Latein Wörterbuch - Forum
Übersetzung eines Gedichtes — 796 Aufrufe
Sweti am 24.3.09 um 18:08 Uhr (Zitieren)
Hallo,
bräuchte bitte eine Übersetzung von diesem Gedicht:

Drei Engel mögen dich begleiten durch deine ganze Lebenszeit und die drei Engel, die ich meine, sind: Liebe, Glück, Zufriedenheit!

(Wenn möglich das es sich auch reimt)
Habe leider nie Latein gelernt, finde die sprache aber so schön!!!

Wäre euch sehr dankbar!!!!
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Thalia am 24.3.09 um 18:32 Uhr (Zitieren)
Vorschlag:
Per totam vitam tuam te comitentur tres angeli, qui sunt: Amor, felicitas, hilaritas.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Thalia am 24.3.09 um 18:43 Uhr (Zitieren)
Zweiter Vorschlag:

Pér totám viám tres ángeli té comiténtur:
Ámor, félicitás, tránquillitás animí.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Thalia am 24.3.09 um 18:45 Uhr (Zitieren)
Ok, zweiter Vorschlag zurück: Das funktioniert nicht wegen des Doppel-Ls bei „tranquillitas“.
Aber vlt. könnte man stattdessen auch „hilaritas“ nehmen.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Elisabeth am 24.3.09 um 19:53 Uhr (Zitieren)
So’n Mist aber auch! Ich fand das Distichon so schön, dass ich ziemlich gesucht habe, ob es nicht auch tranquilitas gibt; scheint aber nicht so zu sein.
(Wie kann man eigentlich lateinische Verse stricken? - Das ist mir völlig unverständlich.)
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Elisabeth am 24.3.09 um 19:53 Uhr (Zitieren)
PS: hilaritas geht auch nicht - die erste Silbe ist kurz.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Arborius am 24.3.09 um 19:55 Uhr (Zitieren)
Thalia, kommt das von Dir? Ganz phantastisch! Möchtest Du nicht einen Dichtungsworkshop anbieten?
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 24.3.09 um 20:43 Uhr (Zitieren)
Mein Vorschlag für „Zufriedenheit“, resp. Zufriedenheit durch Selbstbeschränkung -> „continentia“
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Thalia am 25.3.09 um 15:03 Uhr (Zitieren)
@Elisabeth:
Man darf also nicht eine kurze Silbe „lang machen“??
Schade...
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Thalia am 25.3.09 um 15:07 Uhr (Zitieren)
Letzter Versuch:

Pér totám viám tres ángeli té comiténtur:
Áequitás animí, félicitás et amór.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Sweti am 31.3.09 um 17:54 Uhr (Zitieren)
Hallo,
vielen Dank für die bisherige Mühe.
Ich verstehe das jetzt nur nicht ganz. Ist jetzt die erste Antwort die Übersetzung oder ist das falsch???
Und ich fände es halt schön, wenn es sich reimen würde, damit es wie ein Gedicht klingt.
Kann mir nochmal jemand helfen?
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 17:59 Uhr (Zitieren)
@Sweti,
lateinische Gedichte „reimen“ sich nicht so,
wie wir es von unseren Gedichten gewohnt sind.
z.B.:
"Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,"
usw..
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Sweti am 31.3.09 um 18:01 Uhr (Zitieren)
Ok, und wie wäre jetzt die richtige Übersetzung von meinem gedicht??
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 18:04 Uhr (Zitieren)
1. Die erste Version ist eine Prosa-Übersetzung, ja.
2. Die zweite Version ist der Versuch, daraus ein Gedicht zu machen. Dabei mußt Du beachten, daß im klassischen Latein keine Reime vorkommen, sondern die Gedichtform durch einen regelmäßigen Wechsel von langen und kurzen Silben erzeugt wird (Metrum, Versmaß). Damit sind wir aber nicht klar gekommen - ein Wort stört den Rhythmus.
Übrigens weiß ich nicht, warum Thalia von „per totam vitam“ in der zweiten Version zu „per totam viam“ gewechselt ist (durch das ganze Leben --> durch den ganzen Weg); möglicherweise war das ein Versehen, weil es sich nur durch einen einzigen Buchstaben unterscheidet. Aber wie gesagt: Version 2 ist nicht zu einem echten Gedicht geworden, und Reime sind bei lateinischen Gedichten nicht üblich. Diese Gedichtform hat man erst im Mittelalter erfunden.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:04 Uhr (Zitieren)
@Sweti,
hier
"Thalia schrieb am 25.03.2009 um 15:07 Uhr:
Letzter Versuch:

Pér totám viám tres ángeli té comiténtur:
Áequitás animí, félicitás et amór."

ist genau das, was du gewünscht hast

du mußt die markierten Silben betonen!

Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 18:06 Uhr (Zitieren)
Oja, den letzten Versuch habe ich übersehen. Der kommt rhythmisch hin.
Warum „viam“ statt „vitam“, weiß ich allerdings immer noch nicht.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Sweti am 31.3.09 um 18:08 Uhr (Zitieren)
Achso, jetzt verstehe ich auch die Diskussion. Danke!
Tut mir leid, wenn ich nerve, noch eine letzte Frage:
Von den Gedicht-Versuchen kannn ich keines verwenden, oder?Die Vorschläge von Talia sind alle falsch? Auch das letzte? Zu dem hat sich nämlich niemand mehr geäussert.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:09 Uhr (Zitieren)
@Sweti,
„falsch“ ist es nicht,
nur eben nicht der klassischen lateinischen Versform entsprechend
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 18:10 Uhr (Zitieren)
Oja, den letzten Versuch habe ich übersehen. Der kommt rhythmisch hin.
Warum „viam“ statt „vitam“, weiß ich allerdings immer noch nicht.

Beantwortet das nicht - zum Teil - Deine Frage?
Warum Thalia plötzlich „viam“ statt „vitam“ benutzt hat, kann Dir vermutlich nur Thalia beantworten.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Sweti am 31.3.09 um 18:11 Uhr (Zitieren)
Also doch falsch?
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Sweti am 31.3.09 um 18:12 Uhr (Zitieren)
Ja, ich hatte den Beitrag erst gesehen, nachdem ich meinen geschrieben habe. Ok, ich glaube, ich hab*s. Ich kann also den letzten Beitrag von Thalia verwenden.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 18:12 Uhr (Zitieren)
Bibulus, widersprichst Du nicht Deiner eigenen früheren Aussage?:
Bibulus schrieb am 31.03.2009 um 18:04 Uhr:
@Sweti,
hier
"Thalia schrieb am 25.03.2009 um 15:07 Uhr:
Letzter Versuch:

Pér totám viám tres ángeli té comiténtur:
Áequitás animí, félicitás et amór."

ist genau das, was du gewünscht hast

du mußt die markierten Silben betonen!

Ich jedenfalls finde das rhythmisch korrekt.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:13 Uhr (Zitieren)
so, damit alle Klarheiten beseitigt werden:

wörtlich!

Pér totám vitám tres ángeli té comiténtur:
->
"durch das ganzes Leben mögen drei Engel dich begleiten

„Áequitás animí, félicitás et amór.“
->
„Gelassenheit (Zufriedenheit), Glück und Liebe“
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Thalia am 31.3.09 um 18:15 Uhr (Zitieren)
Hallo,
Es heißt natürlich VITAM und nicht VIAM.
Ich hab vielleicht bei meinen weiteren Versuchen an den „LebensWEG“ gedacht, und dann den Fehler reingebracht.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Sweti am 31.3.09 um 18:16 Uhr (Zitieren)
Ok, vielen Dank an alle, dann verwende ich also:
Pér totám vitám tres ángeli té comiténtur:
Áequitás animí, félicitás et amór.

Vielen lieben Dank!
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:17 Uhr (Zitieren)
@Graecule,

öhem....
der lateinischen Lyrik stand ich schon immer etwas befremdlich gegenüber...

(mit Grausen denke ich daran, wie kurz vor dem Latinum unser Pauker auf den Wahnwitz verfiel,
noch mit lateinischer Lyrik zu beginnen...)

Re: Übersetzung eines Gedichtes/Bibulus
Graeculus am 31.3.09 um 18:43 Uhr (Zitieren)
Welcher französische Naturwissenschaftler (19. Jhdt. Zeit des Positivismus) war das, der nach der Lektüre der „Ilias“ gesagt hat: „Na und? Was beweist das?“
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:46 Uhr (Zitieren)
„Welcher französische Naturwissenschaftler (19. Jhdt. Zeit des Positivismus) war das, “

tja,
da verließen sie ihn...

*schäm*
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:48 Uhr (Zitieren)
Onkel Google hilft....

Auguste Comte

B-)
Re: Übersetzung eines Gedichtes/Bibulus
Graeculus am 31.3.09 um 18:51 Uhr (Zitieren)
Siehst Du, Du bist nicht der einzige naturwissenschaftlich denkende Mensch (die Dipl.-Ing.s mal dazugerechnet), der zu poetischen Texten keinen Zugang findet.
Für mich ist ein poetischer Text das sprachliche Gegenstück zu einem Menschen mit schönen Proportionen. Die „beweisen“ ja auch nichts ...
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:53 Uhr (Zitieren)
„Für mich ist ein poetischer Text das sprachliche Gegenstück zu einem Menschen mit schönen Proportionen.“

ROFL

Stammt das von Dir?
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 18:56 Uhr (Zitieren)
ich gebe zu,
ich bin für Poesie etwas unempfänglich...

und Büchner’s „Danton’s Tod“ ist mir auch lieber als „Iphigenie auf Tauris“....
;-)
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 19:00 Uhr (Zitieren)
Die Formulierung stammt von mir, ja, aber der Gedanke von Platon: „Philebos“ - das Schöne ist das rechte Maß. Und das gibt es ja auch im Vers-Maß.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 19:06 Uhr (Zitieren)
Dieses Gedicht gilt vielen als das schönste Gedicht in deutscher Sprache:
GINKGO BILOBA
(Heidelberg, den 27. September 1815)

[b]Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
gibt geheimen Sinn zu kosten,
wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
daß man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern,
fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
daß ich eins und doppelt bin?[b]

Nun „übersetze“ das mal in eine Prosa-Aussage ... und erkühne Dich, mir ins Angesicht zu sagen, daß das doch „im wesentlichen“ das Gleiche sei ... oder gar „genauso schön“ ...
:-)
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Bibulus am 31.3.09 um 19:09 Uhr (Zitieren)
ich werde mich nicht erkühnen...

ich gebe ja zu,
von einem ausgebildeten Vorträger aufgesagt....
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 19:18 Uhr (Zitieren)
von einem ausgebildeten Vorträger aufgesagt ...

Ja, man darf z.B. auf keinen Fall zwischen „Osten“ und „Meinem“ eine Pause machen, bloß weil die Zeile wechselt. Man muß Rhythmus und grammatische Konstruktion in Harmonie bringen (schon wieder ein Begriff der platonischen Ästhetik ...).
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Arborius am 31.3.09 um 19:59 Uhr (Zitieren)
Er [Humboldt] könne das schönste deutsche Gedicht vortragen, frei ins Spanische übersetzt. Oberhalb aller Begspitzen sei es still, in den Bäumen kein Wind zu fühlen, auch die Vögel seien ruhig, und bald werde man tot sein.
Alle sahen ihn an.
Fertig, sagte Humboldt.
Ja wie, fragte Bonpland.
Entschuldigung, sagte Julio. Das könne doch nicht alles gewesen sein.

D. Kehlmann, Die Vermessung der Welt.

Bei Eurem Gespräch habe ich mich sofort an diese Stelle erinnert gefühlt!
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Graeculus am 31.3.09 um 20:02 Uhr (Zitieren)
Ja, ich erinnere mich! Das ist köstlich!
Das Gedicht dazu lautet („Anmerkung für Esel“, würde Nietzsche sagen):
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest auch du.
Re: Übersetzung eines Gedichtes
Arborius am 31.3.09 um 20:04 Uhr (Zitieren)
Ist doch inhaltlich gleich, oder?
Wenn man das jetzt auch noch übersetzt ... Moment mal: Das macht man mit Ovid ja auch!
 
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