Patroklos schrieb am 25.01.2026 um 17:14 Uhr (Zitieren)
Ich lese, Cato der Ältere habe noch im Alter von 80 Jahren Griechisch zu lernen begonnen, um seine lateinische Rhetorik zu verbessern.
Kennt jemand die Quelle? Stimmt das überhaupt?
Re: Cato lernt Griechisch
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 17:33 Uhr (Zitieren)
Wenn, dann vermutlich in Plutarchs Cato-Biographie.
Ich schaue mal nach, aber später.
Re: Cato lernt Griechisch
info schrieb am 25.01.2026 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Auch ich kenne das noch aus Schulzeiten
GEMINI:
Re: Cato lernt Griechisch
info schrieb am 25.01.2026 um 17:54 Uhr (Zitieren)
γέρων ist man ab einem Alter von 60+x
Mit 80 Griechisch lernen stelle ich mir nicht so
leicht vor.
Re: Cato lernt Griechisch
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 17:59 Uhr (Zitieren)
Die Quellenangaben stimmen. Schön wäre es, wenn info diese Prüfung selbst übernommen hätte.
Als Dreingabe ein Zitat:
(Plutarch, M. Cato 8)
Re: Cato lernt Griechisch
info schrieb am 25.01.2026 um 18:00 Uhr (Zitieren)
PPS:
Re: Cato lernt Griechisch
Patroklos schrieb am 25.01.2026 um 18:35 Uhr (Zitieren)
Erklärt jemand die 80, bitteschön?
Re: Cato lernt Griechisch
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.01.2026 um 02:24 Uhr (Zitieren)
Ist Deine KI sich zu fein (oder unfähig), ordentlich zu zitieren? Ein Zitat ohne genauen Fundort ist wertlos.
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 26.01.2026 um 08:09 Uhr (Zitieren)
Es ist eben kein (wörtliches) Zitat. Der Wortlaut findet sich nicht bei Plutarch. Einmal mehr hat Andreas demonstriert, wie man ein LLM nicht benutzen sollte. Darauf überhaupt noch hinzuweisen, lohnt die Mühe nicht.
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 26.01.2026 um 08:26 Uhr (Zitieren)
Wann die Festlegung auf ein konkretes Alter einsetzte, ist schwer zu sagen. Die antiken Quellen, die über Cato als Opsimathen des Griechischen berichten, halten sich sämtlich bedeckt, was eine Zahlenangabe betrifft.*
Der älteste Text, den ich ausmachen kann, in dem das achtzigste Lebensjahr als Beginn von Catos Sprachstudium erscheint, stammt aus dem Jahr 1546. Hier begründet Michelangelo im Gespräch mit Donato Gianotti seine späte Absicht, Latein zu lernen mit dem Beispiel Catos (Io hò pur sentito dire che Catone Censorino Cittadino Romano imparò lettere Grece nel LXXX. anno della sua età. - Donato Gianotti, Dialogi de' giorni che Dante consumò nel cercare l'Inferno e'l Purgatorio, Erstdruck: Florenz 1859).
* Alan E. Astin, Cato the Censor, Oxford 1978 führt an: Val. Max. 8, 7, 1; Cic. Rep. 5, 2 (Ziegler); Acad. 2, 5; De sen. 3; ibid. 26; Nepos, Cato 3, 2; Quintil. Inst. 12, 11, 23; Plut. Cato Mai. 2, 5.
Re: Cato lernt Griechisch
Patroklos schrieb am 26.01.2026 um 10:49 Uhr (Zitieren)
Den Hinweis auf Cato finde ich im Zusammenhang von Conrad Celtis. In seiner Panegyris ad duces Bavariae findet sich (in deutscher Übersetzung) die Passage:
Als ob wir nicht das Beispiel des
Cato vor Augen hätten, eines bedeutenden und ebenso in jeder Art von Bildung
und Wissenschaft hochgelehrten Mannes, der, um richtig Latein sprechen zu
können, noch als Achtzigjähriger Griechisch zu treiben begann,…
… qui ut recte latine dicere posset Octogenarius iam grecitare cepit…
Entstanden um1492.
Woher mag Celtis das haben?
Re: Cato lernt Griechisch
Persephone schrieb am 26.01.2026 um 14:08 Uhr (Zitieren)
Ciceros Cato sagt schon genau, wie viele Jahre er im Dialog am Buckel hat: sed redeo ad me. quartum ago annum et octogesimum. 84 Jahre also. Gleichzeitig geht es viel darum, wie aktiv und fit er vor allem geistig immer noch ist. Er erwähnt Solon, der auch achtzig wurde, und, während er alterte, täglich mehr lernte, ehe der Vergleich kommt: et ego feci, qui litteras Graecas senex didici. Dass es sich da, wie schon von der KI erwähnt, nicht um Spracherwerb, sondern Literaturstudium dreht, scheint ziemlich klar, weil es um spät gelernte Inhalte geht (Solons Verse, Sokrates' Saitenspiel), nicht das ABΓ. Hätte er das alles vor zwanzig Jahren gewusst, würde das Beispiel kaum die beeindruckende geistige Beweglichkeit im hohen Alter demonstrieren, oder?
Re: Cato lernt Griechisch
Patroklos schrieb am 26.01.2026 um 14:49 Uhr (Zitieren)
Sehr schön, Danke.
Dann mag sich Bukolos dieser Frühzeitigkeit erfreuen.
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 27.01.2026 um 03:43 Uhr (Zitieren)
Es ist zwar durchaus richtig, dass der ciceronische Cato durch Mitteilung seines Alters einen biographischen Zeitkontext des Dialogs greifbar macht, im Hinblick auf die Frage allerdings, in welchem zeitlichen Abstand hierzu das didici situiert ist, bleibt auch Ciceros Text durchaus vage: Es wird eben nicht gesagt nuper oder his annis quattuor, sondern lediglich senex (womit auch schon der 60jährige bezeichnet werden kann).
Dafür, dass die Phrase litteras Graecas senex didici auch im Sinne des Sprachstudiums verstanden werden darf,* spricht aus meiner Sicht gerade das Beispiel des Saitenspiels (übrigens unter Wiederholung des Lemmas discere: discebant enim fidibus antiqui), wo es ja eben nicht um den Erwerb von Inhalten, sondern von Fähigkeiten geht.
* Was auch immer wieder getan wurde: bspw. in den Ausgaben in der Sammlung Tusculum (Faltner/Nickel, Berlin ⁵2011) oder der Loeb Classical Library (Falconer, Cambridge/Mass. 1923).
Re: Cato lernt Griechisch
Persephone schrieb am 27.01.2026 um 20:42 Uhr (Zitieren)
Aber psychologisch wäre es doch seltsam, wenn ein 83/84-Jähriger mit seiner Lernfähigkeit im Alter prahlt, der Erwerb seiner Sprach- und/oder Literaturkenntisse aber deutlich länger zurückliegt als ein paar Jahre. Was vllt. die Interpreten in der Neuzeit auch so sahen, und sich für 80 entschieden.
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 29.01.2026 um 06:19 Uhr (Zitieren)
Da Cato seinen rund 50 Jahre jüngeren (von ihm als adulescentes titulierten) Dialogpartnern die Perspektive einer gelingenden senectus vor Augen stellen will, spricht in meinen Augen nichts gegen einen die gesamte Spanne des Alters in den Blick nehmenden Erfahrungsbericht. Hinzu kommt, dass der fragliche Satz (et ego feci qui litteras Graecas senex didici) im Perfekt steht und ein Bezug auf die unmittelbare Gegenwart des Sprechers somit eher unwahrscheinlich ist, so dass sich die Angabe kaum auf eine bestimmte Jahreszahl eingrenzen lässt.
Persephone schrieb am 29.01.2026 um 23:34 Uhr (Zitieren)
Das mit dem Tempus verstehe ich auch nicht wirklich, ist didici nicht resultativ wie novi, das habe ich gelernt (und weiß es jetzt)? Daraus geht ja nicht hervor, wann das passierte, ob vor drei oder zwanzig Jahren.
Re: Cato lernt Griechisch
Γραικύλος schrieb am 29.01.2026 um 23:40 Uhr (Zitieren)
Meint Bukolos nicht genau dies: "dass sich die Angabe kaum auf eine bestimmte Jahreszahl eingrenzen lässt."?
Das "didici" gibt keine genaue Angabe her, wann das geschehen ist.
Re: Cato lernt Griechisch
Persephone schrieb am 30.01.2026 um 00:18 Uhr (Zitieren)
Eher unwahrscheinlicher unmittelbarer Gegenwartsbezug ist aber nicht dasselbe wie Unklarheit, ob vor drei oder zwanzig Jahren. Ich hatte ja nie gemeint, dass Cato vorgestern sich den litteras Graecas zugewendet hatte, nur dass es mir seltsam scheint, wenn ein 84-Jähriger im Vergleich mit Solon, der bis zuletzt immer Neues gelernt habe, vllt. zwanzig Jahre alte Lerngeschichten ausgräbt, um die Lernfähigkeit bis ins hohe Alter zu demonstrieren. Ich sehe wegen des Tempus an sich kein Problem mit dem Zweifel.
Außerdem geht der Satz dann so weiter: quas quidem sic avide arripui, quasi diuturnam sitim explere cupiens, ut ea ipsa mihi nota essent, quibus me nunc exemplis uti videtis. Ich bringe euch jetzt ein paar Beispiele (dessen, was ich vor zwanzig oder fünfzehn Jahren gelernt habe)? Das würde man sagen, um mit seinem hervorragenden Gedächtnis anzugeben, aber doch nicht, um zu zeigen, wie lernfähig man noch ist, oder?
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 30.01.2026 um 03:09 Uhr (Zitieren)
Was ich tatsächlich geschrieben habe, kann ja, wer will, noch einmal nachlesen.
Das Perfekt didici hat hier sicherlich nicht nur resultative, sondern auch historisch-konstatierende Funktion. Für letzteres spricht zum einen das im Tempus parallele feci, welches einen resultativen Gebrauch nicht kennt, zum anderen das als Zeitbestimmung dienende Prädikativum senex ("als Greis"*).
Das nunc/jetzt würde ich zunächst in seiner textdeiktischen Dimension verstehen, bezogen auf die gerade bzw. sogleich angeführten Exempla Solon und Sokrates, nicht als Ausdruck emphatischer Gegenwärtigkeit. Davon abgesehen gehört zum Lernerfolg (abseits vom schulischen Kontext unserer Lebenswelt) die langfristige Verankerung der Lerninhalte im Gedächtnis. Insofern lassen sich gutes Gedächtnis und Lernfähigkeit nicht voneinander trennen und es ist meiner Ansicht nach durchaus denkbar, dass mit lang zurückliegenden (aber erst im Alter vollzogenen) Wissenserwerb für das Greisenalter geworben wird.
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 30.01.2026 um 03:10 Uhr (Zitieren)
* Mit Burkard/Schauer 188, 1 darf hier im Deutschen noch ein erst als Ausdruck der Verspätung ergänzt werden.
Re: Cato lernt Griechisch
Bukolos schrieb am 30.01.2026 um 03:15 Uhr (Zitieren)