Γραικύλος schrieb am 21.12.2025 um 14:52 Uhr (Zitieren)
Gelesen habe ich, daß es unter ultraorthodoxen und nationalistischen Juden eine Diskussion darüber gibt, ob die Amalekiter mit den Palästinensern gleichzusetzen seien.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
info schrieb am 21.12.2025 um 16:05 Uhr (Zitieren)
Exegese und Deutung: Der Kampf gegen Amalek (Exodus 17, 8–16)
1. Kontextuelle Einordnung
Die Erzählung findet in Refidim statt, während der Wüstenwanderung des Volkes Israel. Nach der wunderbaren Versorgung mit Wasser aus dem Felsen folgt nun die erste äußere Bedrohung durch die Amalekiter. Dieser Textabschnitt markiert den Übergang von der rein passiven Rettung (Gott handelt allein) hin zur Mitwirkung des Menschen.
2. Die zentralen Akteure und ihre Symbolik
Mose: Repräsentiert die geistliche Führung und die Verbindung zu Gott. Seine erhobenen Hände werden traditionell als Gebetshaltung und Zeichen der Fürbitte gedeutet.
Josua: Tritt hier zum ersten Mal namentlich auf. Er verkörpert den aktiven Gehorsam und den physischen Einsatz im „Tal“.
Aaron und Hur: Sie symbolisieren die stützende Gemeinschaft. Ohne sie sinken die Arme des Mose, und der Kampf geht verloren. Sie zeigen: Selbst der stärkste Glaube braucht menschliche Unterstützung.
3. Exegetische Schlüsselpunkte
Die Synergie (Zusammenwirken): Der Sieg ist weder eine rein militärische noch eine rein spirituelle Leistung. Es braucht das Gebet auf dem Berg (Mose) und den Kampf im Tal (Josua). Gott wirkt durch das Handeln der Menschen.
Die Müdigkeit des Mose: Der Text betont die menschliche Schwachheit (V. 12: „Aber die Hände Mose wurden schwer“). Das Amt und die Last des Gebets können erschöpfen. Die Lösung ist nicht die Selbstoptimierung des Mose, sondern die Hilfe von außen (der Stein zum Sitzen und die stützenden Freunde).
Das Gedächtnis (V. 14): Gott befiehlt, das Ereignis in ein Buch zu schreiben. Die Schriftwerdung dient als „Erinnerungshilfe“ für künftige Generationen: Hoffnung speist sich aus der Erinnerung an vergangene Hilfe.
4. Theologische Deutung und Aktualisierung
Gebet als Kampf: Das Halten des Stabes ist keine passive Meditation, sondern anstrengende Arbeit. Gebet wird hier als ein Faktor verstanden, der den Lauf der Geschichte beeinflusst.
Jahwe-Nissi („Der Herr ist mein Feldzeichen“): Der Altarbau am Ende zeigt, dass die Ehre nicht dem Heerführer Josua oder dem Beter Mose zuteilwird, sondern Gott allein. Er ist der Punkt, um den sich das Volk sammelt.
Kirchliche Deutung: In der christlichen Tradition wurde die Haltung des Mose (mit ausgebreiteten Armen auf dem Berg) oft als Vorbild auf den gekreuzigten Christus gedeutet, der durch seine am Holz ausgestreckten Arme den endgültigen Sieg über das Böse errungen hat.
5. Zusammenfassender Impuls
Der Text lehrt, dass Hoffnung eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Wenn der Einzelne zu schwach wird, um „die Hände oben zu halten“ (zu hoffen, zu beten, zu glauben), ist die Gemeinschaft gerufen, ihn zu stützen, bis die Sonne untergeht und der Sieg errungen ist.
Soll ich dir zu einem bestimmten Vers (z.B. dem Fluch über Amalek in V. 16) noch eine tiefergehende historische Erklärung liefern?
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
info schrieb am 21.12.2025 um 16:07 Uhr (Zitieren)
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 22.12.2025 um 14:34 Uhr (Zitieren)
Soll man so tun, als wären die Juden nicht bedroht?
Ganz offiziell hat die herrschende Organisation der Palästinenser folgedes in ihrer Charta
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 15:38 Uhr (Zitieren)
Nein, man sollte nicht so tun, als ob Juden nicht bedroht würden. Selbstverständlich werden sie das.
Vor allem sollte man nicht von den Juden und [/i]den[/i] Palästinensern sprechen.
Aber daß in diesem Konflikt überhaupt mit heiligen Schriften argumentiert wird, wo es um einen Machtkampf geht, erscheint mir bedenklich.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 22.12.2025 um 15:43 Uhr (Zitieren)
Was meinst du, wer ist in der Überzahl, palästinenserfreundliche Juden oder judenfreundliche Palästinenser?
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 16:02 Uhr (Zitieren)
Keine Ahnung.
Ich denke an Juden und Palästinenser, die diesen alten Konflikt überwinden möchten ... und immer mehr ins Hinterteffen geraten gegenüber solchen, die ihn siegreich beenden möchten.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Andreas schrieb am 22.12.2025 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Mit Religion Politik zu machen halte ich für pervers
und schafft nur unkalkulierbare Zusatzprobleme.
Im Namen Gottes Menschen zu töten ist
ultrapervers, aber leider Realität.
Hans Küngs hat dazu das Projekt WELTETHOS gegründet.
Es zielt auf den interreligiösen Dialog,
ohne den Friede unerreichbar ist.
Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden.
Im Dezember1979, also vor 36 Jahren, wurde ihm
die Lehrbefugnis vom damaligen Papst entzogen.
Bekannt wurde durch das Buch "Unfehlbar? Eine Anfrage" (1970)
1991 ereilte Eugen Drewermann dasselbe Schicksal.
vgl. https://www.youtube.com/watch?v=XzhuFTm4tcg
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 22.12.2025 um 17:11 Uhr (Zitieren)
... könnte aber aufschlussreich sein.
Palästinenserfreundliche Juden werden kritisiert, ausgebremst.
Judenfreundliche Palästinenser werden mit dem Tod bedroht, getötet.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 17:19 Uhr (Zitieren)
Vor 46 Jahren.
Uta Ranke-Heinemann ist noch zu erwähnen: Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis.
Meiner Erinnerung nach wurden sowohl bei ihr als auch bei Drewermann offiziell Verstöße gegen ein Dogma (Jungfrauengeburt) als Grund genannt; man hatte aber den Eindruck, daß es in Wahrheit um Kritik an Klerus und Kirche ging.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 17:24 Uhr (Zitieren)
Wenn das denn stimmt. Gibt es dazu geprüfte Statistiken?
Jitzchak Rabin ist jedenfalls von einem jüdischen Extremisten getötet worden.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 22.12.2025 um 17:40 Uhr (Zitieren)
Die Hammas-Statistikbehörde kann dir Auskunft geben, wie viele "Verräter" eliminiert wurden, UNWRA ist bei der amtlichen Prüfung sicher gern behilflich.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 17:48 Uhr (Zitieren)
Es geht bei einem Vergleich nicht nur um die Morde der einen, der Hamas-Seite. Ich bezweifle, ob es für die Gewalttaten jüdischer Extremisten und Siedler eine israelische Statistik gibt.
Und der Fall Jitzchak Rabin sagt Dir etwas, ja?
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Andreas schrieb am 22.12.2025 um 17:55 Uhr (Zitieren)
Um was sonst? Das Priestertum von heute ist m.E.so
nicht mehr zu retten.
Es ist alter Wein in längst neuen Schläuchen.
Es war vor 38 Jahren.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 18:05 Uhr (Zitieren)
Du hast 1978 statt 1987 angegeben - so kam ich darauf.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 18:07 Uhr (Zitieren)
Nein, jetzt bringen wir Küng und Frau Ranke-Heinemann durcheinander.
"kirchenunabhängiger Lehrstuhl" heißt, daß sie zwar Professoren bleiben, aber keine Prüfungen für künftige Religionslehrer und Theologen mehr abnehmen dürfen.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Andreas schrieb am 22.12.2025 um 18:09 Uhr (Zitieren)
Wo?
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 18:11 Uhr (Zitieren)
Das kann so nicht stimmen. 1979 ist 46 Jahre her.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Andreas schrieb am 22.12.2025 um 18:40 Uhr (Zitieren)
Sorry, das war ein Rechen- oder Tippfehler.
2025-1979 = 46
Doch von 1978 war nicht die Rede.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 22.12.2025 um 20:17 Uhr (Zitieren)
Der Täter wurde verurteilt und bestraft.
Es gibt elementare Unterschiede im Umgang mit jenen in der jeweils eigenen Gruppe, welche Verständnis für die andere Gruppe aufbringen. Das ist eine Gretchenfrage.
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
Γραικύλος schrieb am 22.12.2025 um 23:10 Uhr (Zitieren)
Er hatte den Ministerpräsidenten ermordet!
Hast Du den Eindruck, daß in Israel jüdische Siedler, die für Gewalttaten verantwortlich sind, verurteilt und bestraft werden?
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 23.12.2025 um 00:14 Uhr (Zitieren)
Die Siedlergewalt relativierte ich doch gar nicht.
Mein Punkt betrifft jene, die sich für die Gegenseite einsetzen, dazu gehören die gewalttätigen Siedler nicht. Das sind Leute wie Judith Butler, Michael Barenboim u.v.a. jüdische Isrealkritiker.
Wo sind die palästinensischen Hammaskritiker?
Re: Juden und der Heilige Krieg #2
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 22:13 Uhr (Zitieren)
... es gibt sie, die Palästinenser, die dem Judenhass entsagen.