Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


fachvokabular

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

fachvokabular [2010/05/01 14:39]
93.219.150.194 angelegt
fachvokabular [2015/08/15 19:10]
Zeile 1: Zeile 1:
-Vokabular der Sprachlehre 
- 
-Dies ist noch gedrängter als auf der Site [[Zur lateinischen Grammatik]] eine Sammlung sprachwissenschaftlicher Fachbegriffe. Sie werden nicht notwendig nur bei der Untersuchung der lateinischen Sprache angewendet! 
- 
-Fachsprachen haben ihr Fachvokabular. Dies dient der kurzen und präzisen Benennung eines Sachverhalts,​ der ohne diese Begriffe nur unscharf oder umständlich zu bezeichnen wäre: Der "​Palstek"​ des Seemanns, die "​Schwitze"​ des Kochs, die "​Wendeltreppe"​ des Architekten,​ das "​Korotkoff-Geräusch"​ des Arztes sind ohne Verwendung dieser Wörter nur mit Aufwand zu bezeichnende Dinge.\\ 
-Es ist nützlich, wenn diese Fachwörter nicht auch in der Alltagssprache eine Bedeutung haben, weil sonst bei jedem Gebrauch mitgeteilt werden müsste, ob die Fachbedeutung oder die Alltagsbedeutung gemeint ist. Das ist ja die Quelle des „Diebstahls im juristischen Sinn“ oder des „Arzneimittels in der Definition des Arzneimittelgesetzes“ oder dergleicher Konstruktionen bei Mehrfachverwendung eines Begriffes. Oft sind Fachbegriffe daher Fremdwörter.\\ 
-Für die Sprachen, die zur Gruppe der indoeuropäischen Sprachen gehören, ist es üblich, Grammatiken nach dem Muster der lateinischen Grammatik aufzustellen,​ denn Latein war für lange Zeit Gelehrtensprache,​ es hat bereits in der Antike Fachleute gegeben, die sich mit seiner Grammatik beschäftigten,​ und Latein ist eine typische westindoeuropäische Sprache.\\ 
-Für Deutsch bedeutet dies, dass die lateinischen (und griechischen) Fachbegriffe viel häufiger verwendet werden als die deutschen, weswegen Grammatik mitunter in Vokabelpaukerei ausartet. In einigen seltenen Fällen stammen Begriffe auch aus anderen Sprachen (meist derjenigen, die ein besonders treffendes Beispiel für den Sachverhalt enthält - Siehe z.B. ↑ dwandwa).\\ 
-Gelegentlich ist die deutsche Bezeichnung die meistverwendete.\\ 
-Die Fachwörter sollen in folgender Form eingeführt werden: 
- 
-deutscher Begriff Fachbegriff in der Einzahl Fachbegriff in der Mehrzahl\\ 
-Herkunft des Begriffs\\ 
-Erläuterung oder Beispiel 
- 
-Beispiel: 
-Rechtschreibung die Orthographie Orthographien\\ 
-gr. //orthos// „aufrecht,​ richtig” und //​graphein//​ „ritzen, schreiben“\\ 
-„Rechtschreibung“,​ die Lehre vom regelrechten Schreiben, ist also eine wörtliche Übersetzung von „Orthographie“ 
- 
-Dabei bedeutet neben den üblichen Abkürzungen\\ 
-gr. griechisch\\ 
-lat. lateinisch\\ 
-dt. deutsch\\ 
-Kursive fremdsprachliche Wörter in der Originalform (allerdings durchweg in lateinischen Buchstaben)\\ 
-↑ Verweis auf andere Stichwörter\\ 
-1), 2), 3) beziffert mehrere gleichlautende Begriffe oder Bedeutungen 
- 
-====== 1 Einteilung der Sprachlehre ====== 
- 
-Sprachlehre 1) die Grammatik Grammatiken\\ 
-(Lehre von einer bestimmten Sprache und ihrem Aufbau) gr. //gramma// „Geritztes,​ Schrift, Buchstabe” und gr./lat. –ikos, ​ icus „gehörig zu“\\ 
-„Grammatik“ ist wörtlich also die Lehre von der geschriebenen Sprache, meint aber die gesamte Sprache und ihren Aufbau. Sprachlehre als wissenschaftliches Fach (und nicht notwendig einer bestimmten Sprache) ist ↑ Linguistik 
- 
-Sprachlehre 2) die Linguistik Linguistiken\\ 
-(das wissenschaftliche Fach) lat. //lingua// „Zunge, Sprache” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“\\ 
-Zu unterscheiden von der Lehre einer bestimmten Sprache und ihrem Aufbau, der ↑ Grammatik 
- 
-Lautlehre die Phonologie Phonologien\\ 
-gr. //phone// „Stimme” und //logios// „gelehrt“ 
- 
-Rechtschreibung die Orthographie,​ Orthografie Orthographien,​ Orthografien\\ 
-gr. //orthos// „aufrecht,​ richtig” und graphein „ritzen, schreiben“\\ 
-„Rechtschreibung“,​ die Lehre vom regelrechten Schreiben, ist also eine wörtliche Übersetzung von „Orthographie“. Bekanntlich kann man die Rechtschreibung sogar durch Gesetz ändern, ohne dass das die Sprache selbst beeinflussen müsste – insofern ist Orthographie nach mancher Lehre kein Teil der Sprachwissenschaft. Immerhin gibt es auch Sprachen ohne Schrift, damit ohne jede Orthographie... 
- 
-Formenlehre die Morphologie Morphologien\\ 
-gr. //morphe// „Gestalt” und //logios// „gelehrt“ 
-Lehre von den Wortformen. Beispiel: Im Deutschen sind „habe“, „hast“, „hat“, „haben“,​ „habt“, „hatte“,​ „hattest“,​ „hattet“,​ „hatten“,​ „gehabt“ usw. Wortformen des einen Tätigkeitswortes mit der Nennform „haben“. 
- 
-Satzlehre die Syntax Syntaxeis,​ Syntaxen (beides ungebräuchlich!)\\ 
-gr. //​syntatto//​ „ich stelle zusammen, ich stelle in Ordnung auf”\\ 
-Lehre vom Satzaufbau und den Funktionen im Satz. Beispiel: In „der Bauer pflügt“ ist „der Bauer“ nach der Wortart ein Hauptwort, nach der Morphologie (Formenlehre) ein Nominativ (erster Fall), nach der Syntax aber der Satzgegenstand (Subjekt) 
- 
-Bedeutungslehre die Semantik Semantiken\\ 
-gr. //sema// „Signal, Zeichen” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“\\ 
-Lehre von der Bedeutung eines Sprachelements. Beispiel: Das Sprachelement „-chen“ in Kleidchen, Schiffchen drückt eine Verniedlichung aus. 
- 
-Verwendungslehre die Pragmatik Pragmatiken\\ 
-gr. //pragma// „Handlung” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“\\ 
-Lehre von den Stilmitteln zur Darstellung eines gewünschten Effekts. Wie kann man mit Sprache behaupten, drohen, warnen, versprechen...?​ 
- 
-Texterschließung 1) die Interpretation Interpretationen\\ 
-(Verfahren der Analyse eines Textes) lat. //​interpretatio//​ „Deutung”\\ 
-Für die Lehre von der Erschließung siehe ↑ Hermeneutik. 
- 
-Texterschließung 2) die Hermeneutik Hermeneutiken\\ 
-(das wissenschaftliche Fach) gr. //​hermeneus//​ „Dolmetscher,​ Deuter” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“\\ 
-Hermes ist der in alles eindringende,​ jedes Geheimnis enträtselnde Gott. Für das Verfahren der Erschließung siehe ↑ Interpretation. 
- 
-Verslehre die Metrik Metriken\\ 
-gr. //metron// „Maß” und gr./lat. –ikos, -icus „gerichtet auf“\\ 
-Da in der klassischen Antike wenig mit Reimen gearbeitet wurde, war das metron der Längen und Kürzen wichtigstes Versmerkmal. Siehe auch ↑ Prosodie. 
- 
-Betonungslehre die Prosodie Prosodien\\ 
-gr. //​prosodos//​ „dazuklingend,​ harmonierend“\\ 
-Die Lehre vom Silbengewicht (lang – kurz oder betont – unbetont). Siehe ↑ Metrik 
- 
-====== 2 Wortarten ====== 
- 
-Die Wortarten werden in drei Gruppen eingeteilt, nämlich die Wortarten der wie ein Hauptwort beugbaren Wörter, die der wie ein Tätigkeitswort beugbaren Wörter und die der nicht veränderbaren Wörter.\\ 
-Innerhalb dieser drei Gruppen finden wir dann die Wortarten selbst und bei diesen eventuell noch Unterarten oder Abteilungen der Arten.\\ 
-Das Dumme ist, dass es das Fachwort „Nomen“ gibt. Dieses Fachwort wird manchmal zur Benennung der ersten Wortartgruppe verwendet, manchmal jedoch zur Benennung einer der Wortarten innerhalb der Gruppe, manchmal schließlich zur Benennung einer Unterart dieser Wortart. Je nachdem, welche der drei Bedeutungen in einem bestimmten System dieser Begriff hat, müssen für die anderen beiden Einteilungsebenen andere Fachwörter verwendet werden! 
- 
-===== 2.1 Erste Wortartgruppe:​ Deklinierbare Wörter ===== 
- 
-„deklinierbares Wort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Nomen 1) Nomina\\ 
-lat. //nomen// „Name”\\ 
-„Nomen“ ist hier also eine Bezeichnung der Wortartgruppe,​ zu der die gleich aufgezählten Wortarten „Hauptwort“,​ „Eigenschaftswort“,​ „Geschlechtswort“ usw. gehören\\ 
-oder: das Deklinabilium Deklinabilia 
-lat. //​deklinare//​ „beugen” und //abilis// „fähig zu“ 
-Dieser Begriff ist ungebräuchlich,​ aber erforderlich,​ falls „Nomina“ in einer anderen Bedeutung verwendet wird. 
- 
-==== 2.1.1 Substantiv ==== 
- 
-Hauptwort, Dingwort, Sachwort das Nomen 2) Nomina\\ 
-lat. nomen „Name”\\ 
-„Nomen“ ist hier also eine Bezeichnung der Wortart. Mit Wörtern dieser Art werden Dinge und Sachverhalte mit Namen versehen: „Tisch“,​ „Stuhl“ ...\\ 
-oder: das Substantiv Substantive,​ Substantiva\\ 
-lat. //​substare//​ „bestehen aus” (//​substantia//​ „Substanz“) und eine Endung -tivus, die „Zugehörigkeit“ anzeigt.\\ 
-„Substantiva“ sind also die Wörter, mit denen Substanzen (also Materialien,​ Stoffe) und greifbare Gegenstände („substantiell vorhandene Dinge“) benannt werden. 
- 
-Diese Wortart hat als Unter-Wortart 
- 
-Namenwort, Eigenname das Nomen 3) Nomina\\ 
-lat. //nomen// „Name”\\ 
-„Nomen“ ist hier also eine Bezeichnung der Unterwortart. Wörter dieser Art sind Bezeichnungen für eine bestimmte Person oder einen individuellen Sachverhalt:​ „Max“, „Griechenland“,​ „Alpen“,​ „Nil“\\ 
-oder: das Nomen proprium Nomina propria\\ 
-lat. //nomen// „Name” und //​proprium//​ „zum Eigentum gehörig, Eigen-“\\ 
-„Nomen proprium“,​ also wörtlich „Eigenname“ ist zu verwenden, wenn man „Nomen“ in einer der anderen Bedeutungen gebraucht. 
- 
-==== 2.1.2 Adjektiv ==== 
- 
-Eigenschaftswort das Adjektiv Adjektive,​ Adjektiva\\ 
-lat. //​adjectivum//​ „herangeworfenes,​ beigefügtes”\\ 
-Adjektive bezeichnen Eigenschaften von Nomina: __rotes__ Dach, der Himmel ist __blau__ ... 
- 
-==== 2.1.3 Artikel ==== 
- 
-Geschlechtswort der Artikel Artikel\\ 
-lat. articulum „gegliedertes”\\ 
-Artikel bezeichnen das (grammatische) Geschlecht: __der__ Tisch, __die__ Blume, __das__ Fass...\\ 
-Artikel kommen in zwei Gruppen vor, die bestimmten und die unbestimmten. Daher gibt es zwei Unterwortarten:​\\ 
- 
-bestimmtes Geschlechtswort der definite Artikel definite Artikel\\ 
-lat. //​articulum//​ „gegliedertes”,​ //​definitum//​ „eingegrenztes“\\ 
-der Tisch, die Leute, den Häusern 
- 
-unbestimmtes Geschlechtswort der indefinite Artikel indefinite Artikel\\ 
-lat. //​articulum//​ „gegliedertes”,​ //​indefinitum//​ „uneingegrenztes“\\ 
-ein Tisch, einige Leute, einigen Häusern 
- 
-==== 2.1.4 Pronomen ==== 
- 
-Fürwort das Pronomen Pronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”\\ 
-Diese Wörter stehen für ein Nomen (also für ein Substantiv oder Adjektiv) : Der Bauer..., er.... Das blaue Auto, mein Auto 
- 
-Fürwörter gibt es in vielen Unterarten, die zudem danach eingeteilt werden, ob die Pronomina ein Substantiv oder ob sie ein Adjektiv vertreten. Wir finden hier 
- 
-persönliches Fürwort das Personalpronomen Personalpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​personale//​ „persönliches“\\ 
-ich, du, er, sie, es, wir, ihr, mir, mich, dir, dich ... 
- 
-besitzanzeigendes Fürwort das Possessivpronomen Possessivpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​possessivum//​ „besitzbezogen“ (zu //​possessio//​ „Besitz“)\\ 
-mein, dein, sein, ihr, meines, meinem, unserer ... 
- 
-hinweisendes Fürwort das Demonstrativpronomen Demonstrativpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ demonstrativum „hinweisendes“ (zu //​demonstrare//​ „vorzeigen“)\\ 
-dieser, jene, derselbe, diejenigen ... 
- 
-bezügliches Fürwort das Relativpronomen Relativpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​relativum//​ „beziehungsbezogenes“ (zu //relatio// „Rückführung auf, Bezug“)\\ 
-(der Bauer), __der__ ... __Wer__ das liest, ist ... __Welche__ Entscheidung richtig ist, das ... 
- 
-fragendes Fürwort das Interrogativpronomen Interrogativpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​interrogativum//​ „fragebezogenes“ (zu //​interrogatio//​ „Befragung“)\\ 
-__wer__? __was__? __welche__ Dinge? Das sind im Deutschen die gleichen Wörter wie die Relativpronomina! (Aber am Satzende steht „?“) 
- 
-unbestimmtes Fürwort das Indefinitpronomen Indefinitpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​indefinitum//​ „uneingegrenztes“\\ 
-jemand, einer, etwas, ein gewisser, jeder, irgendwer, niemand, nichts, keiner ... 
- 
-wechselbezügliches Fürwort das Korrelativpronomen Korrelativpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​correlativum//​ „wechselbeziehungsbezogenes“ (zu //​correlatio//​ „gegenseitiger Bezug“)\\ 
-Im Deutschen nicht vorhanden (wohl aber in vielen anderen Sprachen); gemeint sind Pronomina mit der Bedeutung „so - wie“, „so ein - wie“, „so viele - wie“ 
- 
-rückbezügliches Fürwort das Reflexivpronomen Reflexivpronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​reflexivum//​ „zurückgebeugt“\\ 
-er selbst, sich, ihrer selbst... 
- 
-verallgemeinerndes Fürwort das generalisierende Pronomen generalisierende Pronomina\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​generalis//​ „allgemein“ 
-Im Deutschen nicht vorhanden (wohl aber in vielen anderen Sprachen) und mit Standardfloskeln umschrieben:​\\ 
-wer auch immer; alle, die; welche auch immer ...  
- 
-„fürwörtliches Eigenschaftswort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Pronominaladjektiv Pronominaladjektive\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //​adjectivum//​ „herangeworfenes,​ beigefügtes”\\ 
-Eigenschaftswort auf der Grenze zum unbestimmten Fürwort: der eine, der andere, ein anderer, ein ganzer, mancher ...\\ Die Abgrenzung zum Indefinitpronomen ist etwas willkürlich. 
- 
-==== 2.1.5 Numerale ==== 
- 
-Zahlwort das Numerale Numeralia\\ 
-lat. //​numerale//​ „zur Zahl gehörig” (zu //numerus// „Zahl, Nummer”)\\ 
-Zahlwörter sind eine Wortart, die nach der Wortbedeutung gebildet wurde, nicht nach dem grammatischen Bezug.\\ Abgesehen davon, dass die Wörter Zahlen, Anzahlen und Nummern bezeichnen, wären sie ansonsten nämlich zwanglos Substantive („Dutzend“),​ Pronomina („ein“),​ Adjektive („drei Dinge“), Adverbien („viertens“). Sie werden mehr aus Verlegenheit als letzte Wortart zu den Nomina gezählt, weil einige Vertreter beugbar sind.\\ 
- 
-Auch Numeralia kennen viele Unterarten: 
- 
-Grundzahl die Kardinalzahl,​ das Cardinale Kardinalzahlen,​ Cardinalia\\ ​ 
-lat. //​cardinale//​ „vorzüglich,​ Haupt-“ zu //cardo// „Scharnier,​ Türangel” Ja, kaum verständlich. Die Schutzgottheit des Familienwesens war die Cardea: Wer die Tür schützt, schützt vor üblem Eindringen. Und „Tür“ wurde langsam ein übertragener Begriff für „Besitz/​Familie“ und „Hauptsache“.\\ 
-eins, zwei, drei ... 
- 
-Ordnungszahl die Ordinalzahl,​ das Ordinale Ordinalzahlen,​ Ordinalia\\ 
-lat. //​ordinale//​ „zur Ordnung gehörig, Ordnungs-”\\ 
-erster, zweiter, dritter ... 
- 
-Einteilungszahl die Distributivzahl,​ das Distributivum Distributivzahlen,​ Distributiva\\ 
-lat. //​distributivum//​ „verteilendes”,​ zu //​distribuere//​ „verteilen“\\ 
-einzeln, paarweise, je drei ... 
- 
-Vervielfältigungszahl das Multiplicandum Multiplicanda\\ 
-lat. //​multiplicandum//​ „zu vervielfältigendes” zu //​multiplicare//​ „vervielfältigen“\\ 
-einfach, doppelt, dreifach ... 
- 
-Umstandszahl (selten gebrauchter Begriff!) das Numeraladverb Numeraladverbien,​ Numeraladverbia\\ 
-lat. //​numerale//​ „zur Zahl gehörig”,​ //ad verbum// „zum Wort“ (d.h. „zum Zeitwort gehörig“;​ siehe ↑ Adverb)\\ 
-Gibt es kardinal: einmal, zweimal, dreimal ... und ordinal: erstens, zweitens, drittens ... Spätestens diese Zahlwörter sind nicht beugbar und daher an sich keine Nomina - aber mitgefangen,​ mitgehangen (siehe ↑ Numerale) 
- 
-Bruchzahl das Fraktionale Fraktionalia\\ 
-lat. //​fractionale//​ „zum Bruch gehörig”,​ zu //fractio// „Bruch“ 
-Hälfte, Drittel, Viertel ... 
- 
-unbestimmtes Zahlwort das Indefinitnumerale Indefinitnumeralia\\ 
-lat. //​numerale//​ „zur Zahl gehörig”,​ //​indefinitum//​ „uneingegrenztes“\\ 
-Praktisch jede der Unterarten des Numerales kann indefinit auftreten, aber die häufigsten Beispiele dürften aus der Reihe: „zuerst, dann, danach, schließlich,​ zuletzt“ der indefiniten Ordinaladverbien stammen (siehe ↑ Numeraladverb). Andere wie „manch“,​ „kein“, „(irgend)ein“ werden meist den ↑ Indefinitpronomina oder ↑ Pronominaladjektiven zugeordnet. 
- 
-===== 2.2 zweite Wortartgruppe:​ konjugierbare Wörter ===== 
- 
-Tätigkeitswort,​ Zeitwort das Verb, Verbum Verben,​ Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”\\ 
-Die Verben bilden die einzige Wortart in der zweiten Wortartgruppe,​ die der nach Personen und Zeiten beugbaren Wörter. Sie einfach Verba (also „Wörter“) zu nennen - als ob es nicht noch andere Wörter gäbe - hängt damit zusammen, dass die Nomina Dinge bezeichnen und dort Ding und Bezeichnung nicht immer scharf getrennt werden; Tätigkeiten sind aber „undinglich,​ ungreifbar“ und das über-sie-Reden ist vom Durchführen deutlich getrennt.\\ 
-In der modernen Grammatik wird die Wortart danach unterteilt, wie viele Elemente (meist mit Nomina gebildet) zum Bilden eines sinnvollen Satzes dem Verb hinzugefügt werden müssen. Es gibt danach: 
- 
-zweiwertiges Zeitwort das bivalente Verb, Verbum bivalente Verben, Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”, //bis valere// „zweimal wert sein“\\ 
-Verben mit zwei erforderlichen Ergänzungen. Beispiel „ist“ mit __Tom__ ist __Bauer__ oder „fertigt“ mit __Der Schmied__ fertigt __einen Pflug__. 
- 
-dreiwertiges Zeitwort das trivalente Verb, Verbum trivalente Verben, Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”, //tris valere// „drei wert sein“\\ 
-Verben mit drei erforderlichen Ergänzungen. Beispiel „gibt“ mit __Er__ gibt __ihm__ __den Ball__. 
- 
-einwertiges Zeitwort das univalente Verb, Verbum univalente Verben, Verba\\ 
-lat. verbum „Wort”, uni valere „ein wert sein“\\ 
-Verben mit einer erforderlichen Ergänzung. Beispiel „läuft“ mit __Er__ läuft. 
- 
-Es gibt gelegentlich auch noch: 
- 
-keinwertiges Zeitwort das nilvalente Verb, Verbum nilvalente Verben, Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”, //nil valere// „nichts wert sein“\\ 
-Verben ohne erforderliche Ergänzung. Beispiel „regnet“ mit Es regnet. Die offensichtliche Ergänzung „es“, die ein einwertiges Verb vortäuscht,​ ist ein ↑ Dummy.\\ 
- 
-Die klassische Grammatik betrachtet die Arten der Ergänzungen näher. Eine der Ergänzungen pflegt ja immer der Satzgegenstand,​ das (handelnde) Subjekt zu sein (selbst wenn dies ein Dummy-es ist). Dazu tritt dann eventuell Weiteres: 
- 
-„objektregierendes Zeitwort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das transitive Verb, Verbum transitive Verben, Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”, //​transire//​ „hinübergehen“ 
-Transitive Verben haben eine Ergänzung im vierten Fall (Akkusativ) auf die Frage „wen oder was?“ Beispiel: „werfen“ ist transitiv: Du wirfst __den Ball__. 
- 
-„doppelt objektregierendes Zeitwort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das ditransitive Verb, Verbum ditransitive Verben, Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”, di- „zwei-“ //​transire//​ „hinübergehen“\\ 
-Ditransitive Verben haben zwei Ergänzungen im vierten Fall (Akkusativ) auf die Frage „wen was?“ (oder „wen wen?“ usw.) Beispiel: „nennen“ ist ditransitiv:​ Du nennst __ihn__ __einen Lügner__ 
- 
-„nicht objektregierendes Zeitwort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das intransitive Verb, Verbum intransitive Verben, Verba\\ 
-lat. //verbum// „Wort”, in- „un-“, //​transire//​ „hinübergehen“\\ 
-Intransitive Verben haben keine Ergänzung im vierten Fall (Akkusativ) auf die Frage „wen oder was?“ Beispiel: „laufen“,​ „helfen“ sind intransitiv;​ du läufst , er hilft ihm (nicht Akkusativ!) 
- 
-Hilfszeitwort das Auxilliarverb Auxilliarverben,​ Auxilliarverba\\ 
-lat. //​auxilium//​ „Hilfe“,​ //verbum// „Wort” 
-Verben mit einer Ergänzung im ersten Fall (Nominativ) oder mit einer ↑ infiniten Verbform als Ergänzung. Beispiel: „ist“, „wird“, „pflegt“,​ „hat“ in „Peter ist ein Bauer“, „Anja wird Ärztin“, „er pflegt zu spielen“, „sie hat gearbeitet“ 
- 
-===== 2.3 dritte Wortartgruppe:​ nicht beugbare Wörter ===== 
- 
-„unveränderliches Wort“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Partikel Partikel\\ 
-lat. //​particulum//​ „Teilchen”\\ 
-„Partikel“ ist die Bezeichnung der Wortartgruppe,​ zu der die gleich aufgezählten Wortarten mit (meist) unveränderbaren Wörtern gehören 
- 
-==== 2.3.1 Adverb ==== 
- 
-Umstandswort das Adverb Adverbien,​ Adverbia}\\ 
-lat. //ad verbum// “zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)\\ 
-Adverbien beschreiben die Umstände einer Handlung. Sie kommen vor als „eigentliche“ Adverbien wie „jetzt“,​ „oben“, „nie“, als besondere Form oder Ableitung der ↑ Adjektive („sie spielt schön“ mit „schön“ als Adverb zu „spielt“,​ abgeleitet vom Adjektiv „der/​die/​das schöne“),​ als ↑ Numeraladverbien und als ... 
- 
-fürwörtliches Umstandswort das Pronominaladverb Pronominaladverbien,​ Pronominaladverbia\\ 
-lat. //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //ad verbum// „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig) 
- 
-Pronominaladverbien gibt es in fast so vielen Unterarten wie ↑ Pronomina: 
- 
-bezügliches fürwörtliches Umstandswort das Relativpronominaladverb Relativpronominaladverbien,​ Relativpronominaladverbia\\ 
-lat. //​relativum//​ „beziehungsbezogenes“ (zu //relatio// „Rückführung auf, Bezug“), //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //ad verbum// „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)\\ 
-__wo__ ich bin, __wohin__ ich gehe, __wie__ ich lebe, __wann__ ich komme ... 
- 
-fragendes fürwörtliches Umstandswort das Interrogativpronominaladverb Interrogativpronominaladverbien,​ Interrogativpronominaladverbia\\ 
-lat. //​interrogativum//​ „fragebezogenes“ (zu //​interrogatio//​ „Befragung“),​ //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //ad verbum// „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)\\ 
-__wo__ bin ich? __wohin__ gehe ich? __wie__ lebe ich? __wann__ komme ich? Wie bei den ↑ Relativ- und ↑ Interrogativpronomen:​ gleicher Wörterbestand mit und ohne „?“ 
- 
-hinweisendes fürwörtliches Umstandswort das Demonstrativpronominaladverb Demonstrativpronominaladverbien,​ Demonstrativpronominaladverbia\\ 
-lat. //​demonstrativum//​ „hinweisendes“ (zu //​demonstrare//​ „vorzeigen“),​ //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //ad verbum// „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)\\ 
-hier, dorthin, daher, daselbst ... 
- 
-unbestimmtes fürwörtliches Umstandswort das Indefinitpronominaladverb Indefinitpronominaladverbien,​ Indefinitpronominaladverbia\\ 
-lat. //​indefinitum//​ „uneingegrenztes“,​ //pro nomine// „statt eines Namens/​Nomens”,​ //ad verbum// „zum Wort” (d.h. zum Zeitwort gehörig)\\ 
-irgendwo, überall, anderswohin ... 
- 
-==== 2.3.2 Präposition ==== 
- 
-Verhältniswort die Präposition Präpositionen\\ 
-lat. //​präpositio//​ “Davorstellung“ zu //​präponere//​ “davorstellen”\\ 
-an, auf, hinter, in, mittels, bei, seit, um ... 
- 
-Bindewort die Konjunktion Konjunktionen\\ 
-lat. //​coniunctio//​ “Verbindung“ zu //​coniungere//​ “verbinden”\\ 
-und, oder, dass, als, auch ... 
- 
-Ausrufewort die Interjektion Interjektionen\\ 
-lat. //​interiectio//​ “Dazwischenwurf“ zu //​intericere//​ “dazwischenwerfen”\\ 
-au! he! Himmikreuzsackerment! ... 
- 
-====== 3 weitere Fachbegriffe ====== 
- 
-Formalwort das Dummy Dummies\\ 
-englisch //dummy// “Attrappe”\\ 
-Wort ohne Bedeutung, das aus rein grammatischen Erfordernissen benötigt wird. Beispiel: „Es“ in unpersönlichen Ausdrücken wie "​__es__ regnet"​ oder bei vorgezogener Satzaussage:​ „Dass das so ist, ist gut“ wird mit Dummy zu "​__Es__ ist gut, dass das so ist". 
- 
-„Doppelzwei“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Dwandwa Dwandwas\\ 
-sanskrit //dwandwa// “zweierzwei”\\ 
-Darstellung eines Begriffes durch zwei Wörter, deren jedes einzeln nicht für die Beschreibung ausreichen würde, aber ohne Koppelung mit „und“ oder dergleichen. Beispiel: Schleswig-Holstein. Siehe ↑ Hendiadyoin,​ ↑ Tautologie 
- 
-„Einsdurchzwei“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) das Hendiadyoin Henesdiadyoin\\ 
-gr. //hen dia dyoin// “eins durch zwei”\\ 
-Darstellung eines Begriffes durch zwei nebeneinandergestellte Wörter. Beispiel: „Besitz“ als __Haus und Hof__. Entweder wird das Hendiadyoin als Oberbegriff der Verdoppelungen aufgefasst – dann sind z.B. ↑ Dwandwa, ↑ Tautologie Unterbegriffe - oder das Hendiadyoin meint den (dt. sehr seltenen) Spezialfall,​ bei dem die zwei nebeneinanderstehenden Begriffe sonst nicht gleichberechtigt wären – Beispiel: „vom Silberteller essen“ („Silber“ ist Befügung zu „Teller“) im Hendiadyoin als „von Silber und Teller essen“ (Beiordnung) 
- 
-„Sinnverdoppelung“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) die Tautologie Tautologien\\ 
-gr. //tauto legein// “dasselbe sagen”\\ 
-Darstellung eines Begriffes durch zwei nebeneinandergestellte gekoppelte Wörter, die einzeln bereits den Begriff beschreiben. Beispiel: __Art und Weise__. Siehe ↑ Pleonasmus, ↑ Dwandwa, ↑ Hendiadyoin\\ 
- 
-„überflüssige Beifügung“ (d.h. es gibt keinen üblichen dt. Begriff) der Pleonasmus Pleonasmen\\ 
-gr. //​pleonazein//​ “überflüssig sein”\\ 
-Darstellung eines Begriffes durch zwei Wörter, deren eines die Beifügung zum anderen ist, aber keine neue Bedeutung einbringt. Beispiel: __weißer Schimmel__. Siehe ↑ Tautologie\\ 
  
fachvokabular.txt · Zuletzt geändert: 2015/08/15 19:10 (Externe Bearbeitung)