Latein Wörterbuch - Forum
Krisen — 518 Aufrufe
Tobias am 13.3.20 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Hallo,

Wie lautet die Übersetzung für diesen Satz?

Krisen sind dazu da, um aus ihnen gestärkt, mutiger und klüger hervorzugehen.

Vielen Dank für eure Hilfe. Schönes WE.

Gruß aus BW
Toby Schmitz
Re: Krisen
rumor am 13.3.20 um 16:02 Uhr (Zitieren)
Homo discriminibus/ difficilibus tempestatibus confirmatus, fortior et sapientior
Re: Krisen
arbiter am 13.3.20 um 16:04 Uhr (Zitieren) II
cum res in summum discrimen veniunt, licet et robustior et fortior et prudentior evenias
Re: Krisen
Klaus am 13.3.20 um 18:14 Uhr (Zitieren) I
Angustiae exstant, ut eis confirmatus fortior et prudentior evenias.
Re: Krisen
esox am 15.3.20 um 17:50 Uhr (Zitieren)
@arbiter: „Klsud weiß nicht, was Krise bedeutet, findet daher auch kein passendes Äquivalent.“ Nun ja.
„Desipere est iuris gentium“ , erst recht, sprachliche Finessen mal zu übergehen. Mit Schopenhauer teilt arbiter das notorisch Zänkische.
Klaus ist wenigstens der einzige im Forum, der sich nicht entmutigen lässt. Bravo!
Re: Krisen
Klaus am 15.3.20 um 17:58 Uhr (Zitieren)
@esox, der Beitrag von arbiter ist inzwischen verschwunden, wohl im Rahmen der Bernie-Löschungen. Ich wurde KIsud genannt, was mich wunderte, bin nicht nachtragend.
Re: Krisen
arbiter am 15.3.20 um 20:21 Uhr (Zitieren)
Woher stammt dieser hübsche Spruch im Original (an den ich mich öfter halte als z.B. Klaus oder sein Busenfreund)? Oder hat Schopenhauer ihn geprägt?
Im übrigen ist hier mit ius gentium sicher nicht das Völkerrecht gemeint (Grotius war ja schon lange tot), sondern gentes einfach „die Leute“, so bereits seit der Renaissance, vgl. auch frz. les gens.
Re: Krisen
Klaus am 16.3.20 um 16:02 Uhr, überarbeitet am 16.3.20 um 17:42 Uhr (Zitieren)
Ich habe meine Worte gelöscht, weil sicher bald Bernie kommt und toben wird.
Re: Krisen
Klaus am 16.3.20 um 20:38 Uhr (Zitieren)
Kommt er heut nicht, kommt er morgen!
Re: Krisen
Graeculus am 16.3.20 um 23:03 Uhr (Zitieren)
„desipere est juris gentium“ findet sich in Schopenhauers Eristischer Dialektik unter „Letzter Kunsgriff“. In „Parerga und Paralipomena“ Bd. II § 106 steht es ebenfalls; das. § 250 findet sich die Variante: „ineptire est juris gentium“. Eine Quelle gibt er nirgends an.
Re: Krisen
Graeculus am 16.3.20 um 23:09 Uhr (Zitieren)
Auch die diversen Herausgeber nennen keine Fundstelle.
Re: Krisen
Klaus am 17.3.20 um 9:39 Uhr (Zitieren)
@Graeculus: Ich kann mir nicht vorstellen, dass arbiter sich auf diesen Satz bezieht, denn unverständig sind ja eher die Busenfreunde als er.
Unverständig zu sein ist ein Menschenrecht.
(desipere est juris gentium)

Er meint sicher diesen Satz:
Krisen sind dazu da, um aus ihnen gestärkt, mutiger und klüger hervorzugehen.
Re: Krisen
Graeculus am 17.3.20 um 11:42 Uhr (Zitieren)
1. Dieser Satz
Krisen sind dazu da, um aus ihnen gestärkt, mutiger und klüger hervorzugehen.

stammt nicht von Schopenhauer.
2. Dieser Satz
desipere est juris gentium

hingegen schon.
3. Auf ihn bezieht sich arbiter explizit mit seiner Erläuterung zu „jus gentium“.
4. Wenn Du ihn bei Schopenhauer im Kontext liest, weißt Du, daß er arbiters Einstellung entspricht.
Re: Krisen
Klaus am 17.3.20 um 11:53 Uhr (Zitieren)
Aber arbiter wirft uns Busenfreunden und besonders mir als Laienbruder vor, unverständig zu sein. Wenn er diesen Satz von Schopenhauer für sich in Anspruch nimmt, dann kann er das Verhalten doch nicht mir zum Vorwurf machen. Ich verstehe das nicht.
Re: Krisen
esox am 17.3.20 um 12:32 Uhr (Zitieren)
@ Klaus: Schopenhauer brachte es fertig, einesteils ein großer Verfechter des Buddhismus zu sein, insbesondere auch der Tugend des Mitleides ("Der größte Mangel an Mitleid drückt einer Tat den Stempel der tiefsten moralischen Verworfenheit auf). Andererseits war er in Praxis und Theorie ein Liebhaber der gnadenlosen, mitleidlosen Eristik.
Wir Kleingeister müssen das nicht verstehen. Das hätte uns nur Schopenhauer selber erklären können. Oder auch arbiter?
Re: Krisen
Klaus am 17.3.20 um 12:44 Uhr (Zitieren)
@esox: Danke für deine Erklärungen und auch die aufmunternden Worte von vorgestern. Dich selbst darfst du freilich nicht zu den Kleingeistern zählen.
Re: Krisen
Graeculus am 17.3.20 um 18:15 Uhr (Zitieren) I
Der Kontext, Klaus! Schopenhauer schreibt es spöttisch über andere Leute.

Schopenhauers Ethik ist übrigens deskriptiv, nicht präskriptiv. Selber ein Heiliger zu sein, hat er nie beansprucht. Er hätte, wie Max Scheler zu einem Kölner Kardinal, der ihm seine moralischen Fehler vorwarf, antworten können: „Kennen Sie einen Wegweiser, der den Weg geht, den er weist?“ Auch das natürlich: spöttisch, selbstironisch.

Warum nur wird Moral so gerne als Waffe zur Verurteilung anderer benutzt, statt zur Selbstprüfung?

Schopenhauers philosophische Bedeutung liegt darin:
1. der erste erklärte Atheist unter den deutschen Intellektuellen zu sein,
2. als erster in Deutschland die Tiere in die Ethik einbezogen zu haben,
3. als erster Europäer nicht mehr europazentrisch gedacht zu haben,
4. der Vernunft den Primat im menschlichen Selbstbewußtsein entzogen zu haben und
5. den Gebrauch der Sprache für die Philosophie reflektiert zu haben (was ihn zum Anreger für Ludwig Wittgenstein und damit der Sprachanalytischen Philosophie macht).
In all diesen Hinsichten ist er zukunftsweisend.

Allein die Liste derer, die er beeinflußt hat (Richard Wagner, Nietzsche, Freud, Thomas Mann, Wittgenstein, Horkheimer usw.) ist beeindruckend.
Re: Krisen
esox am 17.3.20 um 21:06 Uhr (Zitieren)
@ Graecule : „Schopenhauer schreibt es spöttisch über andere Leute“, nämlich dies obgenannte Dictum. Das stimmt, die sanfte Ironie bezieht sich auf mindestens 99% der Mitmenschen.

Eine genauere Lektüre des „38. Kunstgriffs“ ergab, dass Schopenhauer mitnichten empfiehlt zu diskutieren wie ein Generalsekretär der CSU, wie es im ersten Absatz allerdings scheint.
Auch hält er es nicht für zielführend, einfach cool zu bleiben und dem Gegner nachzuweisen,wie falsch er liege, das gehe nämlich gegen dessen Eitelkeit und erbittere ihn noch mehr.

Nein, nein, er möchte nur mit Leuten von Geist und Verstand diskutieren,die ihm einigermaßen ebenbürtig seien, und das seien eben die allerwenigsten:

O-Ton Schopenhauer: Die einzig sichere Gegenregel ist daher die, welche schon Aristoteles im letzten Kapitel der Topica gibt: Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren; sondern allein mit solchen, die man kennt, und von denen man weiß, daß sie Verstand genug haben, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen; und um mit Gründen zu disputieren und nicht mit Machtsprüchen, und um auf Gründe zu hören und darauf einzugehn; und endlich, daß sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners, und Billigkeit genug haben, um es ertragen zu können, Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der andern Seite liegt. Daraus folgt, daß unter Hundert kaum Einer ist, der wert ist, daß man mit ihm disputiert. Die Übrigen lasse man reden, was sie wollen, denn desipere est juris gentium, und man bedenke, was Voltaire sagt: La paix vaut encore mieux que la vérité; und ein arabischer Spruch ist: »Am Baume des Schweigens hängt seine Frucht der Friede.« So weit S.

Das ist der sehr löbliche Zusammenhang des „Desipere est iuris gentium“: Gesprächs- bzw. Streitkultur im noblen Stil. Toll!

Da kriegt nebenbei Hobbes aus dem zweiten Absatz nachträglich auch sein Fett ab. Der sehe das einzige Vergnügen der Menschen darin, sich positiv von anderen abzuheben, in der Eitelkeit, auch der, um jeden Preis recht zu behalten - von welcher Eitelkeit Schopenhauer sich, wie es scheint, frei weiß.
Re: Krisen
Graeculus am 17.3.20 um 22:38 Uhr (Zitieren)
Und? Paßt das nun zu arbiter oder nicht?
Re: Krisen
Graeculus am 17.3.20 um 22:42 Uhr (Zitieren)
Übrigens, ist das so anders als der Standpunkt der meisten Philosophen, die ja oft etwas Elitäres an sich haben? Es fängt bei Heraklit an und geht dann mit Platons τοῖς πολλοῖς πολλὰ δοκεῖ weiter.
Re: Krisen
Seneca am 18.3.20 um 5:46 Uhr (Zitieren)
„Quid tibi vitandum praecipue existimes quaeris? turbam.“
Re: Krisen
Klaus am 18.3.20 um 9:00 Uhr (Zitieren)
@Graeculus: Wie passt arbiters Vorwurf an die unverständigen Busenfreunde zu dieser Philosophie?
Re: Krisen
esox am 18.3.20 um 20:21 Uhr (Zitieren)
arbiter schweigt sich zu dieser letzeren Frage aus.
Ich setze hier noch Absatz 1 und 2 des „28.Kunstgriffes“ her. Es ist zu schön.

Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streites (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Tierheit. Diese Regel ist sehr beliebt, weil jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt. Nun frägt sich, welche Gegenregel hiebei für den andern Teil gilt. Denn will er dieselbe gebrauchen, so wirds eine Prügelei oder ein Duell oder ein Injurienprozeß.

Man würde sich sehr irren, wenn man meint, es sei hinreichend, selbst nicht persönlich zu werden. Denn dadurch, daß man Einem ganz gelassen zeigt, daß er Unrecht hat und also falsch urteilt und denkt, was bei jedem dialektischen Sieg der Fall ist, erbittert man ihn mehr als durch einen groben, beleidigenden Ausdruck. Warum? Weil wie Hobbes de Cive, Kap. 1, sagt: Omnis animi voluptas, omnisque alacritas in eo sita est, quod quis habeat, quibuscum conferens se, possit magnifice sentire de seipso. – Dem Menschen geht nichts über die Befriedigung seiner Eitelkeit und keine Wunde schmerzt mehr als die, die dieser geschlagen wird. (Daraus stammen Redensarten wie »die Ehre gilt mehr als das Leben« usw.) Diese Befriedigung der Eitelkeit entsteht hauptsächlich aus der Vergleichung Seiner mit Andern, in jeder Beziehung, aber hauptsächlich in Beziehung auf die Geisteskräfte. Diese eben geschieht effective und sehr stark beim Disputieren. Daher die Erbitterung des Besiegten, ohne daß ihm Unrecht widerfahren, und daher sein Greifen zum letzten Mittel, diesem letzten Kunstgriff: dem man nicht entgehen kann durch bloße Höflichkeit seinerseits. Große Kaltblütigkeit kann jedoch auch hier aushelfen, wenn man nämlich, sobald der Gegner persönlich wird, ruhig antwortet, das gehöre nicht zur Sache, und sogleich auf diese zurücklehnt und fortfährt, ihm hier sein Unrecht zu beweisen, ohne seiner Beleidigungen zu achten, also gleichsam wie Themistokles zum Eurybiades sagt: pataxon men, akouson de. Das ist aber nicht jedem gegeben.

Merke wohl: Schopenhauer empfiehlt nicht unbedingt, die Person persönlich kränkend und grob anzugreifen.

 
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@Graeculus: Wie passt arbiters Vorwurf an die unverständigen Busenfreunde zu dieser Philosophie?
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