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genitiv

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genitiv [2010/03/10 17:52]
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genitiv [2015/08/15 19:11] (aktuell)
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 künftig ist bei substantiven der 3.deklination immer das genetiv singular angegeben, der mitgelernt werden muss;durch abstreichen der endung -is erhält man den worttstamm. der genitiv plural endet meist auf -um, künftig ist bei substantiven der 3.deklination immer das genetiv singular angegeben, der mitgelernt werden muss;durch abstreichen der endung -is erhält man den worttstamm. der genitiv plural endet meist auf -um,
  ​selten auf -ium;der gen. pl. -ium wird im wotschatz angegeben.  ​selten auf -ium;der gen. pl. -ium wird im wotschatz angegeben.
 +
 +
 +====== Die Bildung des lateinischen Genetivs ======
 +
 +Die ursprüngliche Endung des Genetiv Singular war -os  (abgelautet -es, -is, -s) und -i (wobei -ai > -æ). 
 +
 +Anmerkung: Der lateinische æ-Laut, der heute meistens "​ä"​ gesprochen wird, ist tatsächlich sehr nahe am ai. Grundsätzlich entspricht lateinisches æ griechischem ai und umgekehrt und Wortketten wie
 +Cæsar - Kaisar - Kaiser
 +zeigen dies.
 +
 +Die ursprüngliche Endung des Genetiv Plural war -om. Weil o vor folgendem s,m,nt zu u abgeschwächt wird (z.B. griechisches -os,-on zu lateinischem -us,-um), wurde daraus -um.\\
 +Insbesondere bei Pronomina lautete der Genetiv Plural regelmäßig auf -som. Daraus wurde entsprechend -sum und mit Rhotazismus - rum.
 +
 +Anmerkung: //​Rhotazismus//​ ("​r-Sachverhalt"​) ist die Tendenz, ein s zwischen zwei Vokalen zu r werden zu lassen. Sie tritt in praktisch allen indogermanischen Sprachen auf (vergleiche deutsch Fro__s__t > frie__r__en (niederdeutsch frei__s__en),​ Verlu__s__t > verlie__r__en (niederdeutsch verlei__s__en),​ erkie__s__en - erkü__r__en usw.)\\
 +Im Lateinischen trat Rhotazismus etwa im zweiten vorchristlichen Jahrhundert verstärkt ein. Ein gewisser Beamter aus der Familie Papisius zu dieser Zeit war angeblich der erste, der sich "​Papirius"​ schrieb. Im "​klassischen"​ Schullatein des ersten vorchristlichen Jahrhunderts ist der Rhotazismus voll durchgeführt.
 +
 +Danach werden die Genetive im klassischen Latein folgendermaßen gebildet:
 +
 +1. Deklination (a-Deklination)\\
 +**cura** (Sorge) > **curæ** ​ , **curarum** (also mit -i/​-som-Genetiv)
 +
 +In zwei formelhaften Wendungen hat sich der -os-Genetiv erhalten:\\
 +**pater familias** Familienvater,​ Hausvater, **patres familias** Familienväter\\
 +**mater familias** Hausfrau, Hausmutter, **matres familias** Hausfrauen\\
 +**familia** (Familie) bildet sonst die regelmäßigen Genetive **familiæ**,​ **familiarum**.
 +
 +2. Deklination (o-Deklination)\\
 +**dominus** (Herr) > **domini, dominorum** (also mit -i/​-som-Genetiv)\\
 +**templum** (Tempel) > **templi, templorum**\\
 +**puer** (Knabe) > **pueri, puerorum**\\
 +**ager** (Acker) > **agri, agrorum**  ​
 +
 +Münzen, Maßeinheiten und Amtsbezeichnungen dieser Deklination haben aber den
 +-om-Genetiv im Plural, er tritt auch bei einigen Wendungen im "​Amtslatein"​ auf:\\
 +**nummus** (Münze) > **nummum**\\
 +**sestertius** (Sesterz) > **sestertium**\\
 +**modius** (Scheffel) > **modium**\\
 +**talentum** ("​Talent"​ - eine griechische Gewichts- und Geldeinheit) > **talentium**\\
 +**triumvir** (der "​Dreimann",​ der Mann aus dem Dreierkollegium) > **triumvirum**,​ aber\\
 +**vir** (Mann) > regelmäßig **virorum**\\
 +- genauso bei den Mitgliedern anderer durch die Zahl bezeichneten Kollegien wie\\
 +**duumvir** > **duumvirum**\\
 +**decemvir** > **decemvirum**\\
 +**faber** (Handwerker) bildet regelmäßig **fabri, fabrorum**, aber:\\
 +**præfectus fabrum** der Zeugmeister,​ der Pionieroffizier\\
 +**deus** (Gott) bildet regelmäßig **dei, deorum**, aber:
 +**Iuppiter, pater deum hominumque** ​ Iuppiter, der Vater der Götter und Menschen\\
 +**liberi** (Kinder; nur Mehrzahl) bildet regelmäßig **liberorum**,​ in Urkunden usw. auch **liberum**
 +
 +4. Deklination (u-Deklination)\\
 +**currus** (Wagen) > **currūs, curruum** (also -os/​-om-Genetiv)\\
 +**cornu** (Horn) > **cornūs, cornuum**
 +
 +5. Deklination (e-Deklination)\\
 +**res** (Sache) > **rei, rerum** (also -i/​-som-Genetiv)\\
 +**dies** (Tag) > **diei, dierum**\\
 +Diese beiden Wörter (und **meridies**,​ Mittag) sind allerdings die einzigen der 5. Deklination,​ die überhaupt einen Genetiv Plural bilden!  ​
 +
 +Bleibt die 3. Deklination,​ die in vokalische (oder i-) Deklination,​ konsonantische Deklination und gemischte Deklination unterteilt wird und überreich an unerwarteten und seltsamen Formen ist. Bei diesen Vokabeln ist der Nominativ Singular meist verkürzt und der Genetiv grundsätzlich nicht aus dem Nominativ zu erkennen, so dass für jede einzelne Vokabel Nominativ und Genetiv gelernt werden.\\
 +(Oder wer kommt ohne weiteres darauf, wie der Genetiv zu **suppelex** (Hausrat, Küchengerät) lautet? Steht unten...)\\ ​
 +
 +Jedenfalls handelt es sich um -os/​-om-Genetive:​\\
 +**mare** (Meer) > **maris, marium** (vokalische Klasse)\\
 +**turris** (Turm) > **turris, turrium** (vokalische Klasse)\\
 +**ovis** (Schaf) > **ovis, ovium** (Mischklasse)\\
 +**consul** (Konsul) > **consulis, consulum** (konsonantische Klasse)\\
 +**miles** (Soldat) > **militis, militum** (konsonantische Klasse) \\
 +
 +Unregelmäßig sind z.B.\\
 +**Iuppiter** (Iuppiter) **Iovis**\\  ​
 +**bos** (Rind) **bovis, boum**\\
 +**vas** (Gefäß) **vasis, vasorum**
 +
 +Weitere Ausnahmen sind die aus dem Griechischen stammenden Nomina, die - besonders bei poetischer Sprache - griechische Endungen beibehalten wie **Circe, Circes** (neben regelmäßig **Circæ**),​ **Pallas, Pallados** (neben regelmäßig **Palladis**) oder **poema** (Gedicht), **poematis** und dem Gen. Pl. **poematum oder poematorum**.
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 +Und dann gibt es noch aus dem Hebräischen mit griechischen Rndungen **Iesus**, Gen. **Iesu**.
 +
 +- suppelectilis -
genitiv.txt · Zuletzt geändert: 2015/08/15 19:11 (Externe Bearbeitung)