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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Wirkung des Krieges auf die Kultur (93 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.02.2024 um 00:18 Uhr (Zitieren)
Die Aussagen beziehen sich auf Athen im Peloponnesischen Krieg 431 bis 404 v.u.Z. sowie auf Großbritannien im Ersten Weltkrieg.
[...] Für die unter uns, die sich an den totalen Zusammenbruch unseres Kulturlebens im Ersten Weltkrieg erinnern – an die ängstliche Nervosität, mit der die Behörden alles stillegten (außer dem Geschäftsleben, das weitergehen sollte „wie immer“), an die Besessenheit der Menge, die es für unpatriotisch erklärte, Musik von Beethoven oder Wagner zu hören, an den Unfug der Zensur, die Entwürdigung des Theaters – für die ist es beschämend zu sehen, wie sich Athen in seinem Krieg verhielt.

In einer Lage, in der nicht weniger auf dem Spiel und der Feind noch näher stand, ja, sein Lager mitten in Attika aufgepflanzt hatte, als im Verhältnis nicht weniger Bürger gefallen und Familien ihres Hauptes beraubt waren, da hörten die Athener nicht auf, ihre Feste zu feiern – nicht aus Vergnügungssucht, sondern weil sie ein Teil ihres Lebens waren, für das sie fochten.

In den dramatischen Werken, die für sie geschrieben und in ihrem Namen aufgeführt wurden, hörte Sophokles nicht auf, über die letzten Probleme des Menschseins nachzudenken – ohne auch nur ein Wort über den Krieg zu verlieren -, hörte Euripides nicht auf, die Hohlheit des militärischen Sieges und die Häßlichkeit der Rache zu zeigen, und – dies ist das Erstaunlichste vom allem – hörte Aristophanes nicht auf, in seinen aus Witz und Phantasie, schallender Unanständigkeit und hochintellektueller Parodie, Buffonerie und lyrischer Schönheit gemischten Komödien, die Volksführer, die Generale und das allmächtige Volk selbst zu verspotten, seinen Abscheu vor dem Krieg und die herrlichen Freuden des Friedens zu zeigen.

Und diese ganze Zeit war Sokrates in Athen, diskutierte, argumentierte, kritisierte, außer als er bei Potidäa heldenmütig als gemeiner Soldat kämpfte[,] und versuchte, jeden, der ihm zuzuhören bereit war, davon zu überzeugen, daß das höchste Gut das ist, was der Seele nützt, und daß unerbittliche Dialektik das einzige Mittel ist, es zu erreichen.
[...]

(H. D. F. Kitto: Die Griechen. Berlin/Darmstadt/Wien 1967, S. 192)
 
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