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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Schwerter und Pflugscharen (320 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.11.2023 um 01:00 Uhr (Zitieren)
1. Micha

Am Ende der Tage wird es geschehen: Da steht der Berg des Hauses des Herrn festgegründet an der Spitze der Berge, und die Hügel wird er überragen. Zu ihm strömen die Völker,
und viele Nationen pilgern und sprechen: „Kommt, laßt uns hinaufsteigen zum Berg des Herrn des Gottes Jakobs! Er soll uns seine Wege lehren, daß wir wandeln auf seinen Pfaden!“ Denn die Weisung geht von Sion aus und das Wort des Herrn von Jerusalem.
Zwischen vielen Völkern wird er richten, entscheiden für starke Nationen [bis in die Ferne]. Ihre Schwerter schmieden sie zu Pflugscharen um und ihre Lanzen zu Winzermessern [καὶ κατασκόψουσιν τὰς ῥομφαίας αὐτῶν εἰς ἄροτρα καὶ τὰ δόρατα αὐτῶν εἰς δρέπανα]. Nimmer wird Volk gegen Volk das Schwert erheben, und nicht mehr lernt man die Kriegskunst.
Jeder kann sitzen unter seinem Weinstock und Feigenbaum, ohne daß einer ihn aufschreckt. Denn der Mund des Herrn der Heerscharen hat es gesprochen.

(4, 1-4)


2. Vergil: Georgica

Hier ist Recht ja und Unrecht verkehrt. Wie die Kriege auf Erden
wachsen, so heben ihr Haupt in grausiger Zahl die Verbrechen.
Niemand ehrt noch den Pflug. Fort muß der Bauer, die Fluren
liegen verödet. Man glüht zum mordenden Schwerte die Sichel.
[et curvae rigidum falces conflantur in ensem.]
Hier ruft der Euphrat, dort Germanien furchtbar zum Kriege,
Nachbarstädte zertreten das Recht und heben die Waffen
widereinander. Bruderkrieg tobt überall auf dem Erdkreis.
Also entstürmen dem Start die Viergespanne, durchrasen
zielüberrennend die Bahn, machtlos sich bäumend am Leitseil,
fliegt der Lenker mit fort. Nicht fügt sich der Wagen den Zügeln.

(I 505-514)

Re: Schwerter und Pflugscharen
Marcella schrieb am 21.11.2023 um 08:59 Uhr (Zitieren)
Schwerter zu Pflugscharen, Sicheln zu Schwertern?
Diese Umwandlung scheint ja ein Topos zu sein.
Re: Schwerter und Pflugscharen
Marcella schrieb am 21.11.2023 um 10:58 Uhr (Zitieren)
Die verständliche Sehnsucht nach Frieden, vermute ich, ist so alt wie die unverständliche Sehnsucht nach Krieg.
Der ist nach neuester Ansicht eine Erfindung der Jungsteinzeit.
https://www.scinexx.de/news/archaeologie/war-dies-der-erste-krieg-europas

Wir erleben jetzt wieder die Aufwertung des Kriegs an sich, z.B. durch Pistorius. Dieser behauptete anschließend, das Wort "kriegstüchtig" sei genau dasselbe wie "verteidigungsbereit".
Prantl dazu in der SZ vom 10.11.23: "Ein Verteidigungsminister muss nicht den Krieg wagen, sondern den Frieden, und er muss alles dafür tun, ihn zu erhalten; dazu gehören natürlich auch militärische Mittel".
Die USA spotteten einst über Old Europe, wir seien von der Venus, sie hingegen vom Mars.
Und wohin hat dieses Selbstverständnis geführt?
Re: Schwerter und Pflugscharen
Johannes schrieb am 21.11.2023 um 14:48 Uhr (Zitieren)
Und wohin hat dieses Selbstverständnis geführt?

Zum hohen Gewinnen der Rüstungsindustrie,
steigenden Aktienkursen und hohen Dividenden
bei dortigen skrupellosen Anlegern.
Zudem sind Kriege Konjunkturprogramme.
Der 2. Weltkrieg hat die USA final aus der Wirtschaftskrise
der 30er herausgeführt.
US-Rüstungsetat aktuell: ca. 900 Milliarden $,
Staatverschuldung: 33 Billionen $.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1975/umfrage/staatsverschuldung-der-usa/
Re: Schwerter und Pflugscharen
Γραικύλος schrieb am 21.11.2023 um 18:21 Uhr (Zitieren)
Was die Frage nach dem Topos angeht, so nehme ich an, daß, da die Soldaten oft Baueren waren, sich eine solche Lage häufiger ergab: Krieg? Dann müssen wir unsere Pflugscharen zu Schwertern umschieden. Krieg vorbei? Dann schmieden wir unsere Schwerter wieder zu Pflugscharen um.
Ein Schmied war ja wohl in jedem Dorf zur Hand.
Re: Schwerter und Pflugscharen
filix schrieb am 21.11.2023 um 19:12 Uhr (Zitieren)
Martial 14,34 fasst das augenzwinkernd zusammen, weder zu seinen noch zu Vergils Zeiten war das aber mehr Realität, spätestens nach der Heeresreform des Marius war die Waffenproduktion professionalisiert.
Re: Schwerter und Pflugscharen
Γραικύλος schrieb am 21.11.2023 um 20:30 Uhr (Zitieren)
Danke für diesen Hinweis.
Falx

Pax me certa ducis placidos curavit in usus.
agricolae nunc sum, militis ante fui.

Die Sichel

Der sichere Frieden des Fürsten hat mich zum freundlichen Gebrauch gekrümmt:
Dem Bauer gehöre ich jetzt, dem Kriege gehörte ich zuvor.

Re: Schwerter und Pflugscharen
Bukolos schrieb am 22.11.2023 um 15:07 Uhr (Zitieren)
curvavit; Krieger.

Man möchte Bauern hinzufügen, aber Dem Bauer steht auch in meinem Exemplar. Barié/Schindler mögen ihre Gründe gehabt haben, hier den schwachen Dativ abzulehnen. Seltsam auch das anachronistische des Fürsten.

Ebenfalls bedauerlich, aber in einer deutschen Übersetzung kaum zu vermeiden, dass man, indem die Ambivalenz des Bezugs von ducis aufgehoben wird, der saturnalisch-saturnischen falx die Spitze bricht.
Re: Schwerter und Pflugscharen
Γραικύλος schrieb am 23.11.2023 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Danke für die Korrektur meiner beiden Schreibfehler.
Re: Schwerter und Pflugscharen
Aurora schrieb am 24.11.2023 um 11:32 Uhr (Zitieren)
Was die Frage nach dem Topos angeht, so nehme ich an, daß, da die Soldaten oft Baueren waren,

Sogar ein Feldherr und Diktator wie Cincinnatus war Bauer.

Livius, Ab urbe condita 3,26–29.
 
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