Latein Wörterbuch - Forum
-itis-Endung für Entzündungen (Med.) — 2450 Aufrufe
Jonathan am 15.1.13 um 22:22 Uhr (Zitieren) II
Weiß jemand, woher diese Endung kommt? Entstammt sie einem einzelnen Wort oder eine feste Endung wie -tas, -tio etc. ?
Re: -itis-Endung für Entzündungen (Med.)
entilmonterus am 15.1.13 um 22:34 Uhr (Zitieren) II
Genau genommen entstammt sie dem Griechischen, die meisten Termini technici wie etwa „Gastritis“ sind also Kofferwörter, die sich einerseits aus einem lateinischen Begriff (gaster - der Magen) und einer griechischen Endung (ίτις - itis) zusammensetzen.
Woher diese Endung kommt, ist allerdings nur schwer eruierbar, verwendet wird sie bei den meisten (aber nicht allen) Entzündungen vor allem der Einfachheit wegen, damit Erkrankungen derselben Ursache eine gleiche Endung haben.
Eine Pneumonie (Lungenentzündung) beispielsweise ist eine Entzündung ohne -ίτις (denn sie kommt von πνεύμα „pneuma“ - Geist, Seele).
Re: -itis-Endung für Entzündungen (Med.)
Kuli am 15.1.13 um 23:30 Uhr (Zitieren) II
Urspr. eine Adjektivbildung, zu ergänzen ist νόσος (Krankheit).

books.google.de/books?id=WxZAAAAAcAAJ&pg=PA541#v=o...
(unter Iritis)
Gaster (γαστήρ) ist übrigens Griechisch.
Pneuma ist in konkreter Bedeutung der Atem.
Re: -itis-Endung für Entzündungen (Med.)
filix am 15.1.13 um 23:40 Uhr (Zitieren) II
Offensichtlich kennt das Gr. einige auf „-ιτις“ endende Krankheitsbezeichnungen „νεφριτις“, „πλευριτις“, „φρενιτις“, ... die auch im Lat. tlw. als Lehnwörter gebraucht wurden. cf. „vitia autem sunt quae difficulter curantur in regionibus quae sunt supra scriptae haec, gravido, arteriace, tussis, pleuritis, pthisis, sanguinis eiectio et cetera ...“ (Marcus Vitruvius Pollio: de Architectura, Liber I,6), und die im Spätlat. und Mittellat. diverse Veränderungen erfahren (so wird z.B. aus „nephritis“ im 13. Jhdt. „neufresis“ oder „neufrasis“ usf.) , ohne dass „-itis“ bis dahin zu einem produktiven Suffix wird, das zur Neubildung von Krankheitsbegriffen dient. Dies scheint eine späte Entwicklung zu sein, Belege hierfür findet man ab dem 17. Jhdt. Davon zu unterscheiden ist die außerfachsprachliche Entwicklung, die zu Bildungen wie „Telephonitis“, „Apostrophitis“ usf. führt.

Literatur:
Gabriele Hoppe:
"„Reinigung und Fixierung“ – Etablierung neoklassischer Lehn-Wortbildung
Etymologisch-korrekte Wiederherstellung von fachsprachlichen |itis|-Lehnwörtern und ihren Ableitungen seit der Frühen Neuzeit Herausbildung einer fachsprachlichen Lehn-Wortbildungseinheit -itis."
Re: -itis-Endung für Entzündungen (Med.)
Jonathan am 17.1.13 um 9:02 Uhr (Zitieren) II
Also fasse ich einmal zusammen.

Die Endung ist eigentlich eine feminine Adjektivendung (mein Graecum ist zu lange her, müsste nachschlagen) bezogen auf ein mittlerweile erdachtes Substantiv, wie NOSOS (ist das echt fem.?). Es beschrieb zunächst lediglich das Leiden an sich, nicht aber speziell eine Entzündung. Erst später Entwickelte sich daraus eine Substantivendung, speziell für Entzündungen. (~ 17. Jh.)
 
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