Interessant für mich der letzte Satz über Napoleon: War dieser wirklich nicht mehr als ein kriegerischer Mörder?
Dem momentan von Russland und den USA ausgehenden "Zauber der Macht" erliegen viele, und viele erlagen ihm unter Napoleon, Bismarck und Hitler ...
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 11:32 Uhr (Zitieren)
Über das bloß Kriminelle hinaus: Napoleon hat in einigen Ländern einen Modernisierungsschub ausgelöst: juristisch, wirtschaftlich, militärisch.
Wenn Talleyrand ihm nach der Ermordung des Herzogs von Enghien sagte: "Sire, das ist schlimmer als ein Verbrechen, das ist ein Fehler!", dann meinte wohl auch er, daß Napoleon nicht nur ein Verbrecher war.
Vielleicht war er zugleich mehr und weniger als das.
Übrigens meine ich, daß Melville mit der Darstellung des Tacitus (und des Sueton) arg unkritisch umgeht.
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 11:56 Uhr (Zitieren)
@Quoth
Mehr oder weniger grausame Herrscher haben auch positive Ergebnisse vorzuweisen. Ob und wie tief die in die Waagschale ihrer Gesamtbilanz fallen, ist eine andere Frage.
Bsp.:
Tschingiskhan - Karakorum
Napoleon - code civil
Bismarck - Sozialstaat
Hitler - VW
Putin - Eindämmung d. Kriminalität in den 90ern, enormer Wohlstand Anfang d. 2000er
Trump - Zerstörung iran. Atomanlagen
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 18:35 Uhr (Zitieren)
Was macht denn Bismarck in der Reihe grausamer Herrscher?
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Patroklos schrieb am 22.01.2026 um 19:25 Uhr (Zitieren)
1871?
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 20:07 Uhr (Zitieren)
Quoth nannte ihn als Bsp., er war arg verpönt, genannt der eiserne, viell. deshalb?
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 20:33 Uhr (Zitieren)
Ja, Quoth hat Bismarck ins Spiel gebracht - aber unter einem anderen Etikett, nicht als "grausamer Herrscher". Da empfinde ich ihn als deplaziert neben Dschingis Khan und Hitler und wo nicht einmal Stalin und Mao Zedong genannt werden.
1871 hat Frankreich Preußen bzw. dem Norddeutschen Bund den Krieg erklärt. Das war von Bismarck raffiniert provoziert, um endlich zu einer Einigung Deutschlands zu gelangen.
Soll das schon reichen für die Kategorie "grausamer Herrscher"? Diese Liste würde aber lang!
Nein es ist der "Zauber der Macht", von dem Melville spricht und der nicht nur von grausamen Herrschern ausgeht. Wie hat Bismarck Bennigsen und Windthorst und sogar den späteren Wilhelm I. bezaubert und herumgekriegt! Dass er für seine Ziele auch "über Leichen ging", nur nebenbei ...
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Quoth schrieb am 22.01.2026 um 21:03 Uhr (Zitieren)
Melville ist Belletrist und kein Historiker. Eigentlich gehört er gar nicht in diesen erlauchten Club ... :-)
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 21:06 Uhr (Zitieren)
Sorry, dem Zauber der Macht erlag ich nie, für den habe ich keine Antenne, viell. bin ich deshalb bei der Reihe Napoleon/Bismarck/Hitler dem Holzweg erlegen.
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 21:27 Uhr (Zitieren)
Das stimmt natürlich.
Gerne hätte ich ihm gesagt: "Mein Guter! Glaube nicht alles, was Menschen, und seien es Historiker, Dir alles erzählen! Tu es nicht!"
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
Γραικύλος schrieb am 22.01.2026 um 21:28 Uhr (Zitieren)
Glaube nicht alles, was Menschen, und seien es Historiker, Dir alles erzählen! Tu es nicht!" -->
Glaube nicht alles, was Menschen, und seien es Historiker, Dir erzählen! Tu es nicht!"
Na, na, na ... Ein bisschen Opportunismus steckt in uns allen. Für mich das Musterbeispiel: J.D. Vance - vom Kritiker Trumps zu dessen treuestem Gefolgsmann. Sein Buch "Hillbilly Elegy" ist übrigens immer noch lesenswert.
Re: Das Image des Kaisers Tiberius
βροχή schrieb am 22.01.2026 um 21:56 Uhr (Zitieren)
... nein, zufällig bin ich wirklich nicht so.
Ich kann dem Zauber der Gelegenheit erliegen, mit Macht hat das nichts zu tun.