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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Trostbrief für Cicero #3 (60 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.01.2026 um 00:03 Uhr (Zitieren)
Epistulae ad famliares IV 5:
Schließlich darfst Du doch nicht vergessen, daß Du Cicero bist, ein Mann, der sonst anderen Lehren zu geben und Rat zu erteilen pflegt, darfst es nicht so machen wie die schlechten Ärzte, die bei andern Kranken ihre medizinischen Fachkenntnisse herauskehren, sich selbst aber nicht zu helfen wissen. Nein, was Du andern zu predigen pflegst, das wende auf Dich selbst an und führe es Dir zu Gemüte! Jeden Schmerz mindert oder lindert die Zeit [nullus dolor est, quem non longinquitas temporis minuat ac molliat]; aber darauf zu warten und Deinem Gram nicht Deine Weisheit entgegenzusetzen, ziemt sich nicht für Dich.

Und wenn noch die Toten eine Art Bewußtsein haben – bei ihrer kindlichen Liebe zu Dir und ihren Angehörigen wünscht sie gewiß nicht, daß Du so handelst. Tu es um der Heimgegangenen, um all der andern Freunde und Verwandten willen, die Deinen Schmerz teilen, tu’s dem Vaterlande zuliebe und entzieh ihm nicht Deinen Rat und Deine Hilfe, wenn es dessen einmal bedarf. Schließlich sind wir ja nun einmal in solch eine Lage geraten, daß wir uns auch diesen Umständen fügen müssen; da darfst Du es nicht darauf ankommen lassen, daß jemand auf den Gedanken kommt, Du trauertest weniger um Deine Tochter als um die politischen Zustände und den Sieg der andern.

Ich scheue mich, Dir noch mehr über dies Thema zu schreiben; es könnte so aussehen, als mißtraute ich Deiner eigenen Klugheit. So will ich nur noch dies eine zu bedenken geben und dann die Feder aus der Hand legen. Oft genug haben wir es erlebt, wie Du das Glück mit Anstand zu tragen wußtest und dies Verhalten Dir viel Lob eintrug; laß uns jetzt einmal sehen, daß Du auch ein Unglück ebenso gefaßt zu tragen vermagst und Dich diese Last nicht schwerer als unvermeidlich drückt, damit es nicht so aussieht, als fehlte Dir von allen Tugenden gerade diese eine.

Was mich angeht, so werde ich Dir von den hiesigen Ereignissen, von der Entwicklung meiner Provinz berichten, sobald ich sehe, daß Du gefaßter bist.
Leb‘ wohl [Vale]!

(Cicero: An seine Freunde/Epistulae ad familiares. Hrsg. v. Helmut Kasten. München 1964, S. 190-197)

Hier wird m.E. noch deutlicher, daß er bemüht ist, sich ganz auf Ciceros Denkweise einzustellen.
Re: Ein Trostbrief für Cicero #3
Persephone schrieb am 30.01.2026 um 00:28 Uhr (Zitieren)
Wirkt auf mich wie eine manipulative Mischung aus Gemeinplätzen und moralischer Erpressung und wiederum der Versuch, aus der Toten eine Bauchrednerpuppe zu machen. Unter Trost stelle ich mir etwas anderes vor und vllt. auch Menschen, die vor mehr als 2000 Jahren gelebt haben, aber keine Zeugnisse hinterließen.
Re: Ein Trostbrief für Cicero #3
Γραικύλος schrieb am 30.01.2026 um 00:38 Uhr (Zitieren)
Meinen Respekt vor Deiner Wahrheitsliebe, aber wie hättest Du Cicero getröstet?

Eine interessante literarischer Herausforderung, wie ich meine.
Re: Ein Trostbrief für Cicero #3
Persephone schrieb am 30.01.2026 um 01:01 Uhr (Zitieren)
Wie im anderen Thread beschrieben. Soll man wirklich glauben, Cicero habe nicht auch andere Kommunikation an sich herangelassen als solche? Gereicht hat die ja anscheinend nicht, immerhin hat er noch eine consolatio ad se ipsum verfasst, die verloren ist.
 
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