Orakel für Menelaos und Paris über Helena (182 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.01.2026 um 11:29 Uhr (Zitieren)
[anonym; Anthologia Graeca XIV 100]
(1) Füllen: Helena. Die Frage richtete sich also auf die Nachkommenschaft der Helena.
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 11.01.2026 um 13:28 Uhr (Zitieren)
Wie ist das letzte Hemistichon zu skandieren? Kann die Ultima von μεγάλε, metrisch gesprochen, die Arsis sein - so wie im Neugriechischen der Ictus bei einem Vokativ eines O-Stammes darauf liegt, beispielsweise Στεφανέ?
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
Andreas schrieb am 11.01.2026 um 14:34 Uhr (Zitieren)
Die Ultima (die letzte Silbe -λε) ist ein kurzes Epsilon. Eine kurze Silbe allein kann niemals eine Arsis bilden.
Ist Helena nicht eher der Spross des Füllens, wird also nicht Leda als Füllen (Fohlen) bezeichnet? Das ergäbe für mich mehr Sinn: Menelaos hat sie verloren, Paris will sie entführen ... Auch wenn der Beiname "Füllen" für Leda mir unbekannt ist, für Helena aber erst recht ...
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 12.01.2026 um 09:44 Uhr (Zitieren)
Danke, Bukolos, für Deinen Hinweis auf die Doppelkonsonanz des zeta, das war mir nicht mehr bewußt, aber das löst die Frage restlos auf. Andreas‘ Auffassung erschien mir rätselhaft: im drittletzten Versfuß sind vier Silben, und man müßte eine Krasis des gerade durch correptio gekürzten αι annehmen, um auf drei Silben zu kommen, deren letzte dann aber keine Brevis mehr ist; für einen Spondäus müßte dann auch noch die erste Brevis ε in die Krasis einbezogen werden - das erscheint mir „jet vell“, um es ripuarisch auszudrücken. Zu allem Überfluß müßte im letzten Versfuß Zε|υ mit langem ε gelesen werden, um auf die erforderlichen zwei Silben zu kommen.
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
Patroklos schrieb am 12.01.2026 um 11:07 Uhr (Zitieren)
((Nicht ripuarisch, aber in gleicher Konstruktion: a bit much))
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 12.01.2026 um 11:09 Uhr (Zitieren)
Ich sehe, wir verstehen uns, Patrokle 😊
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
Bukolos schrieb am 13.01.2026 um 02:59 Uhr (Zitieren)
Die metaphorische Verwendung von ἡ πῶλος für eine junge Frau ist in der Sprache der Dichtung relativ verbreitet, wir brauchen also nich nach einer mythologischen Figur suchen, der dieses Epitheton zugewiesen ist. Der Mythenstrang, in den das Orakel eingebunden ist, weicht von der Darstellung in den Kyprien ab. Den Kontext zu den Versen liefert Eustathios in seinem Iliaskommentar:
Wie üblich in den mythischen Orakeln ist auch dieses wohl mehrdeutig. Denn auf den ersten Blick scheint die Pythia nur die Fragen der Ratsuchenden zu wiederholen, aber keine Auskunft zu geben. Doch πῶλος bezieht sich wohl nicht allein auf Helena, sondern auch auf das berühmte Danaergeschenk. Menelaos wird bald versuchen "den Nachwuchs des Pferdchens zu finden", d. h. die spätere Besatzung des hölzernen Pferdes, von der es dann sozusagen trächtig ist und die damit seinen "Nachwuchs" bildet.
Re: Orakel für Menelaos und Paris über Helena
Γραικύλος schrieb am 13.01.2026 um 15:32 Uhr (Zitieren)
Danke für den Hinweis, der das Orakel besser verständlich macht.