α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sexualität im alten Ägypten #1 (185 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.03.2026 um 15:22 Uhr (Zitieren)
Sexualität
Bis vor relativ kurzer Zeit ging man davon aus, daß die Haltung der Ägypter zur S. eher naiv oder zurückhaltend war. Heute ist man der Meinung, daß die Ansichten der Ägypter über Sexualverhalten wohl unverkrampft und offen waren. Wie die meisten Gesellschaften hatten auch sie eine Sexual-ETHIK, die sich auf bestimmte Bereiche der S. bezog: Ehebruch war ein Vergehen, Sexualverkehr in heiligen Bezirken verboten. Im großen und ganzen aber war ihre Einstellung ausgesprochen pragmatisch und keineswegs prüde.

S. und Fruchtbarkeit hatten eine große Bedeutung im religiösen Bereich. Der ithyphallische Gott MIN war ein beliebtes Symbol für Fruchtbarkeit; ihm wurde Lattich dargebracht, angeblich, weil man den weißen Saft der Pflanze mit dem männlichen Samen gleichsetzte. Den Ägyptern war bewußt, daß der Same (mw) der männliche Beitrag zur Empfängnis war; sie waren allerdings auch der Ansicht, daß der Same aus den Knochen des Mannes kam und für das Knochengerüst des Kindes sorgte, während die Frau für die Weichteile des Säuglings zuständig war. Über die Empfängnisverhütung wissen wir aus den „Med. Papyri“, daß Arzneien verschrieben wurden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.

Spätestens seit der BADARI-Zeit (um 5550-4000 v. Chr.) wurden kleine Frauenfiguren aus Ton, Holz, Elfenbein oder Stein der Grabausstattung beigegeben. Sie waren häufig stark stilisiert und ihre Geschlechtsmerkmale deutlich hervorgehoben. Die Deutung dieser verschiedenen „Fruchtbarkeitsfiguren“ hat sich als extrem schwierig erwiesen. Zwei Interpretationen sorgen bis heute für Verwirrung: Einerseits wurden einige Figuren von ihren Ausgräbern als „Puppen“ bezeichnet und daher fälschlich als SPIELZEUG angesehen; andererseits klassifizierten die Gelehrten, wenn sie ihre sexuelle Bedeutung erkannt hatten, sie automatisch als „Beischläferinnen“, als seien sie für das posthume sexuelle Vergnügen der Verstorbenen bestimmt gewesen; dabei hatte man sie sowohl in Gräbern von Frauen als auch von Männern gefunden.

Die meisten Ägyptologen sind inzwischen der Meinung, die weiblichen Grabfiguren hätten die Funktion gehabt, die sexuellen Aspekte von Regeneration und Wiedergeburt zu betonen und zu symbolisieren. Es gibt eine Reihe von Sonderarten wie die nach ihrer Form „Paddel“-Puppen genannten hölzernen Figuren, die v.a. in theb. Gräbern der 11. Dynastie gefunden wurden. Eine weitere, im MR sehr verbreitete Gruppe aus Ton oder FAYENCE war oft von den Knien an verstümmelt; diese Figuren wurden sowohl in Gräbern wie in Häusern gefunden und häufig irreführend als „Konkubinen der Toten“ bezeichnet.

(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 280 f.)
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Akropolis (Athen)

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.