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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine dramatische Ehe #1 (199 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.04.2025 um 00:06 Uhr (Zitieren)
Die sogenannte Laudatio Turiae:
Hierbei handelt es sich um eine wohl im Jahre 9 v.u.Z. entstandene Grabinschrift, die ein Mann seiner verstorbenen Ehefrau nach einer sehr dramatisch, aber glücklich verlaufenen Ehe gesetzt hat. Große Teile davon sind erhalten, und es handelt sich um die längste bekannte Grabinschrift aus der Antike.
Weder der Name des Mannes noch der der Frau sind bekannt; die frühere Vermutung, es handele sich um eine bei Appian (b.c. IV 44) und Valerius Maximus (VI 7, 2) erwähnte Frau namens Turia (mit einem ähnlichen Schicksal), hat zu dem heutigen Titel geführt.
[...]
Verwaist warst du plötzlich vor dem Tag deiner Hochzeit, da deine Eltern in einer verlassenen Einöde gleichzeitig ermordet wurden. Dank dir vor allem – denn ich war in die Provinz Makedonien gegangen, der Mann deiner Schwester, Gaius Cluvius, in die Provinz Africa – blieb der Tod deiner Eltern nicht ungesühnt.

Mit solcher Tatkraft erfülltest du, als du beharrlich Sühne fordertest und einklagtest, deine Kindespflicht, daß wir, wenn wir dagewesen wären, nicht mehr hätten tun können. Doch teilst du dieses Verdienst mit einer schlechthin untadeligen Frau, deiner Schwester.

Während du dies betriebst, bist du von deinem Elternhaus seines Schutzes wegen nicht gewichen; nachdem aber die Täter hingerichtet waren, begabst du dich augenblicklich in das Haus meiner Mutter, wo du auf meine Ankunft wartetest.

Geprüft wurdet ihr hierauf in der Weise, daß man behauptete, das Testament, durch das wir die Erben waren, sei außer Kraft, da der Erblasser mit seiner Frau eine Kaufehe geschlossen habe [coemptione facta cum uxore]. Somit seist du unausweichlich mit dem gesamten Vermögen deines Vaters unter die Vormundschaft derer gefallen, die die Sache betrieben. Deine Schwester werde überhaupt keinen Anteil an diesem Vermögen erhalten, da sie in die Munt eines Cluviers überwechselt sei. Mit welcher Einstellung du dies aufnahmst, mit welcher Geistesgegenwart du dich widersetztest, weiß ich zuverlässig, wenngleich ich abwesend war.

Mit der Wahrheit hast du unsere gemeinsame Sache geschützt. Das Testament, entgegnetest du, sei nicht außer Kraft gesetzt, daß eher wir beide die Erbschaft bekommen sollten, als daß du das ganze Vermögen allein besäßest. Dies freilich mit dem festen Willen, die Verfügungen deines Vaters gegebenenfalls so zu verteidigen: Wenn du nicht durchgedrungen wärest, hättest du erklärt, du wolltest mit deiner Schwester teilen und nicht unter die Regelung für die gesetzliche Vormundschaft geraten, worauf von Gesetzes wegen dir gegenüber kein Recht bestehe – deiner Familie hätte nämlich keinerlei Abkunft nachgewiesen werden können, die dich dies zu tun hinderte; denn selbst wenn das Testament deines Vaters außer Kraft gesetzt wäre, so stehe doch denen, die darauf pochten, dieses Recht nicht zu, weil sie nicht der-selben Abkunft seien.

Sie beugten sich deiner Standfestigkeit und verfolgten die Sache nicht weiter: Mit diesem Ergebnis hast du die Anwaltschaft des Pflichtgefühls gegenüber dem Vater, der Zuneigung gegenüber der Schwester, der Treue gegenüber mir übernommen und allein durchgefochten.

[I 3-26]

(Die sogenannte Laudatio Turiae. Hrsg. v. Dieter Flach. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar. Darmstadt 1991, S. 64-72)
Re: Eine dramatische Ehe #1
Patroklos schrieb am 28.04.2025 um 11:29 Uhr (Zitieren)
Der Witwer kann nur ein Anwalt gewesen sein. Die Grabinschrift ist eine kuriose Verteidigungs- bzw Rechtfertigungsrede post mortem.
Ein Pendant der „Turia“ ist leider nicht überliefert.Deren Darstellung wäre womöglich kürzer. (Schwarze Witwe?)
Re: Eine dramatische Ehe #1
Patroklos schrieb am 28.04.2025 um 11:48 Uhr (Zitieren)
WP erläutert die Kaufehe folgendermaßen:
Die Eheschließung erfolgte so, dass sie das Gewaltverhältnis des Vaters verließ und in das des zukünftigen Ehemannes wechselte (conventio in manum). Im Libralakt legt der zukünftige Ehemann einen symbolischen „Kaufpreis“ auf die Waage, der pater familias der Braut tritt sodann seine Gewaltherrschaft (manus) an den Bräutigam ab. Diese sogenannte „Kaufehe“ war vermutlich in der frührömischen Zeit tatsächlich als Kauf vollzogen worden.
Re: Eine dramatische Ehe #1
Γραικύλος schrieb am 28.04.2025 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Danke für die Erläuterung.
Die weiteren Teile der Laudatio sind dann weniger juristisch.
 
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