Latein Wörterbuch - Forum
Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch — 189 Aufrufe
Scheller am 6.12.19 um 10:34 Uhr (Zitieren)
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich befasse mich mit historischen Studentenverbindungen (Orden, Landsmannschaften, Corps, …) und deren Sinnsprüchen. Bei einer montanistischen Verbindung „Montania“ aus der Zeit von +/- 1830 habe ich Probleme mit folgenden dort verwendeten Sprüchen (vielleicht Parolen):
- Montanis fides propria
- Merito virtuti corona
- Frange solutas, sed conjunctas mitte sagittas
Wenn Sie mir dabei weiterhelfen könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
Focke Scheller
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
adiuturus am 6.12.19 um 11:05 Uhr (Zitieren)
Montanis fides propria
die den Montanern eigene Loyalität

- Merito virtuti corona
der Kranz/Krone der Tugend (virtutis??) für den, der ihn/sie verdient hat

- Frange solutas, sed conjunctas mitte sagittas
Zerbrich die gelösten/freien/abgeschossenen?, aber schieße die vereinten/gemeinsamen?? Pfeile/ die Pfeile gemeinsam ??
(Sinn unklar)
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
filix am 6.12.19 um 12:43 Uhr, überarbeitet am 6.12.19 um 12:53 Uhr (Zitieren)
„Treue eignet den M.“, Der Kranz für verdiente Tugend" (sinngemäß), ich nehme an, im Wappen der Verbindung findet sich ein mit einem Band umwundenes Pfeilbündel, das Stärke durch Einigkeit symbolisieren soll. Die letzte Devise bezöge sich dann darauf und forderte, die losen Pfeile zu zerbrechen, die verbundenen aber abzuschießen, also in Auseinandersetzungen nur geeint aufzutreten.
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
adiuturus am 6.12.19 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Der Kranz für verdiente Tugend"

Merito passt nicht zu virtuti.

Die Vorlage geht m.E. grammatisch nicht auf.
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
filix am 6.12.19 um 13:30 Uhr (Zitieren)
„merito“ ist wohl Adverb, also ~ „der Kranz verdientermaßen der Tugend“, weshalb ich oben „sinngemäß“ hinzusetzte.
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
adiuturus am 6.12.19 um 13:38 Uhr (Zitieren)
Danke, so wird ein Schuhe draus. An ein Adverb habe ich nicht gedacht.

PS:
Vlt. kannst du auch hier weiterhelfen:
https://www.albertmartin.de/latein/forum/?view=40441#1
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
Scheller am 7.12.19 um 14:51 Uhr (Zitieren)
Sehr geehrter Herren,
vielen Dank für Ihre prompten Antworten, so schnell hatte ich das gar nicht erwartet.

Obwohl in den Regeln erbeten, hatte ich Ihnen meine eigenen Überlegungen (Übersetzungsversuche; mein Lateinunterricht liegt >60 Jahre zurück) vorenthalten, um Sie nicht auf eine falsche Fährte zu locken. Außerdem wäre meine Anfrage dann – ebenfalls unerwünscht – länglich geworden, s.u.

Zunächst ein paar Hinweise: Es gibt ein Wappen, in dem die Sprüche wiederkehren. Außer montanistischen Symbolen (Schlägel und Eisen, Glück auf!, den Farben Schwarz (Kohle), Gold, Blau (Kobald?)) sind in einem Feld aufgeführt:
ein Kranz (Efeu- oder Eichenlaub) mit zwei gekreuzten Klingen und den Gründungsdaten. Dies symbolisiert allgemein die Satisfaktionsfähigkeit dieses Bundes.
In einem weiteren Feld:
drei gebundene Pfeile (sagittas), die von zwei verschlungenen Händen gehalten werden. Dies symbolisiert nach einer textlichen Aussage aus einer teilweise erhaltenen Konstitution „die Einigkeit der drei Chargierten“ (das sind die Vorsitzenden der Verbindung).
Vielleicht hilft das ja etwas weiter.

Nun zu meinen Interpretationen der lateinischen Vokabeln (wie gesagt, Latein vor 60 Jahren und im Abi mit Mühe ausreichend):

- Montanis fides propria –
Treue den früheren Montanen (es gab einen vorhergehenden Bund „Montania“, der von der Kultusbehörde wegen suspekter Umtriebe verboten wurde), oder: Montanen treu wie (schon?) immer, oder ?

- Merito virtuti corona –
Ich diene dem Wohl des Bundes (Corona wird i.d.R. im Sinne von Gemeinschaft, Versammlung, Bund, … verwendet), Eine Gemeinschaft verdient den Vorzug (dies würde ich aus dem Anfangssatz der erwähnten Konstitution herleiten: „Die Annehmlichkeiten und wohltuenden Folgen einer Verbindung sind wohl jedem honorigen Studenten zu einleuchtend, als daß ihm dieselben erst ausführlich vor Augen geführt werden müßten. …), oder?

- Frange solutas, sed conjunctas mitte sagittas –
Breche (Verzichte auf) die Freiheit (die Ungebundenheit), aber aus der Verbindung schicke die Pfeile (aber verteidige die Gemeinschaft, Freundschaft, Verbindung), oder?

Auf der Basis der Vokabeln (Grammatik war meine Schwäche) und den eingangs erwähnten Ergänzungen könnte das m.E. eine Übersetzungsmöglichkeit zumindest nach meinem Verständnis sein. Bei den Sprüchen handelt es sich ggf. um „Küchenlatein“, das dann also interpretiert werden könnte. Das Studium der bergbaulichen Grundlagen gehörte aber auch je nach späterem Werdegang zur Voraussetzung für den Höheren Dienst; Lateinkenntnisse waren also schon Voraussetzung.

Diese länger gewordene Ergänzung hilft Ihnen, so hoffe ich, vielleicht zu Ihrem Verständnis. Mein Lateinlehrer hat immer gesagt: wenn Du weißt, worums geht, ist das schon die halbe Miete – beim Abi hatte ich die falsche Hälfte erwischt. Ich hoffe, ich gab Ihnen die richtigen und hilfreichen Hinweise – zu meinem Nutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Focke Scheller
Re: Sinnspruch von 1830 Latein-Deutsch
filix am 7.12.19 um 19:45 Uhr (Zitieren) I
Dass es sich um Devisen handelt, war anzunehmen. Die von dir vorgeschlagenen Übersetzungen sind schon grammatisch nicht gedeckt, der Charakter der Wahlsprüche ist konventionell und nimmt, wie vermutet, teilweise auf symbolische Elemente des Wappens (Kranz, Pfeilbündel) Bezug. Von daher mögen sich weitere Bedeutungen im geschichtlichen Kontext ergeben, die aber eine korrekte Übertragung voraus-, nicht ersetzen:

„Den Montanen (Montanis) <ist> Treue (fides) eigen (propria)“,
„Verdientermaßen (merito) <gebührt> der Tugend (virtuti) der Kranz (corona)“,
der Hexameter endlich:
„Zerbrich (frange) die losen (solutas) <Pfeile> <sagittas>, die gebündelten Pfeile aber (sed coniunctas sagittas) schieß ab (mitte)“.
 
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Dass es sich um Devisen handelt, war anzunehmen. Die von dir vorgeschlagenen Übersetzungen sind schon grammatisch nicht gedeckt, der Charakter der Wahlsprüche ist konventionell und nimmt, wie vermutet, teilweise auf symbolische Elemente des Wappens (Kranz, Pfeilbündel) Bezug. Von daher mögen sich weitere Bedeutungen im geschichtlichen Kontext ergeben, die aber eine korrekte Übertragung voraus-, nicht ersetzen:

„Den Montanen (Montanis) <ist> Treue (fides) eigen (propria)“,
„Verdientermaßen (merito) <gebührt> der Tugend (virtuti) der Kranz (corona)“,
der Hexameter endlich:
„Zerbrich (frange) die losen (solutas) <Pfeile> <sagittas>, die gebündelten Pfeile aber (sed coniunctas sagittas) schieß ab (mitte)“.
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