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adjektiv-attribut

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adjektiv-attribut [2010/04/03 20:58]
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adjektiv-attribut [2015/08/15 19:10] (aktuell)
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 "Der Mann lag //​bäuchlings//​ im Bett" "Der Mann lag //​bäuchlings//​ im Bett"
 ist "​bäuchlings"​ dagegen eine Ergänzung zu "lag im Bett", also eine adverbielle Bestimmung!\\ ist "​bäuchlings"​ dagegen eine Ergänzung zu "lag im Bett", also eine adverbielle Bestimmung!\\
-# Baustelle...#​ +Im Deutschen ist dieser Unterschied zwischen Prädikativum und adverbieller Bestimmung nicht gut zu sehen, weil Adjektiv und Adverb nicht sauber getrennt werden. Im Lateinischen wird ein Prädikativum durch das Adjektiv, die adverbielle Bestimmung aber durch das Adverb ausgedrückt! Mancher Schüler merkt nie, dass "Der Schüler schreibt die Arbeit froh" und "Der Schüler schreibt die Arbeit krakelig"​ grammatisch zwei grundverschiedene Sachverhalte sind!  (denn "froh" ​war der Schüler, aber "krakelig" ​das Schreiben!)
-Im Deutschen ist dieser Unterschied zwischen Prädikativum und adverbieller Bestimmung nicht gut zu sehen, weil Adjektiv und Adverb nicht sauber getrennt werden. Im Lateinischen wird ein Prädikativum durch das Adjektiv, die adverbielle Bestimmung aber durch das Adverb ausgedrückt! Mancher Schüler merkt nie, dass "Der Schüler schreibt die Arbeit froh" und "Der Schüler schreibt die Arbeit krakelig"​ grammatisch zwei grundverschiedene Sachverhalte sind! denn froh war der Schüler, aber krakelig das Schreiben!+
  
-Typisch für deutsche Sätze ist, dass das attributive Adjektiv vor dem Bezugswort steht, das prädikative aber beim Prädikat, das heißt, regelmäßig hinter dem Bezugswort: Der kranke Mann, aber ... dass der Mann krank ... +Typisch für deutsche Sätze ist, dass das attributive Adjektiv ​//vor// dem Bezugswort steht, das prädikative aber beim Prädikat, das heißt, regelmäßig ​//hinter// dem Bezugswort: ​"Der //kranke Mann//", aber " ​... dass der //Mann krank// ... "\\ 
-Es gibt Ausnahmen: Die Adjektiv-Apposition steht hinter dem Bezugswort: Erik der Rote +Es gibt Ausnahmen: Die Adjektiv-Apposition steht hinter dem Bezugswort: Erik //der Rote//\\ 
-Gelegentlich wird das attributive Adjektiv absichtlich nachgestellt:​ All die Mägdelein, die feinen, tanzen einen Ringelreihen. Typisch hierfür ist übrigens die Wiederholung des Artikels. ("​die"​. "​die"​). Wer Griechisch lernt, wird das als Standardfloskel wiedererkennen. Wer Bayrisch lernt, kennt die Form mit und auch ohne Wiederholung:​ "Der Bazi, der abgefeimte!"​ gegen "​Saupreiß chinesischer!"​ (rief die Münchner Marktfrau dem japanischen Touristen hinterher, der das Obst betastet hatte.)+Gelegentlich wird das attributive Adjektiv absichtlich nachgestellt: ​"All die Mägdelein, ​//die feinen//, tanzen einen Ringelreihen." ​Typisch hierfür ist übrigens die Wiederholung des Artikels. ("​die"​. "​die"​). Wer Griechisch lernt, wird das als Standardfloskel wiedererkennen. Wer Bayrisch lernt, kennt die Form mit und auch ohne Wiederholung:​ "Der Bazi, der abgefeimte!"​ gegen "​Saupreiß chinesischer!"​ (rief die Münchner Marktfrau dem japanischen Touristen hinterher, der das Obst betastet hatte.)
  
-Wie ist das im Lateinischen?​ +__Wie ist das im Lateinischen?​__
-a) Normalstellung des attributiven Adjektivs ist hinter dem Bezugswort:​ +
-miles Romanus römischer Soldat +
-falx aurea goldene Sichel +
-ius civile Zivilrecht+
  
-Dieser Normalfall ​ist deutschen Neulingen verblüffend genug und erschlägt praktisch alles. Spezialisten mögen sich um die wenigen Ausnahmen kümmern:+a) Normalstellung des attributiven Adjektivs ​ist //hinter// dem Bezugswort:\\ 
 +**miles Romanus** "​römischer Soldat"​\\ 
 +**falx aurea** "​goldene Sichel"​\\ 
 +**ius civile** "​Zivilrecht"​\\
  
-b) Wenn das attributive Adjektiv eine „auszeichnende“ Eigenschaft bezeichnet oder wenn es ein Maß oder eine Zahl angibt, steht es ausnahmsweise vor dem Bezugswort: +Dieser Normalfall ist deutschen Neulingen verblüffend genug und erschlägt praktisch alles.\\ 
-multi homines viele Menschen +Spezialisten mögen sich aber um die wenigen Ausnahmen kümmern:
-tres dies drei Tage +
-summus imperator oberster Feldherr+
  
-Auszeichnend“ ist eine Eigenschaft ​dann, wenn sie ein Objekt aus einer Menge anderer heraushebt. Wer sagt: „Sie trug ein blaues Kleid“der sagt nichts über eventuelle andere Kleider aus (sogenannter „objektiver“ Gebrauch). Wer aber sagt„Sie trug das blaue Kleid“, der läßt mitschwingen,​ dass es andere Kleider gibt, und zwar nicht blaue. Das ist also „auszeichnender“ Gebrauch.+b) Wenn das attributive Adjektiv eine auszeichnende“ Eigenschaft ​bezeichnet oder wenn es ein Maß oder eine Zahl angibtsteht es ausnahmsweise //vor// dem Bezugswort:\\ 
 +**multi homines** "viele Menschen"​\\ 
 +**tres dies** "drei Tage"​\\ 
 +**summus imperator** "​oberster Feldherr"​
  
-Daher (mit urbanusdas "​städtisch"​ als objektive Eigenschaft oder im Gegensatz zu "​ländlich"​ das heißt"​bauerntrampelig"​ bedeuten kann): +„Auszeichnend“ ist eine Eigenschaft dannwenn sie ein Objekt aus einer Menge anderer heraushebt. Wer sagt„Sie trug //ein blaues// Kleid“, der sagt nichts über eventuelle andere Kleider aus (sogenannter „objektiver“ Gebrauch).\\ 
-prætor urbanus städtischer PrätorStadtvorsteher +Wer aber sagt„Sie trug //das blaue// Kleid“der lässt mitschwingendass es andere Kleider gibt, und zwar nicht blaue. Das ist also "auszeichnender" ​Gebrauch.
-urbanus prætor geistreicher Prätorein "Prätor von Welt"+
  
-Die Zahlwörter und Mengenbezeichnungen können also gar nicht anders, als „auszeichnend“ ​zu sein; sie bezeichnen immer die Teilmenge einer Grundmenge. Deswegen kommen sie nach vorne.+Daher mit **urbanus**das "​städtisch" ​als objektive Eigenschaft oder im Gegensatz ​zu "​ländlich"​ (das heißt: "​dorftrottelig"​) bedeuten kann:\\ 
 +**prætor urbanus** "​städtischer Prätor, Stadtvorsteher"​\\ 
 +**urbanus prætor** "​geistreicher Prätor, ein '​Prätor von Welt'"​
  
-c) Die Sonderregel b) wird nicht verwendetwenn das Bezugswort einsilbig ist oder sonst die Adjektivkonstruktion deutlich umfangreicher ist als das BezugswortDann wird die Normalstellung a) praktisch immer angewendet:​ +Die Zahlwörter und Mengenbezeichnungen können also gar nicht andersals "​auszeichnend"​ zu sein; sie bezeichnen immer die Teilmenge einer Grundmenge. Deswegen kommen sie nach vorne.
-vir peritissimus ein sehr erfahrener Mann (objektiv) und der erfahrenste der Männer (auszeichnend) +
-casu incredibili ac pæne divino durch einen unglaublichen und geradezu göttlichen Zufall +
-di immortales unsterbliche Götter+
  
-dAdjektiv-Appositionen sind nachgestellt+cDie Sonderregel b) wird nicht verwendet, wenn das Bezugswort einsilbig ist oder sonst die Adjektivkonstruktion deutlich umfangreicher ist als das Bezugswort. Dann wird die Normalstellung a) praktisch immer angewendet:\\ 
-Alexander Magnus Alexander ​der Große +**vir peritissimus** "ein sehr erfahrener Mann" (objektiv) und "der erfahrenste der Männer"​ (auszeichnend)\\ 
-Otto Tertius Otto III.+**casu incredibili ac pæne divino** "durch einen unglaublichen und geradezu göttlichen Zufall"​\\ 
 +**di immortales** "​unsterbliche Götter"​
  
-Anmerkung: Adjektive, die Lob oder Tadel ausdrücken sollen, können demnach (speziell bei Namenguten Gewissens weder vorannoch nachgestellt ​werden. Vorne beschreiben sie einfach nur die subjektive, wenngleich herausgehobene Eigenschaft (wie bei "​urbanus prætor"​) ohne Betonung des Lobs, nachgestellt könnten sie als Apposition aufgefasst werden. +dAdjektiv-Appositionen sind nachgestellt:​\\ 
-Daher wird im Lateinischen das Lob oder der Tadel zwar nachgestellt,​ aber niemals auf einen Eigennamen bezogen. Notfalls muss ein Hilfs-Bezugswort eingebaut werden+**Alexander Magnus** ​"Alexander ​der Große"​\\ 
-nicht Corinthus opulentissima das so reiche Korinth, denn das würde ja "Korinth das Reiche"​ bedeuten (vom Typ Peter der Große) oder "das reichste Korinth" ​ - als ob es noch andere gäbe +**Otto Tertius** ​"Otto III."
-sondern Corinthus,​ urbs opulentissima Korinth,​ die so reiche Stadt, +
-notfalls wenigstens Corinthus, ea opulentissima Korinth,​ das so reiche,... Nebenbei, Corinthus ist femininum! Warum?+
  
-eWenn das attributive Adjektiv Ort und Zeit angibt, wird es im Lateinischen ​im Gegensatz zum Deutschen regelmäßig nicht benutzt, um das Verhältnis zu anderen Dingen auszudrückensondern um das innere Verhältnis zu beschreiben! Das ist oft Fehlerquelle+Anmerkung: Adjektive, die Lob oder Tadel ausdrücken sollen, können demnach (speziell bei Namenguten Gewissens weder voran- noch nachgestellt werden. Vorne würden sie einfach nur die subjektivewenngleich herausgehobene Eigenschaft beschreiben (wie bei "​urbanus prætor"​) ohne Betonung des Lobs, nachgestellt könnten sie als Apposition aufgefasst werden.\\ 
-summus mons nicht der höchste Berg sondern die Bergspitze ​("​der ​Berg ganz oben"​) ​im Übrigen: vorangestellt nach b) +Daher wird im Lateinischen das Lob oder der Tadel zwar nachgestelltaber niemals auf einen Eigennamen bezogen!\\ Notfalls muss ein Hilfs-Bezugswort eingebaut werden:\\ 
-in colle medio nicht auf dem mittleren Hügel ​sondern ​mitten auf dem Hügel+//nicht// **<​del>​Corinthus opulentissima</​del>​** "das so reiche Korinth",​ denn das würde ja "​Korinth das Reiche"​ bedeuten ​(vom Typ "Peter der Große"​) ​oder "das reichste Korinth" ​ - als ob es noch andere gäbe -\\ 
 +//sondern// **Corinthus,​ urbs opulentissima** "​Korinth,​ die so reiche Stadt",​\\ 
 +//notfalls wenigstens//​ **Corinthus,​ ea opulentissima** "​Korinth,​ das so reiche,... "\\ 
 +(Nebenbei, falls das verwirrt. **Corinthus** ist femininum! Natürliches Geschlecht...)
  
-Manchmal macht das Deutsche ​das sogar mit: +e) Wenn das attributive Adjektiv Ort und Zeit angibt, wird es im Lateinischen im Gegensatz zum Deutschen regelmäßig nicht benutzt, um das Verhältnis zu anderen Dingen auszudrückensondern um das innere Verhältnis zu beschreiben!\\ //Das ist oft Fehlerquelle!//​
-prima luce beim ersten Licht (also: bei Tagesanbruch)worunter auch das Deutsche "bei Anfang des Lichtes (Tages)"​ versteht.+
  
-Und was wäre nun "der höchste Berg" in Latein? Nun, mit Genetiv-Attribut,​ +**summus mons** //nicht// "<​del>​der höchste Berg</​del>",​ sondern "die Bergspitze"​ ("der Berg ganz oben"​)\\ 
-summus montium der höchste der Berge+im Übrigen: vorangestellt nach b),\\ 
 +**in colle medio** //nicht// "<​del>​auf dem mittleren Hügel</​del>",​ sondern "​mitten auf dem Hügel"​ 
 + 
 +Manchmal macht das Deutsche das sogar mit:\\ 
 +**prima luce** "beim ersten Licht" (also: bei Tagesanbruch),​ worunter auch das Deutsche "bei Anfang des Lichtes (Tages)"​ versteht. 
 + 
 +Und was wäre nun "der höchste Berg" in Latein? Nun, mit Genetiv-Attribut,​\\ 
 +**summus montium** "der höchste der Berge"
  
adjektiv-attribut.1270324696.txt.gz · Zuletzt geändert: 2015/08/15 19:10 (Externe Bearbeitung)