Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Gyges von Lydien #3 (31 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.03.2026 um 00:10 Uhr (
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Nikolaos von Damaskus, Universalgeschichte (ἱστορία καθολική) (F 47):
Sie entsandten eine Gesandtschaft nach Delphi, um in Erfahrung zu bringen, ob sie Gyges zu ihrem König machen sollten. Der Gott gab ihnen, was dies betrifft, den Befehl dazu, wobei er voraussagte, dass den Herakliden in der fünften Generation von den Mermnaden Sühne zukommen würde.
Von da an herrschte Gyges, der Sohn des Daskylos, als König[,] und er heiratete die Myserin, die sich Sadyattes zur Frau genommen hatte, ohne ihr nachzutragen, was sie gegen ihn gesagt hatte. Er warnte Lixos öffentlich davor, vor sein Angesicht zu kommen, denn er schwor, dass er ihn ganz gewiss an dem Ort begraben werde, wo er ihn zum ersten Mal erblicke.
Dieser wich ihm aber die ganze Zeit aus, indem er fortwährend andere Wege nutzte und sich vom Palast fernhielt. Obwohl Gyges also danach strebte, ihn zu ergreifen, wollte er dies gleichwohl nicht gegen seine Verordnung tun. Einer seiner Freunde riet ihm dazu, sich auf die Wege zu begeben, die Lixos für gewöhnlich entlangging, wenn er ihn gemäß der Übereinkunft ergreifen wolle. Er behauptete, diese zu kennen. Gyges forderte den Mann auf, ihm die Richtung zu weisen, und fuhr mit ihm auf einem Wagen. Irgendwie begegnete Gyges nach göttlicher Fügung Lixos auf einer Abbiegung des Wegs. Weil der Weg aber schmal war und Lixos sich nicht aus dem Blickfeld des Königs begeben konnte, kroch er unter den Wagen und versteckte sich.
Gyges, der ihn noch erkannt hatte, befahl, ihn herauszuziehen[,] und sagte, nachdem die Diener ihn herausgezogen und ihn gegenüber des Wagens [sic!] auf die Beine gestellt hatten: „Hier also, Lixos, musst du begraben werden. Dies hatten wir nämlich vereinbart.“ Er antwortete unverblümt: „Gerechter ist ja, dass dir dies widerfährt, weil du auf die von mir eingeschlagenen Wege gegangen bist, als du mich verfolgt hast, obwohl sich das nicht für einen König gebührt.“ Nachdem sie lange Zeit überlegt hatten, überredeten die Freunde Gyges, von der Tötung des Lixos abzusehen. Gyges sagte, er habe geschworen, ihn dort zu begraben, wo er ihm zum ersten Mal begegnete. Sie antworteten aber: „Wenn er nun also tot sein wird, begräbst du ihn hier, und du wirst deinem Eid treu bleiben.“ Gyges ließ sich überreden und schickte daher Lixos weg.
Danach lud er ihn zu einem Mahl ein, ließ ihn auf dem Boden lagern, setzte ihm Knochen als klägliche Speise vor und goss ihm Essig zum Trinken ein. Irgendwie fragte Gyges bei der Mahlzeit, wie ihm das Mahl schmecke. Lixos sagte: „Wie es sich bei einem Feind erwarten lässt.“ Nachdem Gyges sehr heiter gelacht hatte, gab er ihm noch von den Speisen, die ihm selbst vorlagen, und er wurde gutmütiger. Als einige Zeit vergangen war, versöhnte er sich mit Lixos, schloss mit ihm Freundschaft und dachte nicht mehr an die Vergangenheit.
(Fragmente der Historiker: Nikolaos von Damaskus. Hrsg. v. Tino Shahin. Stuttgart 2018, S. 47-51)
[Vgl. Herodot I 8-14]
Re: Gyges von Lydien #3
Γραικύλος schrieb am 11.03.2026 um 11:54 Uhr (
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Dies ist nicht so lebhaft aufgenommen worden.
Ich halte es für eine hübsche Geschichte, in der Gyges - anders als bei Herodot - nicht ganz unschuldig ist, sich letztlich aber versöhnlich zeigt.