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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Metaphysik #1: Die Behauptung (319 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.12.2025 um 17:42 Uhr (Zitieren)
In Platons Dialog "Hippias Maior" argumentiert Sokrates (287c-289d) so, daß, wenn wir verschiedene Dinge (Kanne, Mädchen, Pferd usw.) schön nennen, all diesen Dingen etwas gemeinsam sein müsse; und dieses sei die Idee der Schönheit.

Ähnlich steht es, wir wir in anderen Dialogen erfahren, etwa mit den Menschen: Alles, was wir Mensch nennen, so verschieden es auch sonst sei, muß etwas gemeinsam haben: die Idee des Menschen.

Die Grundlage der Ideenlehre und damit der abendländischen Metaphysik (denn die Idee sei ein Eines über Vielem, sei zeitlos, nur denk-, aber nicht wahrnehmbar usw.) besteht daher in einer Annahme über das Funktionieren von Sprache: Wir identifizieren und benennen etwas auf eine bestimmte Weise, also muß es ...
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Aurora schrieb am 04.12.2025 um 06:12 Uhr (Zitieren)
Schon hier beginnt das Problem:
Jeder hält etwas anderes für schön.
Es gibt keine objektive Schönheit.

Heidegger hat Platon Seinsvergessenheit vorgeworfen.

Bei Idee muss ich an Vision denken und
Helmut Schmidt:
„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Ich las mal irgendwo, Platon habe bipolare Tendenzen.
KI sagt dazu:
Tatsächlich variiert Platons Stil erheblich - von den lebhaften, dramatischen frühen Dialogen bis zu den abstrakteren späten Werken. Aber das lässt sich eher durch philosophische Entwicklung und unterschiedliche Themen erklären.
Die literarische Form des Dialogs macht es schwer, Platons persönliche Psyche zu erfassen - er spricht durch Masken. Philosophische Positionen (wie der Gegensatz zwischen Ideal und Wirklichkeit) mit Stimmungsschwankungen zu verwechseln, wäre eine Kategorienverwechslung.

vgl.
Gesichert bipolar:
Virginia Woolf
Ernest Hemingway
Hans Fallada
Sylvia Plath
Anne Sexton

Wahrscheinlich bipolar:
Edgar Allan Poe
Friedrich Nietzsche
Lord Byron
Lev Tolstoi
Jack Kerouac

Umstritten / gelegentlich diskutiert, aber nicht belegt:
Else Lasker-Schüler (starke Stimmungsschwankungen, aber keine Diagnose)
Georg Büchner (vereinzelt spekuliert, nicht belegt)
Georg Trakl (schwere Depression + Drogenproblematik, keine Bipolar-Diagnose)
Friedrich Hölderlin (wahrscheinlich schizophrene Erkrankung, nicht bipolar)

Auch der berühmte Mathematiker Georg Cantor
war bipolar, wie mir gerade spontan einfällt.
Fachhistoriker diskutieren verschiedene
Deutungen:

Bipolare Störung (manisch-depressiv) → möglich, wegen Wechsel von Hoch- und Tiefphasen.
Schizoaffektive Störung oder Schizophrenie → ebenfalls häufig in der Forschung genannt.
Erschöpfungskrisen + körperliche Erkrankungen → alternative Erklärung.


Sorry für die Abschweifung.Sie ergab sich so für mich.

Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Patroklos schrieb am 04.12.2025 um 08:50 Uhr (Zitieren)
Etwas länglich, doch hübscher als „bipolar“ finde ich nach wie vor:
Himmelhoch jauchzend zu tode betrübt.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Info schrieb am 04.12.2025 um 09:44 Uhr (Zitieren)
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 04.12.2025 um 11:14 Uhr (Zitieren)
Dinge (Kanne, Mädchen, Pferd usw.) schön nennen, all diesen Dingen etwas gemeinsam sein müsse; und dieses sei die Idee der Schönheit.


Die Entstehung der Idee könnte man Abstraktion nennen. Vom konkreten zum abstrakten, welches als Idee sich vom Gegenstand scheinbar? löst.


Was ist Schönheit? Etwas, das den Sinnen (Auge, Ohr... ) angenehm ist. Objektive Schönheit gibt es nicht, Übereinstimmungen im Schönheitsempfinden kann man trotzdem beobachten.




Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Info schrieb am 04.12.2025 um 11:32 Uhr (Zitieren)
Was im Gehirn passiert, wenn wir Schönheit erleben

1. Aktivierung des Belohnungssystems (Dopamin)
Schöne Reize aktivieren Regionen wie Nucleus accumbens, ventrales Striatum und den orbitofrontalen Cortex. Dort wird Dopamin ausgeschüttet – das erzeugt Freude und Motivation.

2. Bewertung im medialen Orbitofrontalen Cortex (mOFC)
Der mOFC bewertet den subjektiven „Wert“ eines ästhetischen Erlebnisses. Er ist bei visueller Kunst, Musik, Gesichtern oder mathematischen Ideen gleichermaßen aktiv.

3. Aktivierung des Default-Mode-Netzwerks (DMN)
Bei tiefer empfundenen ästhetischen Momenten wird das DMN aktiv. Das erzeugt Gefühle von Bedeutung, Selbstbezug und „innerer Ergriffenheit“.

4. Einbindung von Emotion und Gedächtnis
Amygdala und Hippocampus verstärken emotionale Färbung und erinnern uns an frühere Erfahrungen. Deshalb kann Schönheit besonders berühren.

5. Mustererkennung und Vorhersage
Visuelle, auditive und präfrontale Bereiche erkennen harmonische Muster, Symmetrien oder angenehme Überraschungen. Das Gehirn bevorzugt Muster, die komplex, aber nicht chaotisch sind.


Was im Gehirn passiert, wenn wir an Sex denken

1. Aktivierung des Belohnungs- und Motivationssystems
Sexuelle Gedanken aktivieren ähnliche Strukturen wie Schönheitserleben, aber stärker motivationsbezogen:

Nucleus accumbens

Ventraler Bereich des Striatums

Ventraler tegmentaler Bereich (Dopaminquelle)
Dopamin steigt → erhöhtes Verlangen, Fokus, Neugier.

2. Präfrontaler Cortex (Planung / Bewertung)
Der präfrontale Cortex bewertet Bedeutung, Konsequenzen und soziale Normen.
Er entscheidet, ob ein Gedanke zugelassen, verstärkt oder unterdrückt wird.

3. Hypothalamus (körperliche Reaktion)
Der Hypothalamus steuert hormonelle und vegetative Reaktionen:

Ausschüttung von Oxytocin und Testosteron

Herzfrequenz, Erregung, körperliche Vorbereitung
Er ist die Schnittstelle zwischen „Gedanke“ und „Körper“.

4. Limbisches System (Emotion + Erinnerung)

Amygdala: emotionale Intensität

Hippocampus: Speicherung und Abruf erotischer Erinnerungen
Sexuelle Gedanken sind oft emotional stark und leicht abrufbar.

5. Default-Mode-Netzwerk (Fantasie, Szenenaufbau)
Aktiv, wenn wir Tagträumen oder innere Szenen erschaffen.
Erzeugt mentale Bilder, Fantasien und soziale Kontexte.

6. Spiegelneuronen & soziale Zentren
Spiegelneuronen helfen beim Einfühlen und Vorstellen sozialer Interaktion.
Sexuelle Gedanken sind nicht nur körperlich, sondern oft sozial-emotional.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Patroklos schrieb am 04.12.2025 um 11:55 Uhr (Zitieren)
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 04.12.2025 um 13:12 Uhr (Zitieren)
Jeder hält etwas anderes für schön.
Es gibt keine objektive Schönheit.

Wie wäre es mit?:
Jeder hält etwas anderes für wahr.
Es gibt keine objektive Wahrheit.

Platon könnte dem entgegenhalten: Es gibt beides schon, es gibt allerdings auch den schlechten Geschmack bzw. den Irrtum.
Für ein objektives Schönheitskriterium argumentiert er.

Die Entstehung der Idee könnte man Abstraktion nennen. Vom konkreten zum abstrakten

Wer von den einzelnen, verschiedenen Menschen abstrahieren will, muß aber doch schon wissen, was ein Mensch ist, damit er nicht in seinen Abstraktionsvorgang die Schimpansen mit einbezieht, wohl aber die körperlich Mißgestalteten. Er muß wissen, was und bei wem er abstrahiert und was nicht. D.h.: er muß die Idee bereits kennen. Der Abstrahierende hat schon einen bestimmten Typus vorab im Kopf.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 04.12.2025 um 13:14 Uhr (Zitieren)
Noch zu Aurora:

Aus der Tatsache, daß viele vieles glauben, folgt eben nicht,daß sie alle Ansichten gleichrangig sind.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 04.12.2025 um 13:28 Uhr (Zitieren)
Man muß nicht Platons Konzept der präexistenten Ideen folgen, aber jede Theorie, die etwas taugt, muß erklären können, wie wir etwas als etwas Bestimmtes identifizieren, erkennen können.
Das Abstraktionsmodell setzt genau diesen Vorgang schon voraus.

Woran erkennt man z.B. ein Buch?
Und jetzt ziehst Du nicht die Lampe oder den Tisch in Betracht, sondern nur ganz bestimmte Objekte. Du weißt also schon etwas.

Die nächstmögliche Antwort ist die, daß Deine Eltern es Dir beigebracht haben.
Vermutlich ist auch diese Erklärung unzulänglich.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 04.12.2025 um 16:39 Uhr (Zitieren)
Woran erkennt man z.B. ein Buch?


Die nächstmögliche Antwort ist die, daß Deine Eltern es Dir beigebracht haben.
Vermutlich ist auch diese Erklärung unzulänglich.



Abstraktion beginnt mit einem konkreten Gegenstand. Die Bezeichnung für diesen bekommt man von anderen gesagt, oder man hat diesen Gegenstand selbst erfunden bzw. entdeckt, dann erfindet man praktischer weise auch gleich ein Wort für ihn. Weitere ähnliche Gegenstände kommen hinzu, das Wort wird auf diese angewandt. Wird das Wort nun gesagt, ohne dass die Gegenstände anwesend sind, wird die Erinnerung an die vorigen Begegnungen mit den Gegenständen geweckt. Von da aus kann dann auf noch nicht existierend ähnliche Gegenstände extrapoliert werden, man schreibt ein Buch.



Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 04.12.2025 um 17:56 Uhr (Zitieren)
Weitere ähnliche Gegenstände kommen hinzu, das Wort wird auf diese angewandt.

Der ursprünglich gezeigte und (z.B. von den Eltern) benannte Fall informiert nicht darüber, was im Wesentlichen (!) ähnlich ist (Unterschiede können ignoriert werden) und was im Wesentlichen (!) unähnlich ist.

So ist ein schwer mißgestalteter Mensch ein Mensch, ein dem Menschen doch recht ähnlich aussehender Schimpanse hingegen kein Mensch.
Woher soll das Kind das wissen, welche Unterschiede wesentlich und welche unwesentlich sind?

Nehmen wir einmal an, daß es sich bei allen Beispielfällen für "Mensch", die Deine Mutter Dir gezeigt hat, zufällig um Frauen handelte (oder um Brillenträger).
Und nun taucht vor Deinen Augen erstmals ein Mann auf (oder jemand ohne Brille). Da gibt es also Unterschiede zu den dem Kind bekannten Beispielen, und es muß diese jetzt auf einen neuen Fall übertragen. Wie soll es da vorgehen? Woher sollte es wissen, was für Mensch wesentlich ist?

Platons Anwort darauf wäre klar; dennoch ist sie falsch - und dennoch besteht das Problem!
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 04.12.2025 um 17:56 Uhr (Zitieren)
Platon hat ein echtes Problem erkannt, das m.E. rein empirisch (durch Erfahrung) nicht zu lösen ist.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 04.12.2025 um 22:12 Uhr (Zitieren)
Da gibt es also Unterschiede zu den dem Kind bekannten Beispielen, und es muß diese jetzt auf einen neuen Fall übertragen. Wie soll es da vorgehen? Woher sollte es wissen, was für Mensch wesentlich ist?


Wenn ein bisher unbekannter "Gegenstand" mit Abweichungen zum bis dahin bekannten hinzu kommt, braucht es weiteren input, ob diese Abweichungen als wesentlich erachtet werden.
Das sieht man zb. daran, dass es Gruppen gibt, die Abweichungen für wesentlich erachten, zb. Schwarze nicht als Menschen einstufen, und andere Gruppen, für die die Abweichungen unwesentlich sind.

Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 04.12.2025 um 23:05 Uhr (Zitieren)
Das stimmt. Ohne weiteres können Kinder das nicht wissen, weil sie eben keine "Idee Mensch" im Kopf haben.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 04.12.2025 um 23:45 Uhr (Zitieren)
Jede "Idee" entsteht in jedem Kopf neu. Das wird immer dann spannend, wenn sich herausstellt, dass die Ideen in den Köpfen bisschen unterschiedlich sind, auch wenn sie gleich benannt werden.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 06.12.2025 um 07:35 Uhr (Zitieren)
Wenn ich ihn richtig verstehe meint Platon, dass die Idee als etwas immaterielles existiert undabhängig von den Gegenständen da, die ihrerseits von der Idee abhängig sind.
Wie erklärt Platon denn, dass es von gleichen Gegenständen unterschiedliche Meinungen zu deren Idee gibt?
Erfassen manche die Idee nicht richtig? Woran macht er fest, wer die Idee richtig erfasst und wer nicht?

Es scheint ein Henne Ei Prohblem zu sein?



Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 06.12.2025 um 10:43 Uhr (Zitieren)
Wie erklärt Platon denn, dass es von gleichen Gegenständen unterschiedliche Meinungen zu deren Idee gibt?
Erfassen manche die Idee nicht richtig? Woran macht er fest, wer die Idee richtig erfasst und wer nicht?

Die erste Frage kann ich beantworten: mit Irrtum.
Die zweite mit ja.
Die dritte ist schwierig.

Ein interessantes Beispiel ist die Frage, ob Sklaven Menschen sind. Aristoteles neigt dazu, dies zu verneinen. Falls Platon ebenfalls dazu geneigt haben sollte: Er selbst ist auf Sizilien zeitweilig verklavt gewesen und mußte freigekauft werden.

Andererseits: Woran machen wir denn fest, ob ein Mensch einen Begriff richtig erfaßt/verwendet?

Das Problem gibt es auch bei uns - nur daß wir an Konventionen denken, Platon an präexistente Ideen.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 06.12.2025 um 11:43 Uhr (Zitieren)
Woran machen wir denn fest, ob ein Mensch einen Begriff richtig erfaßt/verwendet?


Damals wie heute, wer den Diskurs dominiert, klopft die Definitionen und Bewertungen der Begriffe fest.
Wer nicht einverstanden ist hat 2 Möglichkeiten, er kann Begriffe okupieren (Bsp. "schwul" bekommt eine neutrale Bewertung) oder er erfindet neue Begriffe Bsp. Schwarzer statt Neger.

Das was Platon Idee nennt, unterliegt der Willkür.

Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Andreas schrieb am 06.12.2025 um 11:59 Uhr (Zitieren)
Platon an präexistente Ideen.

Auch der Logos war präexistent und "im Anfang bei Gott" und war selber Gott.



Die Fleischwerdung des Logos: Studien zum Verhältnis des Johannesprologs zum Corpus des Evangeliums und zu 1 Joh (Neutestamentliche Abhandlungen: Neue Folge) Gebundene Ausgabe
von Michael Theobald (Autor)

https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Theobald

In Weisheitsliteratur und insbesondere in Texten wie dem Buch der Sprüche (z. B. Kapitel 8) wird Sophia als mit-göttlich gedacht: „Sie“ war „beim Anfang“ der Schöpfung da, also schon vor der Erschaffung der Welt, und nahm am Schöpfungswerk teil. Damit wird sie als göttliche, personifizierte Wirklichkeit dargestellt — quasi als Vermittlerin zwischen Gott und Welt.

In der früh-christlichen und hellenistisch geprägten Theologie wurde diese Vorstellung weiterentwickelt: Es entstanden Interpretationen, in denen Sophia (göttliche Weisheit) und Logos (göttliches Wort / Vernunft) miteinander verknüpft wurden, weil beide Konzepte ähnlich vermitteln zwischen Gott und Welt.


Jemand hat Logos an dieser Stelle mit Sinn übersetzt.
Der Name ist mir entfallen.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 06.12.2025 um 12:35 Uhr (Zitieren)
Damals wie heute, wer den Diskurs dominiert, klopft die Definitionen und Bewertungen der Begriffe fest.

Man könnte freilich sagen, daß jemand, der Sklaven und Frauen das Menschsein abspricht, sich irrt, und dabei den genetischen Code als Argument anführen.
Wie verhält sich die in diesem genetischen Code enthaltene Information zu Platons Idee?
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 06.12.2025 um 13:32 Uhr (Zitieren)
Er definiert Mensch als federlos, männlich und Nichteigentum. Mit dem genetischen code hat das nichts zu tun. Er versteht unter dem Bergriff Mensch eine andere Teilmenge der 2-beiner als wir.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 06.12.2025 um 13:42 Uhr (Zitieren)
Wir haben seinen Begriff okkupiert, indem wir Frauen und Sklaven einschließen. Das hat praktische Gründe. Es ist bequemer "Menschen" zu sagen als "Menschen und Frauen und Sklaven", wenn man diese Teilmenge der 2-beiner meint.






Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 06.12.2025 um 13:56 Uhr (Zitieren)
Kann es sein, daß Deine Aussage über Platons Definition des Menschen auf die folgende, scherzhaft gemeinte Anekdote des Diogenes Laertios zurückgeht?
Als Platon die Definition aufstellte, der Mensch sei ein federloses zweifüßiges Tier, und damit Beifall fand, rupfte er [sc. Diogenes von Sinope] einem Hahn die Federn aus und brachte ihn in dessen Schule mit den Worten: „Das ist Platons Mensch“; infolgedessen ward der Zusatz gemacht: „mit platten Nägeln“.

Man müßte Platons Definition des Menschen aus seinem Werk nachweisen.

Es versteht sich, daß Platon nichts vom genetischen Code wußte. Ich versuche, ihm mit dem modernen Begriff der Information unter die Arme zu greifen. Diese Information, so scheint mir, hat in etwa die gleiche Funktion, die bei Platon die Idee hatte. Könnte man daraus einen modernen Platonismus machen?
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 06.12.2025 um 14:28 Uhr (Zitieren)
Nein. Die Idee der platonischen Idee ist Geschichte.
Charmant wie eine Mumie, warum soll man sie wiederbeleben?

Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 06.12.2025 um 14:42 Uhr (Zitieren)
Es gibt noch eine weitere quasi-platonische Konzeption aus dem 20. Jhdt.: Gottlob Freges "Gedanke".
Nehmen wir die folgenden, auf P. bezogenen Sätze:

1. P. sitzt auf dem Stuhl.
2. P. hat auf dem Stuhl gesessen.
3. P. wird auf dem Stuhl sitzen.
4. P., setz dich auf den Stuhl!
5. Sitzt P. auf dem Stuhl?

Frege meint, daß allen fünf Sätzen etwas gemeinsam ist: das Sitzen von P. auf dem Stuhl. Dies nennt er einen Gedanken. Dieser Gedanke ist zeitlich invariant, d.h. überzeitlich (1-3) und von einer empirischen Tatsache unabhängig (4-5 sind keine Aussagesätze).

Ferner gibt es in der Mathematik Platoniker, denn die Objekte der Mathematik haben den Charakter überzeitlicher, von empirischen Tatsachen unabhängiger "Ideen".

Eindeutig falsch ist bei Platon lediglich deren Ableitung aus dem Sprachgebrauch; das hat Wittgenstein widerlegt.

Noch Karl Popper hat eine Drei-Welten-Theorie vertreten:
1. die objektive physikalische Realität
2. die subjektive psychische Realität
3. die objektive geistige Realität.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 06.12.2025 um 14:47 Uhr (Zitieren)
Die Mathematik ist natürlich ein gutes, interessantes Beispiel. Der Satz des Pythagoras war auch schon vor seiner Entedckung wahr, ja sogar schon, bevor es überhaupt Menschen oder sonstetwas in der physikalischen Natur gab. Er galt und gilt immer.
Oder?
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 06.12.2025 um 14:48 Uhr (Zitieren)
Deshalb stand, so heißt es, über Platons Akademie in Athen der Satz: "Hier hat kein Nicht-Mathematiker Zutritt!"
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Udo schrieb am 06.12.2025 um 15:05 Uhr (Zitieren)
3. die objektive geistige Realität.

Was ist damit gemeint?
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 06.12.2025 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Auch die Mathematik ist irgendwann mit Gegenständen gestartet. Diese wurden gezählt.
Die Zahlen sind als Anstraktion von Gegenständen entstanden. Ebenso gegenständlich startete die Geometrie. Dass die Abstraktionen der Mathematik unveränderlich sind, liegt daran, dass die Definitionen und Bedingungen nicht verändert werden.


Bei Poppers Nr.3 mache ich mal ein Fragezeichen dran. Abstrakt gedachtes als objektiv zu setzen, hmm. Die abstrakte Welt ist ein weites Feld, da gedeiht auch manch seltsames Kraut.



Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Patroklos schrieb am 06.12.2025 um 17:06 Uhr (Zitieren)
Samuel Johnson

To count is a modern practice, the ancient method was to guess.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 09.12.2025 um 09:27 Uhr (Zitieren)

Die "platonische Idee" hat auch Ockham beackert:

Das Universalienproblem, die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug von Universalien (Allgemeinbegriffen), wurde im Mittelalter seit dem späten 11. Jahrhundert kontrovers diskutiert. Die einander entgegengesetzten Auffassungen waren der Begriffsrealismus (auch als Universalienrealismus oder kurz Realismus bezeichnet) und der Nominalismus. Realisten meinen, dass die Allgemeinbegriffe etwas bezeichnen, was auch extramental (außerhalb des menschlichen Geistes) real existiert, nämlich in den Einzeldingen (Aristotelismus) oder zusätzlich auch unabhängig von diesen in einer Ideenwelt (Platonismus). Nominalisten hingegen halten die Allgemeinbegriffe für bloße Zeichen, die zwar innerhalb des menschlichen Verstandes vorkommen, weil dieser sie für seine Tätigkeit benötigt, darüber hinaus aber keinen Bezug zu irgendeiner Wirklichkeit haben. Sowohl bei den Realisten als auch bei ihren Gegnern gab es verschiedene Abstufungen der Radikalität bzw. Mäßigung, mit der sie ihre Positionen vertraten. Ockham vertrat einen „gemäßigten“ Nominalismus, der mitunter zur Abgrenzung vom „radikalen“ Nominalismus des Johannes Roscelin als Konzeptualismus bezeichnet wird. Zur Vermeidung von Verwechslungen mit neuzeitlichem Konzeptualismus spricht man auch von „zeichentheoretischem Nominalismus“. Der radikale ältere Nominalismus Roscelins – dessen Radikalität allerdings nur aus gegnerischen Darstellungen bekannt ist – erklärt die Allgemeinbegriffe für bloße „Namen“ (nomina), also vom Verstand erschaffene Fiktionen, denen nirgends irgendeine Realität zukommt außer derjenigen, dass sie ein „Stimmhauch“ (flatus vocis) sind. Ockhams gemäßigter Nominalismus oder Konzeptualismus bestreitet zwar ebenfalls die Existenz von Universalien in den äußeren Wahrnehmungsobjekten, betrachtet die Allgemeinbegriffe aber insoweit als existent, als sie Konzepte sind, die innerhalb des menschlichen Geistes tatsächlich vorhanden sind. Demnach hat das Allgemeine eine subjektive, rein mentale Realität im Denken und nur dort. Den Realisten wirft Ockham vor, aus sprachlichen Gegebenheiten Realitäten zu machen und den fundamentalen Unterschied zwischen Existenz und Prädikation zu verwischen; über Einzelnes sage man, dass es existiere oder nicht existiere, über Allgemeines hingegen, dass es ausgesagt (prädiziert) werde oder nicht ausgesagt werde.
Quelle: Wikipedia


Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Info schrieb am 09.12.2025 um 11:57 Uhr (Zitieren)
Idee ist schon ein abstrakter Begriff.
Was soll man sich unter einer ganzen Welt von Idee vorstellen?
Wo befindet sich diese?
Woher stammt sie? Wie entstand sie?
Warum funktioniert der Verstand so, wie er es tut?
Welche Hirnorganik steckt dahinter?
Wie kam es zu sprachlichen Abstraktionen?
Wie von der sinnlichen Wahrnehmung zu Begriffen?
Fragen über Fragen?

Meine KI dazu:
Idee als abstrakter Begriff
Eine Idee ist kein Ding, sondern ein mentales Konstrukt: ein allgemeines Muster, das aus vielen Einzelwahrnehmungen gebildet wird. Sie entsteht, wenn das Gehirn Merkmale aus Erfahrungen herauslöst und verallgemeinert.

Eine „Welt von Ideen“
Je nach Denkweise kann das bedeuten:
– Platonisch: Eine eigenständige, überzeitliche Sphäre der Formen.
– Modern-neurokognitiv: Die Gesamtheit aller abstrakten Muster im Gehirn.
– Konstruktivistisch: Ein Netzwerk von Bedeutungen, das zwischen Gehirnen, Sprache und Kultur entsteht.
Es gibt keine „Welt da draußen“ der Ideen – sondern ein Geflecht symbolischer Repräsentationen in uns und zwischen uns.

Wo befinden sich Ideen?
Physisch: in neuronalen Aktivitätsmustern und Verbindungen.
Symbolisch: in Sprache, Schrift, Medien.
Sozial: im kulturellen Gedächtnis.
Eine Idee lebt gleichzeitig im Gehirn, im Dialog und in kulturellen Formen.

Woher stammen Ideen?
Biologisch entstehen Ideen aus Kombinationen von Wahrnehmung, Gedächtnis und sprachlichen Strukturen.
Kulturell entstehen sie aus geteilter Sprache, Symbolen und sozialen Interaktionen.
Das Gehirn kombiniert ständig vorhandene Muster neu – so erzeugt es neue Ideen.

Warum funktioniert der Verstand so?
Weil er evolutionär eine Vorhersagemaschine ist. Er baut Modelle der Welt, um Verhalten zu steuern. Wahrnehmung ist nicht passiv – sie ist die Überprüfung innerer Hypothesen (predictive processing).
Ideen sind stabile Modelle, die helfen, die Welt zu verstehen und vorherzusagen.

Welche Hirnorganik steckt dahinter?
Präfrontaler Cortex: Abstraktion, Planung, Logik.
Temporallappen: Bedeutungen, Begriffe, semantisches Wissen.
Parietallappen: Struktur, Raum, Mengen.
Hippocampus: Integration neuer Erfahrungen, Gedächtnisbildung.
Default Mode Network: inneres Denken, Konzeptbildung.
Ideen sind dynamische Muster in vernetzten Bereichen, nicht an einem Ort gespeichert.

Wie entstanden sprachliche Abstraktionen?
Durch die folgenden Schritte:

Benennung einzelner Objekte.

Kategorisierung vieler ähnlicher Dinge.

Abstraktion unsichtbarer Eigenschaften (z. B. „gerecht“).

Grammatik, die Beziehungen zwischen abstrakten Inhalten ausdrückt.
Sprache verdichtet und organisiert Erfahrung – dadurch werden Abstraktionen möglich.

Wie gelangt man von Wahrnehmung zu Begriffen?

Sinneseindrücke liefern Rohdaten.

Wahrnehmungssysteme erkennen Muster.

Das Gehirn kategorisiert diese Muster.

Sprache gibt ihnen Namen.

Aus wiederholten Kategorien entstehen stabile Begriffe.
Begriffe sind komprimierte, abstrahierte Wahrnehmung.

Warum stellen wir solche Fragen?
Weil der Mensch über Metakognition verfügt – die Fähigkeit, über das eigene Denken nachzudenken. Sie entstand vermutlich durch soziale Intelligenz, Sprache und die Fähigkeit, Vergangenes und Zukünftiges innerlich zu simulieren.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Info schrieb am 09.12.2025 um 12:02 Uhr (Zitieren)
Eine andere KI dazu:
Gerne. Hier ist die Zusammenfassung der komplexen Themen in kopierbarer Textform.
💡 Der Begriff der Idee und die "Welt der Ideen"
Was soll man sich unter einer ganzen Welt von Idee vorstellen?

Platonische Interpretation: Ein Reich perfekter, unveränderlicher und ewiger Urbilder (Paradeigmata). Dies ist die wahre Realität; die materielle Welt ist nur ein unvollkommenes Abbild.

Moderne/Psychologische Interpretation: Die Gesamtheit menschlichen Wissens, der Konzepte, Überzeugungen und kreativen Möglichkeiten, gespeichert in den Köpfen und in der Kultur.

Wo befindet sich diese (Welt der Ideen)?

Platonisch: Im Jenseits der sinnlich wahrnehmbaren Welt, in einem übersinnlichen Raum.

Modern/Wissenschaftlich: Sie existiert nicht physikalisch. Ideen sind neuronale Muster im Gehirn und Informationen in der Kultur (Sprache, Bücher, Medien).

Woher stammt sie? Wie entstand sie?

Evolutionär: Aus der Notwendigkeit, Muster zu erkennen, Vorhersagen zu treffen und Probleme zu lösen, um das Überleben zu sichern.

Kulturell: Durch soziale Interaktion, die Weitergabe von Wissen und die Entwicklung der Sprache.

🧠 Verstand, Gehirn und Abstraktion
Warum funktioniert der Verstand so, wie er es tut?

Der Verstand funktioniert, um die Überlebensfähigkeit zu optimieren, indem er:

Komplexität reduziert: Sinnliche Daten werden auf handhabbare Kategorien (Konzepte) reduziert.

Die Realität modelliert: Er erstellt ein internes Modell zur Planung und Vorhersage.

Soziale Koordination ermöglicht: Er unterstützt die Kommunikation und Zusammenarbeit mittels gemeinsamer Abstraktionen.

Welche Hirnorganik steckt dahinter?

Die Abstraktionsfähigkeit resultiert aus Interaktionen in der Großhirnrinde:

Präfrontaler Kortex (PFC): Zuständig für Exekutivfunktionen, Planung und das Halten abstrakter Regeln.

Temporallappen: Wichtig für die Sprachverarbeitung und das semantische Gedächtnis (Fakten und Konzepte).

Hippocampus: Beteiligt an der Bildung von episodischen Erinnerungen, aus denen abstrakte Konzepte abgeleitet werden.

Neuronale Konnektivität: Die Plastizität der Netzwerke ermöglicht das Speichern komplexer, verteilter Repräsentationen.

Wie kam es zu sprachlichen Abstraktionen?

Sie entstanden aus Gründen der Effizienz und Koordination:

Generalisierung: Ein einzelnes Wort ("Hund") fasst unzählige Einzelbeispiele zusammen.

Soziale Notwendigkeit: Um komplexe soziale Regeln oder Kooperationen zu ermöglichen, mussten gemeinsame mentale Repräsentationen (Sprache) geschaffen werden.

Wie von der sinnlichen Wahrnehmung zu Begriffen?

Dieser Prozess der Konzeptbildung läuft typischerweise so ab:

Sinnliche Erfahrung: Empfang von Rohdaten (Farben, Gerüche, Töne).

Mustererkennung: Identifizierung wiederkehrender Merkmale.

Prototypenbildung: Generalisierung der Einzelbeispiele zu einem Schema oder Prototyp (z. B. "Tischheit").

Etikettierung (Sprache): Zuweisung eines sprachlichen Etiketts (des Begriffs) zum Schema.

Abstraktion: Operation mit dem Begriff ohne ständige Rückbesinnung auf das einzelne, sinnliche Objekt.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Γραικύλος schrieb am 09.12.2025 um 13:08 Uhr (Zitieren)
Es stimmt, die Diskussion findet sich im mittelalterlichen Universalienstreit wieder: Welchen Realitätscharakter haben Abstrakta wie "der Mensch"?

In der Mathematik stehe ich, wenn man sie als Abstraktion aus Erfahrungen versteht, wieder vor dem Problem, daß man auf diese Weise allenfalls die natürlichen Zahlen finden könnte, und selbst die ... Wer fünf Hammel zählt, muß schon wissen, was ein Hammel ist und daß er dabei nichts anderes als Hammel mitzählen darf.

Der Abstraktionsweg vom Hammelzählen bis zu den imaginären Zahlen ist dann noch staunenswert weit.

Ich stoße immer wieder darauf, daß, wer aus Erfahrung lernen will (was es selbstvertändlich gibt), dabei bereits eine Menge vorab wissen muß.
Und um dieses Vorab-Wissen geht es.
Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
βροχή schrieb am 09.12.2025 um 14:05 Uhr (Zitieren)
Und um dieses Vorab-Wissen geht es.


Was meinst du wo das "Vorab-Wissen" herkommt?


In der Mathematik stehe ich, wenn man sie als Abstraktion aus Erfahrungen versteht, wieder vor dem Problem, daß man auf diese Weise allenfalls die natürlichen Zahlen finden könnte


metaphorisch gesagt, die Ausgangserfahrung, die Hammel sind Wollknäule, die mathematischen Definitionen sind Stricknadeln, die mathematischen Regeln sind Strickmuster, daraus wird die Welt der Mathematik gedanklich gestrickt.



Re: Metaphysik #1: Die Behauptung
Udo schrieb am 09.12.2025 um 14:17 Uhr (Zitieren)
metaphorisch gesagt, die Ausgangserfahrung, die Hammel sind Wollknäule, die mathematischen Definitionen sind Stricknadeln, die mathematischen Regeln sind Strickmuster, daraus wird die Welt der Mathematik gedanklich gestrickt.

Schön gesagt, für mich sogar sehr schön.

 
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