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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ernährung und Schlankheit (97 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.03.2026 um 14:44 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Isis und Osiris (Moralia 352 F – 353 A):
Die [ägyptischen] Priester verabscheuen alles, was zur Kategorie der Ausscheidungen gehört, dergestalt, daß sie nicht nur die meisten Hülsenfrüchte ablehnen und an Fleischsorten das von Schafen und Schweinen – diese Nahrungsmittel führen zu reichlicher Ausscheidung -, sondern auch das Salz in den Zeiten der Enthaltsamkeit von ihren Speisen weglassen. Dafür haben sie neben mehreren anderen Gründen diesen, daß Salz die Trink- und Eßlust vermehrt, weil es den Appetit schärft. Dagegen ist die Erklärung des Aristagoras (1), das Salz gelte als unrein, weil beim Auskristallisieren viele kleine Tiere in ihm gefangen würden und umkämen, töricht.

Es wird berichtet, daß sie den Apis-Stier aus einem eigenen Brunnen tränken und vom Nil völlig fernhalten, nicht weil sie, wie einige meinen, sein Wasser wegen des Krokodils für unrein halten – denn nichts steht bei den Ägyptern so hoch in Ehren wie der Nil -, sondern man nimmt an, daß das Trinken von Nilwasser fett mache und den Körper aufschwemme; dies sind Eigenschaften, die sie beim Apis nicht haben wollen und auch bei sich selbst nicht; schlank und leicht soll der Körper die Seele umfangen und nicht mit der Übermacht des Sterblichen das Göttliche niederdrücken und beschweren [ἀλλ‘ εὐσταλῆ καὶ κοῦφα ταῖς ψυχαῖς περικεῖσθαι τὰ σώματα καὶ μὴ πιέζειν μηδὲ καταθλίβειν ἰσχύοντι τῷ θνητῷ καὶ βαρύνοντι τὸ θεῖον].

(Plutarch: Religionsphilosophische Schriften. Hrsg. v. Herwig Görgemanns. Düsseldorf/Zürich 2003, S. 142-145)

(1) Historiker des 4. Jhdts. v.u.Z., Verfasser eines Buches über Ägypten
Re: Ernährung und Schlankheit
Persephone schrieb am 07.03.2026 um 15:36 Uhr (Zitieren)
Hat sonst eine Religion ihren heiligen oder symbolisch bedeutsamen Tieren eine solche ästhetisch-spirituelle Diät verordnet?
Re: Ernährung und Schlankheit
info schrieb am 07.03.2026 um 16:22 Uhr (Zitieren)
Das sagt KI dazu:

Nein, in dieser spezifischen, „biomechanisch-asketischen“ Form gibt es in anderen Religionen keine direkte Entsprechung.

Während andere Religionen heilige Tiere durch Pracht, opulente Fütterung oder symbolischen Schmuck ehren (um Göttlichkeit durch Fülle und Stärke auszudrücken), ist die ägyptische Praxis der Apis-Diät einzigartig, weil sie das Tier durch gezielte körperliche Reduktion und Askese als ein für das Göttliche durchlässiges, „leichtes“ Gefäß konstruiert. Das Tier wird nicht als Individuum, sondern als kultische Architektur verstanden, deren physische Beschaffenheit (Vermeidung von Fett/„Schwere“) direkt die spirituelle Qualität bestimmt.


Eine andere KI meint:
Konkrete Parallelen gibt es nur teilweise:
Indische Religionen (Hinduismus, Jainismus):
Heilige Tiere – besonders die Kuh – werden durch bestimmte Nahrung rein gehalten; außerdem wird Nahrung nach geistigen Qualitäten (rein, leidenschaftlich, träge) unterschieden. Eine gezielte Diät, um den Körper eines heiligen Tieres schlank oder leicht für spirituelle Zwecke zu halten, ist jedoch nicht typisch.

Griechische Religion / Orphik / Pythagoreer:
Hier gibt es strenge Diätregeln für Menschen, weil schwere Nahrung die Seele belasten soll. Diese Idee ähnelt dem ägyptischen Gedanken, wird aber nicht auf heilige Tiere angewandt.

Andere antike Kulte (z. B. Mesopotamien):
Tempeltiere oder Opfertiere wurden zwar speziell gefüttert, doch aus rituellen oder praktischen Gründen, nicht wegen einer ästhetisch-spirituellen Vorstellung vom leichten Körper.

Fazit:
Die konkrete Vorstellung, einem heiligen Tier bewusst eine „geistfördernde“ Diät zu geben, damit sein Körper die Seele nicht beschwert, ist praktisch nur aus der ägyptischen Religion belegt und daher außergewöhnlich.
 
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