Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Spuren eines Polybolos? (43 Aufrufe)
Bukolos schrieb am 21.03.2026 um 12:20 Uhr (
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Eine kürzlich veröffentlichte Studie entwickelt anhand der Vermessung sehr spezifisch verteilter Einschusslöcher in der Stadtmauer von Pompeji die Hypothese, hier könnte es sich um Spuren eines halbautomatischen Katapults handeln, wie er in den Belopoiika des Philon von Byzanz beschrieben wird. Ein solcher Polybolos könnte bei der Belagerung Pompejis durch Sulla zum Einsatz gekommen sein.
https://www.mdpi.com/2571-9408/9/3/96Re: Spuren eines Polybolos?
info schrieb am 21.03.2026 um 13:57 Uhr (
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Funktionsweise des Polybolos:
Der Polybolos: Das „Maschinengewehr“ der Antike
Der Polybolos (griechisch für „Vielwerfer“) wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelt. Er war eine Weiterentwicklung der Torsionsgeschütze (Katapulte) und gilt als das erste halbautomatische Repetiergeschütz der Geschichte.
1. Der Antrieb: Das Kettengetriebe
Das Herzstück des Polybolos war ein Kettengetriebe – die erste historisch belegte Anwendung dieser Technik.
Die Kurbel: Ein Bediener drehte eine Winde, die zwei flache Gliederketten über Zahnräder bewegte.
Der Schlitten: Die Ketten zogen einen Schlitten auf einer Führungsschiene vor und zurück.
Die Klaue: Am vorderen Punkt griff eine automatische Klaue die Sehne des Bogens. Beim Zurückdrehen spannte der Schlitten die Sehne gegen den Widerstand der Torsionsbündel (Sehnen- oder Haarpakete).
2. Das Ladesystem: Das Schwerkraftmagazin
Über der Schiene befand sich ein Kasten (Magazin) mit mehreren Bolzen.
Die Walze: Unter dem Magazin saß eine rotierende Trommel mit einer eingefrästen Rinne.
Der Mechanismus: Wenn der Schlitten nach hinten fuhr, drehte er die Walze mechanisch um 90 Grad.
Der Fall: Ein Bolzen fiel aus dem Magazin durch Schwerkraft in die Rinne der Walze und lag nun direkt vor der gespannten Sehne.
3. Der automatische Abschuss
Der Schütze musste den Ladevorgang nicht unterbrechen:
Sobald der Schlitten den hintersten Punkt erreichte, wurde die Klaue durch einen Nocken (Auslöser) mechanisch geöffnet.
Die Sehne schnellte vor und feuerte den Bolzen ab.
Da der Bediener die Kurbel kontinuierlich weiterdrehte, fuhr der Schlitten sofort wieder nach vorne, um die Sehne erneut zu greifen.
Vor- und Nachteile der Waffe
Merkmal Beschreibung
Feuerrate Etwa viermal so hoch wie bei Standard-Ballisten.
Bedienung Ein einziger Mann konnte das Dauerfeuer aufrechterhalten.
Präzision Extrem hoch – fast zu hoch, da alle Bolzen denselben Punkt trafen (keine Streuung).
Komplexität Sehr wartungsanfällig; das Kettengetriebe war technologisch an der Grenze des damals Machbaren.
Einsatzbereich Primär als Verteidigungswaffe auf Stadtmauern (wegen des hohen Gewichts).
Re: Spuren eines Polybolos?
Γραικύλος schrieb am 21.03.2026 um 17:12 Uhr (
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Polybolos ist ein sprechender Name; wir haben heute dafür Mehrfachwerfer.
Re: Spuren eines Polybolos?
Γραικύλος schrieb am 22.03.2026 um 17:38 Uhr (
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Über die Konstruktion solcher Maschinen unterrichten Heron von Alexandria (Belopoiika) und Philon von Byzanz (Belopoiika).