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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Isidor über die Musik (180 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.05.2024 um 13:08 Uhr (Zitieren)
Isidor von Sevilla, Etymologiae III 15-17:
15. Von der Musik und ihrem Namen. Die Musik ist die Kenntnis des Taktes, die in Ton und Gesang besteht [Musica est peritia modulationis sono cantuque consistens]. Und benannt ist die Musik durch Herleitung nach den Musen. Die Musen aber sind benannt nach μῶσθαι [ἀπὸ τοῦ μάσαι], das heißt suchen, weil durch die Musen, wie die Alten sagen, die Kraft der Lieder und der Takt der Stimme gesucht wurden [quod per eas, sicut antiqui voluerunt, vis carminum et vocis modulatio quaereretur].

Weil der Ton der Musik eine fühlbare Sache ist, entschwindet er auch mit der vorübergehenden Zeit und wird nur durch die Erinnerung [memoria] eingeprägt. Daher haben die Dichter ersonnen, dass die Musen Töchter von Jupiter und [der Göttin] Memoria seien. Wenn die Töne nämlich nicht von einem Menschen in Erinnerung gehalten werden, vergehen sie, weil sie nicht aufgeschrieben werden können. (1)

16. Von ihren Erfindern. Moses sagt, der Erfinder der Musik sei Tubal gewesen (2), der aus dem Geschlechte Kains stammte und vor der Sintflut lebte. Die Griechen aber sagen, Pythagoras habe die Anfangsgründe dieser Kunst aus dem Klang der Hämmer und der Ausbreitung [des Tons] der geschlagenen Saite [corda] erfunden. Andere berichten, der Thebaner Linus (3), Zetus (4) und Amphion (5) hätten sich in der Kunst der Musik zuerst hervorgetan.

Nach diesen wurde diese Wissenschaft allmählich in eine Ordnung gebracht und auf vielfältige Weise vermehrt, und es galt als so schändlich, die Musik nicht zu kennen, wie [andere] Wissenschaften [nicht zu kennen]. Eingeführt wurde sie aber nicht nur bei den heiligen, sondern bei allen feierlichen und allen fröhlichen und traurigen Anlässen.

Wie nämlich bei der göttlichen Verehrung Hymnen, so wurden bei den Hochzeiten Hochzeitslieder [Hymenaei], bei den Beisetzungen Trauerlieder und Klagen zur Flöte [tibia] gesungen. Bei Gelagen aber wurde die Lyra oder die Kithara herumgereicht, und von den einzelnen zu Tisch Liegenden wurde der Tafelgesang als Liedgattung [conviviale genus] eingeführt.

17. Was die Musik vermag. Daher kann ohne Musik keine Wissenschaft vollkommen sein, nichts gibt es nämlich ohne sie. Denn man sagt auch, dass die ganze Welt in einer gewissen Harmonie der Töne komponiert ist und der Himmel selbst sich unter dem Takt der Harmonie dreht. Die Musik bewegt die Gefühle und bringt die Sinne in verschiedene Zustände [Musica movet affectus, provocat in diversum habitum sensus].

In Schlachten entzündet das Ertönen der Trompete [tuba] die Kämpfenden, und je eindringlicher der Klang ist, desto mutiger wird das Herz zum Kampf. Wenn aber der Gesang [cantus] auch die Ruderer antreibt, so erweicht die Musik das Herz [animus] zum Ertragen von Mühen, und der Takt der Stimme hebt die Ermüdung durch die einzelnen Arbeiten auf.

Erregte Gemüter aber beruhigt die Musik, wie man bei David liest, der Saul einem unreinen Geist durch die Kunst des Taktes entrissen hat. (6) Ja selbst wilde Tiere, sogar Schlangen, Vögel und Delphine veranlasst die Musik zum Anhören ihres Taktes. Aber auch was wir reden bzw. wie wir innerlich vom Pulsschlag [venarum pulsus] bewegt werden, kann, so glaubt man, durch die musikalischen Rhythmen der Harmonie mit den Tugenden verbunden werden.

(Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla. Hrsg. v. Lenelotte Möller. Wiesbaden 2008, S. 133 f.)

(1) Notenschriften, welche alle Komponenten eines Liedes, also auch Länge eines Tons bzw. betonte Stellen, wiedergeben, wurden erst später entwickelt.
(2) Jubal; Genesis 4, 21
(3) Sohn des Apollon und der Urania
(4) Sohn des Zeus und der Antiope
(5) Zwillingsbruder des Zethos
(6) 1 Samuel 16, 23

 
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