Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Religion und Fortschritt (69 Aufrufe)
background schrieb am 28.01.2026 um 06:14 Uhr (
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1. Die islamische Blütezeit (8. bis 13. Jahrhundert)
Während das europäische Mittelalter oft als „dunkel“ bezeichnet wird, erlebte die islamische Welt (besonders in Bagdad, Kairo und Córdoba) eine wissenschaftliche Revolution.
Haus der Weisheit: In Bagdad wurden griechische, indische und persische Texte gesammelt und übersetzt. Ohne diese Arbeit wäre das Wissen von Aristoteles oder Euklid für Europa verloren gewesen.
Mathematik: Der Gelehrte al-Chwarizmi legte die Grundlagen für die Algebra (das Wort leitet sich von seinem Buchtitel al-dschabr ab) und führte das indische Ziffernsystem (inklusive der Null) ein.
Medizin: Ibn Sina (Avicenna) schrieb den „Kanon der Medizin“, der über 600 Jahre lang das Standardwerk an europäischen Universitäten blieb. Er erkannte als einer der Ersten die Ansteckungsgefahr durch Wasser und Boden.
2. Die Klöster als „Festplatten“ des Wissens
In Europa waren Klöster über Jahrhunderte die einzigen Orte systematischer Forschung und Bildung.
Die Schreibstube (Skriptorium): Mönche kopierten nicht nur die Bibel, sondern auch Texte über Landwirtschaft, Astronomie und Recht. Sie waren die lebenden Datenbanken ihrer Zeit.
Agrar-Innovationen: Mönche (besonders die Zisterzienser) waren Meister der Technik. Sie entwickelten komplexe Bewässerungssysteme, perfektionierten den Weinbau und verbreiteten technologische Neuerungen wie die Wassermühle in ganz Europa.
Heilkunde: Klöster besaßen die ersten systematischen Apotheken und Heilpflanzengärten. Das Wissen über Kräuter und deren chemische Wirkung wurde dort empirisch gesammelt und verschriftlicht.
Schattenseiten:
1. Unterdrückung wissenschaftlicher Fakten
Konflikt mit der Astronomie: Das berühmteste Beispiel ist der Prozess gegen Galileo Galilei. Religiöse Institutionen hielten am geozentrischen Weltbild (Erde als Zentrum) fest und bekämpften neue astronomische Erkenntnisse mit Zensur und Hausarrest.
Medizinische Tabus: Lange Zeit galt die Sektion (Öffnung) menschlicher Körper als religiöses Tabu. Dies bremste die Entwicklung der Chirurgie und der Anatomie über Jahrhunderte aus.
2. Kontrolle von Wissen und Information
Bücherverbote: Durch Listen verbotener Bücher (wie den Index Librorum Prohibitorum) wurde der freie Austausch philosophischer und naturwissenschaftlicher Ideen massiv eingeschränkt.
Bildungsprivilegien: Da der Zugang zu Schrift und Bildung oft dem Klerus vorbehalten war, wurde die intellektuelle Entwicklung der breiten Bevölkerung bewusst kontrolliert.
3. Verfolgung freier Denker
Ketzerverfolgung und Inquisition: Wer das bestehende religiöse Weltbild durch neue Theorien infrage stellte, riskierte Folter, Haft oder den Tod. Dies schuf ein Klima der Angst, das viele Gelehrte davon abhielt, ihre Entdeckungen zu veröffentlichen.
Vernichtung von Potenzial: Durch Hexenverfolgungen und die Unterdrückung von Frauen wurde das intellektuelle Potenzial ganzer Bevölkerungsgruppen systematisch unterdrückt.
4. Widerstand gegen moderne Erkenntnisse
Evolutionstheorie: Bis heute gibt es in einigen religiösen Strömungen Widerstand gegen die Evolutionstheorie (Kreationismus), was die naturwissenschaftliche Bildung und Forschung in bestimmten Regionen der Welt erschwert.
Bioethik: Auch bei modernen Themen wie der Stammzellenforschung oder der Reproduktionsmedizin wirken religiöse Dogmen oft als starke moralische und gesetzliche Barrieren.
Re: Religion und Fortschritt
Waren die "Schattenseiten" nicht auch die Seiten einer düsteren Vorausahnung: Dass dieser ganze sog. Fortschritt ein Fortschritt in die Selbstvernichtung sein würde? Wäre es ihnen gelungen, den Fortschritt zu hemmen oder sogar endgültig zu torpedieren, wir hätten heute kein bedrohliches Artensterben, keine bedrohliche Erderwärmung, keine ebenso bedrohliche Überbevölkerung der Erde mit Menschen, keine noch bedrohlicheren Atomwaffen und schließlich auch nicht die regelrechte Verhöhnung des Rationalismus, die KI ... Was mich nur stört an diesem Gedanken: Es gäbe auch mich sicherlich nicht - dafür aber eine sehr viel kleinere Menschheit, die in der (zur Not auch brutalen) Geborgenheit der Religion sehr viel bessere Überlebenschancen hätte.
Re: Religion und Fortschritt
... und schließlich auch nicht die regelrechte Verhöhnung des hybriden Rationalismus, die KI ...
Re: Religion und Fortschritt
??? schrieb am 28.01.2026 um 09:41 Uhr (
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Und Krankheiten, Menschenrechte, Kultur,
Literatur, Theater,
Und die Sinnfrage bleibt offen.
Überleben um des Überlebens willen?
Es besser haben wollen liegt in der menschl. DNA.
Und Anpassung ist Prinzip der Evolution und
damit naturgesetzlich festgelegt.
Das Problem ist m.E. nicht der Fortschritt, sondern
dessen Missbrauch trotz Vernunft.
Auf welchem Niveau hätten wir wann stehen bleiben sollen?