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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Auftragsmörder (85 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.11.2022 um 10:17 Uhr (Zitieren)
Herodian III 5:

Der Kaiser Septimius Severus (193-211 u.Z.) hatte es während seiner Regierung mit zwei Gegenkaisern zu tun: Pescennius Niger (193-194) in Syrien und in Britannien und Gallien mit Clodius Albinus (195-197).
[...] Denn nachdem er den Niger zu Boden geworfen hatte, dünkte ihm Albinus eine überflüssige Last. Dazu vernahm er, daß derselbe mit seinem Titel als Cäsar übermäßig prunke, sowie daß viele und namentlich die hervorragendsten Mitglieder des Senates ihn in Briefen privatim und heimlich einluden, während Severus entfernt und vollauf beschäftigt sei, nach Rom zu kommen. Denn der hohe Adel hätte lieber ihn als Regenten gehabt, weil er von altadliger Herkunft und, wie es allgemein hieß, ein Mann von guter Gemütsart war.

Als Severus dies erfuhr, vermied er es zwar, sofort ihn als Feind zu behandeln und einen Mann mit Krieg zu überziehen, der ihm dazu keinen haltbaren Grund gegeben hatte ; dagegen beschloß er zu versuchen, ob er sich möglicherweise heimlich und durch List seiner entledigen könne. Er ließ also die zuverlässigsten unter denen, welche er als Überbringer seiner kaiserlichen Handschreiben [τοὺς πιστοτάτους τῶν εἰωθότων τὰ βασιλικὰ γράμματα] zu gebrauchen pflegte, zu sich kommen und gibt ihnen geheime Aufträge; sie sollten, wenn sie zum Albinus kämen, demselben erst die Depeschen in öffentlicher Audienz überreichen, darauf aber ihn auffordern, ihnen eine geheime Audienz zur Anhörung geheimer Aufträge zu gewähren, und wenn sie ihn dazu bewogen und von seiner Leibwache entfernt haben würden, sollten sie plötzlich über ihn herfallen und ihn niederstoßen.

Zugleich gab er ihnen noch tödliche Gifte, damit sie, wenn sie könnten, einen seiner Köche oder Mundschenken bestächen, ihm dieselben heimlich einzugeben, weil doch seine ihn umgebenden Freunde immer Argwohn gegen Severus hegten und dem Albinus fortwährend rieten, gegen den betrügerischen und zu aller Hinterlist geschickten Mann auf seiner Hut zu sein.

Denn seine Behandlung der Generale Nigers hatte auf seinen Charakter schwere Flecken geworfen. Er hatte dieselben nämlich erst, wie bereits erzählt, vermittelst ihrer Kinder dazu gebracht, Nigers Sache zu verraten, und dann, nachdem er ihre Dienste zu seinen Zwecken mißbraucht und die gewünschten Erfolge erreicht hatte, sie selbst samt ihren Kindern aus dem Wege geräumt. So war die Falschheit seines Charakters vorzüglich durch seine Thaten offenbar geworden.

Darum eben ergriff Albinus noch größere Sicherheitsmaßregeln zum Schutze seiner Person. Keiner von den Sendboten des Severus durfte vor ihm erscheinen, ohne vorher das Kriegerschwert von seiner Seite abzulegen und sich untersuchen zu lassen, ob er irgend eine Waffe unter den Kleidern trage. Als nun also die Botschafter [ἀγγελιαφόροι] des Severus ankamen und nach öffentlicher Überreichung ihrer Depeschen um eine geheime Audienz zur Anhörung besonderer Aufträge baten, faßt Albinus Verdacht. Er befahl, sie in Haft zu nehmen, ließ jeden besonders peinlich befragen und erfährt so den ganzen Mordanschlag. Sofort läßt er sie hinrichten, während er seinerseits jetzt gegen Severus wie gegen einen offenbaren Feind seine Maßregeln traf.

(Herodians Geschichte des römischen Kaisertums seit Mark Aurel. Hrsg. v. Prof. Dr. Adolf Stahr. Berlin ²1897, S. 84 f.)

Als historische Quelle ist Herodian zweifelhaft, aber hier erzählt er eine hübsche Geschichte darüber, wie man sich einen Feind schafft, indem man jemanden der Feindschaft verdächtigt.
 
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