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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Gleichnis zur Auferstehung (141 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.12.2025 um 16:25 Uhr (Zitieren)
Es geschah, daß in einem Schoß Zwillingsbrüder empfangen wurden. Die Wochen vergingen, die Knaben wuchsen heran. In dem Maß, in dem ihr Bewußtsein wuchs, stieg die Freude: „Sag, ist es nicht großartig, daß wir empfangen wurden? Ist es nicht wunderbar, daß wir leben?“

Die Zwillinge begannen ihre Welt zu entdecken. Als sie aber die Schnur fanden, die sie mit ihrer Mutter verband und die ihnen die Nahrung gab, da sangen sie vor Freude: „Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, daß sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!“

Als aber die Wochen vergingen und schließlich zu Monaten wurden, merkten sie plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten. „Was soll das heißen?“ fragte der eine. „Das heißt“, antwortete der andere, „daß unser Aufenthalt in dieser Welt bald einem Ende zugeht.“ – „Aber ich will gar nicht gehen“, erwiderte der eine, „ich möchte für immer hier bleiben.“ – „Wir haben keine andere Wahl“, entgegnete der andere, „aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt!“ – „Wie könnte dies sein?“ fragte zweifelnd der erste, „wir werden unsere Lebensschnur verlieren, und wie wollten wir ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß hier verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, daß es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, die Geburt ist das Ende!“

So fiel der eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: „Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß. Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem.“ – „Aber sie muß doch existieren“, protestierte der andere, „wie sollten wir sonst hierher gekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben?“

„Hast du je unsere Mutter gesehen?“ fragte der eine. „Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen können.“ Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großer Angst. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Sie schrien. Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.

(Roman Heiligenthal, Der verfälschte Jesus. Eine Kritik moderner Jesusbilder. Darmstadt ²1999, S. 147 f.)

Heiligenthal erwähnt, daß er dieses Gleichnis von Klaus Berger übernommen habe, gibt jedoch keine genaue Fundstelle an.
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
βροχή schrieb am 25.12.2025 um 17:21 Uhr (Zitieren)

„Hast du je unsere Mutter gesehen?“

... nö, aber gehört.


Es erinnert ein bisschen an das Höhlengleichnis.

Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
Andreas schrieb am 25.12.2025 um 18:14 Uhr (Zitieren)
Meine Kurzinterpretation:
Mach dich nicht verrückt, warte ab!

Ob Jesus am Kreuz auch so dachte, als alles verloren schien?

Seine Sache ging weiter. (Willy Marxsen)

Heiligenthal studierte Evangelische Theologie und Politikwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Nach seinem Studium promovierte er bei Klaus Berger mit einer Untersuchung zur Bedeutung der menschlichen Werke im Neuen Testament und frühen Christentum.

https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Heiligenthal
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
Γραικύλος schrieb am 25.12.2025 um 18:23 Uhr (Zitieren)
Er wendet die üblichen Argumente gegen das Leben nach dem Tod auf die Lage vor der Geburt an, und so möchte er zeigen, daß sie nicht plausibel sind.
Hier vor allem:
„wir werden unsere Lebensschnur verlieren, und wie wollten wir ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß hier verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, daß es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, die Geburt ist das Ende!“

Dem 'unvorstellbaren' Leben ohne Lebensschnur entspricht das 'unvorstellbare' Leben nach dem Zerfall unseres Leibes.
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
Γραικύλος schrieb am 25.12.2025 um 18:27 Uhr (Zitieren)
Klaus Berger war ein interessanter Theologe zwischen den Konfessionen.

Heiligenthal gibt ein Buch "Auferstehung" (ohne Seitenangabe) von ihm als Quelle an, das jedoch im Literaturverzeichnis nicht vorkommt. Insofern bleibt mir die Herkunft unklar.
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
meine Meinung schrieb am 25.12.2025 um 18:47 Uhr (Zitieren)
Er war nicht unumstritten und sehr eigenwillig.
Er versuchte u.a. das Johannes-Evangelium
historisch aufzuwerten und datierte gegen den
mainstream.
Zudem gab es Skandale:
https://www.zeit.de/online/2005/46/berger/berger_haupttext

Für mich war er ziemlich skurril wie seine vita.
Es ließ sich auch bei KTV einspannen, ein sehr fragwürdiger Sender
für Ultra-Konservative und (sehr) naive Gläubige.

Für Aufregung sorgte er kurz vor seiner Emeritierung mit der Aussage, nie aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten und immer Katholik gewesen zu sein

https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Berger_(Theologe)
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
meine Meinung schrieb am 25.12.2025 um 18:52 Uhr (Zitieren)
Zum Thema Auferstehung:
Gerd Lüdemann, Der große Betrug

Auch seine Vita ist interessant.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_L%C3%BCdemann
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
βροχή schrieb am 25.12.2025 um 22:07 Uhr (Zitieren)

Das Gespräch der Zwillinge stammt ursprünglich wohl von Henri J.M. Nouwen (1932-1996).

Auf ihn berufen sich viele nacherzählte Versionen.

Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
βροχή schrieb am 25.12.2025 um 22:39 Uhr (Zitieren)
Er wendet die üblichen Argumente gegen das Leben nach dem Tod auf die Lage vor der Geburt an, und so möchte er zeigen, daß sie nicht plausibel sind.


Das ist schon klar.

Die Verbindung zum Höhlengleichnis besteht darin, dass die Umwelt nur indirekt und unvollständig wahrnehmbar ist.

Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Das heißt: Roman Heiligenthal hat die Geschichte von Klaus Berger, und der hat sie von Henri Nouwen? Und keiner gibt das so an?
Seltsam. Danke für die Information.
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 07:42 Uhr (Zitieren)
Die Geschichte kommt mir vor wie eine Kettenmail. Bei dieser Art der Verbreitung kommt keiner mehr so ganz nach, wer sie startete.


https://de.wikipedia.org/wiki/Kettenbrief
Re: Ein Gleichnis zur Auferstehung
Info schrieb am 26.12.2025 um 09:31 Uhr (Zitieren)
Klaus Berger war ein interessanter Theologe zwischen den Konfessionen.

Ich würde ihn eher mit Vorsicht genießen.

Obwohl Berger an einer staatlichen Universität (Heidelberg) lehrte, wurde er zum scharfen Kritiker der modernen historisch-kritischen Theologie.
Kritik an der Entmythologisierung: Er warf seinen Kollegen vor, die Bibel „kaputtzuerklären“. Er kritisierte, dass moderne Theologen oft nur das für wahr hielten, was in ihr eigenes modernes Weltbild passte (z. B. die Ablehnung von Wundern).
Realität des Übernatürlichen: Berger hielt es für möglich, dass die Berichte über Wunder oder die Auferstehung einen realen, historischen Kern haben, den man nicht einfach als „Legende“ abtun darf.

Das macht ihn m.E. verdächtig.

dass moderne Theologen oft nur das für wahr hielten, was in ihr eigenes modernes Weltbild passte (z. B. die Ablehnung von Wundern).

Und er pickte sich heraus, was in sein Konzept passte ??

Polemik: Berger konnte sehr bissig sein. Er warf der modernen Theologie oft „Glaubenslosigkeit“ vor, was ihm den Ruf eines Provokateurs einbrachte.

Nähe zu Papst Benedikt XVI.: Er war ein großer Bewunderer von Joseph Ratzinger. Beide teilten die Ansicht, dass die historische Forschung den Glauben nicht zerstören, sondern stützen sollte.

Wer Wunder braucht, um glauben zu können, hat
m.E ein echtes Problem, wie jeder Theologe, der sich mit der Naturwissenschaft anlegt.
Damit hat sich dich Kirche einen Bärendienst erwiesen, wie z.B. der Fall Galeli zeigt.
Statt sich darum zu kümmern, wie man beides
unter einen Hut bringen könnte, maßt sich die Kirche an, wieder alles besser zu wissen.

https://www.youtube.com/watch?v=PralE62VTT0

https://www.youtube.com/watch?v=RINB8MTu6cc

Hier erklärt Bayer, warum er dennoch an Gott bzw,
das christliche Gotteskonstrukt glaubt.
https://www.youtube.com/watch?v=WWsa-1zsQj8
 
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