolge nahe bei der Tür des Zimmers Wache, in dem der König schlief. Von ihnen wurden durch einen anderen Eingang als den, welchen die Bewaffneten besetzten, die Nebenfrauen hineingeführt.

Desgleichen führten sie die Pferde vor, die sie von den Stallknechten in Empfang genommen hatten, wenn der König aufsitzen wollte, und begleiteten ihn auf der Jagd und im Kampf, weil sie in allen kunstvollen Beschäftigungen, die einem Freien zukommen, ausgebildet waren.
Als eine besondere Ehre galt es, dass es ihnen erlaubt war, sitzend mit dem König zu speisen. Niemand außer ihm selbst hatte das Recht, sie durch Schläge zu züchtigen.

Diese Schar war gleichsam die Pflanzschule für Heerführer und Befehlshaber bei den Makedonen. Aus ihr hatte die Nachwelt ihre Könige, deren Abkömmlingen erst viele Generationen danach die Römer ihre Macht entrissen.

Ein adliger Knabe aus dieser königlichen Kohorte namens Hermolaos erhielt nun, da er einen Eber, den der König hatte erlegen wollen, vorher mit dem Spieß getroffen hatte, auf dessen Befehl Schläge. Weil er über diese Schmach erbittert war, begann er, sich unter Tränen bei Sostratos zu beklagen.

Sostratos stammte aus der gleichen Kohorte und war in Liebe zu ihm entbrannt. Als nun dieser den Körper, in den er so unsterblich verleibt war, von Striemen entstellt sah, brachte er – vielleicht schon längst auch aus anderem Grund dem König feindselig gesonnen – den ohnehin schon erregten jungen Mann nach gegenseitigen Schwüren dahin, einen Plan zur Ermordung des Königs zu schmieden.

Ihr Unternehmen führten sie aber nicht mit jugendlichem Ungestüm durch, sondern wählten geschickt aus, wen sie zur Beteiligung an dem Verbrechen hinzuziehen wollten. Es wurde beschlossen, Nikostratos, Antipatros, Asklepiodoros und Philotas dazuzunehmen. Durch diese kamen von Antikles, Elaptonios und Epimenes hinzu.

Doch zur Ausführung ihres Unternehmens stand ihnen kein ganz leichter Weg offen. Notwendigerweise mussten sämtliche Verschworene in ein und derselben Nacht Wache halten, damit sie nicht von den Leuten, die nicht in ihren Plan eingeweiht waren, gehindert würden; zufällig aber hielt jeder in einer anderen Nacht Wache.

Deshalb verstrichen beim Tausch der Reihenfolge ihres Wachdienstes und den übrigen Vorbereitungen zur Ausführung der Tat zweiunddreißig Tage.

Die Nacht, in der die Verschworenen Wache halten mussten, war da, und sie waren froh über ihre gegenseitige Treue, für die sie so viele Tage Zeugnis abgelegt hatten. Keinen hatte Furcht oder Hoffnung umgestimmt; so groß war bei allen entweder der Zorn auf den König oder ihre Treue zueinander.

Sie standen also an der Tür des Zimmers, in dem der König speiste, um ihn in sein Schlafgemach zu geleiten, wenn er das Mahl verlassen hatte.
Aber sein eigenes Glück und zugleich die Heiterkeit der Speisenden verleiteten alle zu reichlicherem Weingenuss, und zugleich zogen Spiele während des Gastmahls die Zeit in die Länge. Bald freuten sich die Verschworenen, dass sie ihn im Schlaf überfallen würden, bald waren sie besorgt, er werde das Mahl bis zum hellen Morgen ausdehnen.

Denn bei Tagesanbruch mussten andere an ihrer Stelle die Wache übernehmen, während sie selbst erst nach sieben Tagen wieder an die Reihe kommen würden, und sie konnten kaum hoffen, dass bis dahin die Treue bei allen andauern werde.

Doch als nun bereits der Tag graute, wurde das Gastmahl aufgehoben, und die Verschworenen empfingen den König, froh darüber, dass die Gelegenheit zur Ausführung ihres Verbrechens da war. Da aber trat eine Frau, die es gewohnt war, sich im Haus des Königs aufzuhalten, weil sei anscheinend aus innerer Eingebung die Zukunft verkünden konnte, voller Bestürzung – wie man glaubte – dem König beim Weggehen nicht nur entgegen, sondern warf sich ihm sogar in den Weg, wobei sie in Miene und Blick ihre innere Erregung zum Ausdruck brachte, und forderte ihn auf, er solle zum Mahl zurückkehren.

Und er antwortete scherzhaft, dass die Götter einen guten Rat gäben, rief die Freunde zurück und dehnte dann die Dauer des Gelages noch fast bis zur zweiten Tagesstunde aus.

Schon hatten andere aus der Kohorte den Posten übernommen, um vor der Tür des Schlafgemaches Wache zu halten, aber dennoch standen die Verschworenen immer noch da, obwohl sie die Aufgabe ihres Dienstes erfüllt hatten. So hartnäckig ist die Hoffnung, in die sich die Herzen der Menschen einmal verbissen haben.

Gütiger als sonst redete sie der König an und befahl ihnen wegzugehen, um sich Erholung zu gönnen, da sie die ganze Nacht dagestanden hätten. Er ließ jedem Einzelnen fünfzig Sesterzen [L sestertia] auszahlen und lobte sie dann ungemein, dass sie, selbst nachdem sie den Posten anderen übergeben hätten, dennoch auf Wache ausgeharrt hätten.

So gingen jene, in ihrer so großen Hoffnung getäuscht, nach Hause. Und die Übrigen warteten zwar auf die Nacht, in der sie Wache hätten; Epimenes dagegen – sei es nun, dass ihn die Freundlichkeit, mit der der König gerade ihn unter den Verschworenen hervorgehoben hatte, plötzlich umgestimmt hatte, sei es, dass er glaubte, die Götter widersetzten sich ihrem Vorhaben – eröffnete seinem Bruder Eurylochos, den er vorher an ihrem Plan nicht hatte teilhaben lassen wollen, was vorbereitet werde.
Allen stand noch die Bestrafung des Philotas vor Augen. Daher ergriff Eurylochos sofort seinen Bruder und eilte mit ihm zum Zelt des Königs. Als er die Leibwächter geweckt hatte, beteuerte er, dass das, was er melde, das Leben des Königs betreffe.

Die Zeit, zu der sie erschienen waren, ihre Mienen, die keineswegs Selbstsicherheit verrieten, und die Niederge-schlagenheit des einen von beiden alarmierten Ptolemaios und Leonnatos, die an der Schwelle des Schlafgemachs Wache hielten. Nachdem sie deshalb die Tür geöffnet und Licht gebracht hatten, weckten sie den König, der infolge des Weins und der Müdigkeit eingeschlafen war. Als dieser allmählich zu sich gekommen war, fragte er, was sie brächten.

Und Eurylochos sagte ohne Zögern, dass sich die Götter nicht völlig von seinem Haus abwendeten, da sein eigener Bruder, obwohl er eine so gottlose Tat gewagt hätte, dennoch Reue darüber empfinde und selbständig Anzeige erstatte. Für eben diese Nacht, die jetzt vergehe, sei ein Anschlag vorbereitet gewesen; Urheber des Plans seien Männer, von denen es der König am wenigsten glauben könne.

Hierauf erläuterte Epimenes alles der Reihe nach und gab die Namen der Mitwisser an. Dass Kallisthenes nicht als Teilnehmer an der Tat genannt worden war, stand fest, aber auch, dass er häufig Reden der Jungen willig Gehör geschenkt hatte, wenn sie den König tadelten und sich über ihn beschwerten.


 
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