In ihrem gerade bei Eichborn erschienen Roman „Die Namen“ erzählt Florence Knapp, wie ein Mann, der sich und seine Mutter gerade erst aus den Klauen eines sadistischen Vaters befreit hat, im Prado ein bestimmtes Bild sucht und findet: „Saturn verschlingt seinen Sohn“, eins der von Goya kurz vor seinem Lebensende direkt auf die Wand gemalten „schwarzen Bilder“. Er lauscht auf den Audioguide:
S.336f
Ein sehr eindrucksvolles Buch über die drei Möglichkeiten einer Frau mit patriarchalischer Anmaßung umzugehen: Widerstand, Lavieren, oder Unterwerfung. Von mir hier zitiert als Beispiel für die immer wieder neue Aneignung klassischer Mythen.
Re: Der Saturn-Mythos
βροχή schrieb am 11.03.2026 um 10:46 Uhr (Zitieren)
ein berühmtes Bild, ich sah es auch :)
Eigentlich ist es Zeus, er wurde in einer Höhle auf Kreta versteckt
Re: Der Saturn-Mythos
Γραικύλος schrieb am 11.03.2026 um 11:51 Uhr (Zitieren)
Hinweise auf neue Bücher, vor allem solche mit Bezug zur Antike, empfinde ich als angenehm.
Das Goya-Gemälde ist ein eindrucksvoller Alptraum. Es steht für eine Welt, mit der etwas nicht stimmt. Daß ein Vater seine Kinder frißt, das schreit nach einer neuen, besseren Ordnung. Verkörpert Zeus sie?
Re: Der Saturn-Mythos
Γραικύλος schrieb am 11.03.2026 um 11:52 Uhr (Zitieren)
Und Saturn ist eigentlich Kronos. Aber diese Interpretatio Latina begegnet einem ja häufig.
Merkwürdig, dass eines der fröhlichsten Feste im alten Rom nach diesem Finsterling benannt ist: die Saturnalien.
Re: Der Saturn-Mythos
βροχή schrieb am 11.03.2026 um 13:38 Uhr (Zitieren)
... Saturn war der Herrscher des goldenen Zeitalters, welches ein Mythos der Idylle war
Re: Der Saturn-Mythos
Γραικύλος schrieb am 11.03.2026 um 14:36 Uhr (Zitieren)
Das ist richtig; Kronos/Saturn war nicht einfach ein Allround-Monster.
Re: Der Saturn-Mythos
Γραικύλος schrieb am 11.03.2026 um 14:41 Uhr (Zitieren)
Wobei ich den Bezug zu den Saturnalien so verstanden habe: Zeus hat seinen Vater angesetzt und in den Tartaros gestürzt. Von daher war Kronos/Saturn der Gott der Sklaven, also derer, die ebenfalls ihre Freiheit und gesellschaftliche Stellung eingebüßt hatten.
Die Saturnalien waren nun das Fest der Sklaven, für dessen Dauer die gesellschaftlichen Verhältnisse umgekehrt waren.
Dieser komische Sachverhalt, daß plötzlich Sklaven ihren Herren Befehle gaben, hatte also diesen Bezug zu dem gestürzten Gott, der doch ein Gott war.