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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine dramatische Ehe #4 (240 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.04.2025 um 23:21 Uhr (Zitieren)
Nachdem die Welt befriedet, das Gemeinwesen wiederhergestellt war [Pacato orbe terrarum, res[titu]a re publica], waren uns ruhige und glückliche Zeiten vergönnt. Unser Wunsch waren Kinder, die uns das Geschick schon ziemlich lange vorenthalten hatte. Wenn das Schicksal, dem üblichen Gang folgend, gestattet hätte, daß sich unser Wunsch erfüllte, was hätte uns beiden dann noch gefehlt? – Es nahm einen anderen Verlauf, begann unserer Hoffnung ein Ende zu setzen. Was du deswegen unternahmst und welche Wege du zu beschreiten versuchtest, will ich auslassen – so auffallend und bemerkenswert es bei manchen Frauen vielleicht sein mag, bei dir war es, verglichen mit deinen übrigen Leistungen, nicht im geringsten erstaunlich.

Als du an deiner Fruchtbarkeit zweifeltest und dich über mein kinderloses Dasein grämtest, sprachst du, um mir zu ersparen, daß ich, wenn ich dich als Ehefrau behielte, die Hoffnung auf Kinder aufgäbe und darüber unglücklich wäre, von Scheidung: Das Haus würdest du räumen, um es einer anderen, fruchtbaren Frau zu überlassen. Dies in keiner anderen Absicht, als daß du mir im Geiste unserer bekannten Eintracht selbst eine standesgemäße und passende Verbindung suchtest und verschafftest sowie erklärtest, die künftigen Kinder würden gehalten, als gehörten sie uns gemeinsam und stammten sie von dir. Auch würdest du unser Erbe, das bisher gemeinsames Vermögen gewesen war, nicht teilen, sondern es in meiner Verfügung und, wenn ich wollte, in deiner Verwaltung belassen. Nichts würdest du haben, was dir vorbehalten und mir entzogen wäre, nur würdest du mir fortan die Dienste und Zuneigung einer Schwester oder Schwiegermutter erweisen.

Ich muß gestehen, ich geriet so sehr in Wallung, daß ich den Verstand verlor, war über dein Vorhaben so entsetzt, daß ich mich kaum wieder faßte. Uns mit dem Gedanken an Trennung zu tragen, bevor uns das Schicksal sein Gesetz aufzwänge – wie konnte dir etwas in den Sinn kommen, wodurch du zu meinen Lebzeiten aufhören würdest, meine Gattin zu sein, wäh-rend du mir, als ich schon fast aus dem Leben verbannt war, unverbrüchlich treu geblieben warst!

Wie hätte mir der Wunsch oder die Notwendigkeit, Kinder zu haben, so viel bedeuten sollen, daß ich deswegen die Treue verworfen, Sicheres mit Ungewissem getauscht hätte! Doch wozu weitere Worte? Du gabst mir nach, bist bei mir geblieben. Ich hätte dir nämlich nicht nachgeben können ohne Schande für mich und gemeinsames Leid.

Was aber ist rühmlicher für dich, als mir zuliebe den Plan gefaßt zu haben, daß ich, wenn ich schon nicht von dir Kinder haben könne, sie wenigstens dank dir hätte und du mir aus Sorge, du werdest keine gebären, eine fruchtbare Ehe mit einer anderen verschafftest?

Hätte nur unsere Ehe, soweit es unser beider Alter gestattete, so lange fortdauern können, bis ich als der Ältere – dies wäre gerechter gewesen - zu Grabe getragen worden wäre und du mir den letzten Dienst erwiesen hättest! Ich nämlich käme, überlebtest du mich, aus dem kinderlosen Dasein heraus, hattest du mir doch die fehlende Tochter ersetzt.

Vor mir ereilt hat dich das Schicksal. Übertragen hast du mir die Trauer aus Sehnsucht nach dir und mir keine Kinder hinterlassen, die mich Unglücklichen umsorgen könnten. Ausrichten will auch ich meine Gedanken auf deine Entscheidungen.

All deine wohlerwogenen Vorschriften sollen hinter den Preisungen zu deinem Lob zurücktreten, daß ich darin Trost finde, um nicht zu sehr zu vermissen, was der Unvergänglichkeit zum Gedenken überantwortet ist.

[II 25 – 57]

(Die sogenannte Laudatio Turiae. Hrsg. v. Dieter Flach. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar. Darmstadt 1991, S. 64-72)
Re: Eine dramatische Ehe #4
Patroklos schrieb am 01.05.2025 um 19:27 Uhr (Zitieren)
All diese längliche, verwickelte, konjunktivische Darlegung lässt mich folgendes vermuten:
Hier wird keine vergangene Wirklichkeit wiedergegeben. Das ist alles pure Fiktionalität. Jeder einzelne Satz erscheint mir unehrlich. Die Passage zur Kinderlosigkeit ist unerträglich falsch. Man möge mich widerlegen.
Re: Eine dramatische Ehe #4
Patroklos schrieb am 01.05.2025 um 20:06 Uhr (Zitieren)
Wer sollte wohl der Adressat dieser Ausführlichkeiten gewesen sein? Doch die Verblichene und die Passanten. Kurios.
Re: Eine dramatische Ehe #4
βροχή schrieb am 01.05.2025 um 21:24 Uhr (Zitieren)
Patro, warum findest du die Erzählung zur Kinderlosigkeit unehrlich? Meinst du es lag an ihm, was er durch Untreue herausgefunden hatte?
Re: Eine dramatische Ehe #4
Patroklos schrieb am 02.05.2025 um 11:24 Uhr (Zitieren)
Und wenn die Grabinschrift gegenteilig zu lesen wäre? Zumindest teilweise?
Ein Rachetext im Gewand der Lobrede?
Der Fruchtbarkeitsabschnitt könnte auch bedeuten, sie ließ ihm freien Lauf.
Wer diesen Endlostext las, mag breit gegrinst haben.
Re: Eine dramatische Ehe #4
βροχή schrieb am 02.05.2025 um 12:26 Uhr (Zitieren)
viell. ein vergiftetes Lob. Alles unangenehme im nachhinein einseitig auszubreiten, wirkt auf den Leser auch unamgenehm.
Re: Eine dramatische Ehe #4
Patroklos schrieb am 02.05.2025 um 18:39 Uhr (Zitieren)
Folgender Entlarvungssatz gibt mir zutiefst zu denken.
daß ich, wenn ich schon nicht von dir Kinder haben könne, sie wenigstens dank dir hätte und du mir aus Sorge, du werdest keine gebären, eine fruchtbare Ehe mit einer anderen verschafftest?
Re: Eine dramatische Ehe #4
Patroklos schrieb am 02.05.2025 um 20:02 Uhr (Zitieren)
Ich bitte um Mithilfe beim Beleg des“subtextes“.
Es geht womöglich um
1.die Richtungsstellung eines bekannten Erbschaftsprozesses
2. um eine politische Reinwaschung
3. um eine großzügige Lizenz zum Fremdgehen ex eventu.
Formal dürfte es sich um eine Rechtfertigung per expansionem handeln.
Re: Eine dramatische Ehe #4
βροχή schrieb am 02.05.2025 um 21:13 Uhr (Zitieren)
Keine Kinder zu bekommen, war damals für eine Frau ein Makel. Darauf sogar nach dem Tod noch rum zu hacken, ist kein Lob. Das sehe ich auch so.
Warum er das machte, ist schwer nach zu vollziehen. Viell. sogar etwas ganz anderes als 1-3?
Re: Eine dramatische Ehe #4
Patroklos schrieb am 02.05.2025 um 21:33 Uhr (Zitieren)
Können wir Argumente ins Feld führen,dass die gesamte Grabinschrift unehrlich und fälschlich ist? Ich glaube, man kann. Der Witwer wollte es so sehen und überliefern.
Re: Eine dramatische Ehe #4
βροχή schrieb am 03.05.2025 um 07:19 Uhr (Zitieren)
Das kann man. Aber ist es fair? Die können sich beide nicht wehren gegen unsere Interpretationen.
Hoffentlich, werden sie nicht sauer sein.
In diesem Sinne, Turia und Witwer bitte nehmt es nicht krumm. Wir kannten euch gar nicht, wie schön wäre es, wenn ein paar Zeilen vgon dir, Turia selbst gefunden werden und eine Facette hinzufügen könnten.


Hätte nur unsere Ehe, soweit es unser beider Alter gestattete, so lange fortdauern können, bis ich als der Ältere – dies wäre gerechter gewesen - zu Grabe getragen worden wäre und du mir den letzten Dienst erwiesen hättest!


Wer den Partner liebt, will ihn nicht allein zurück lassen. Der Wunsch als erster zu gehen, ist nur zu verständlich, aber auch ein bisschen egoistisch.
Akuter Grabesschmerz erzeugt den Wunsch, dem Partner zu folgen.

 
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