α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω ἀ ἁ ά ὰ ᾶ ἄ ἅ ἂ ἃ ἆ ἇ ᾳ ᾷ Ἀ Ἁ Ἄ Ἅ Ἂ Ἃ Ἆ Ἇ ἐ ἑ έ ὲ ἔ ἕ ἒ ἓ Ἐ Ἑ Ἔ Ἕ ἠ ἡ ή ὴ ῆ ἤ ἥ ἢ ἣ ἦ ἧ ῃ ῇ ᾗ Ἠ Ἡ Ἤ Ἥ Ἦ Ἧ ἰ ἱ ί ὶ ἴ ἵ ἲ ἳ ἶ ἷ ῖ Ἰ Ἱ Ἴ Ἵ Ἶ Ἷ ὀ ὁ ό ὸ ὄ ὅ ὂ ὃ Ὀ Ὁ Ὄ Ὅ Ὂ Ὃ ῥ ὐ ὑ ύ ὺ ὔ ὕ ὒ ὓ ὖ ὗ ῦ Ὑ Ὓ Ὕ Ὗ Ῠ Ῡ Ὺ Ύ ὠ ὡ ώ ὼ ὤ ὥ ὢ ὣ ὦ ὧ ῳ ῶ ῷ ᾧ ᾤ Ὠ Ὡ Ὤ Ὥ Ὢ Ὣ Ὦ Ὧ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Falls auch im Jenseits gearbeitet werden muß (190 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.04.2026 um 14:36 Uhr (Zitieren)
Uschebti (aä. schabti, schawabti, weschebti)
In der Regel mumiengestaltige Statuette, die seit dem MR zur Grabausstattung gehörte und sich aus den Grabstatuetten des AR entwickelte. Die Etymologie des Wortes schabti sowie der späteren Form schawabti ist nicht bekannt; der in der Spätzeit (747-332 v. Chr.) allgemein übliche Begriff weschebti bedeutet „Antwortender“.

Die Statuetten sollten ihren Besitzer vor der mühsamen Fronarbeit im Jenseits bewahren, die jeder Verstorbene dort für seinen Lebensunterhalt zu erbringen hatte. Sie sprangen für den Verstorbenen ein, wenn dieser zur Arbeit aufgerufen wurde, und antworteten an seiner Stelle. Einige U. tragen keine Inschriften, die meisten sind jedoch mit Kap. 6 des TOTENBUCHS beschriftet, dem sog. Uschebtispruch. Hans Schneider hat mehrere Versionen dieses Textes herausgearbeitet, sein Hauptzweck war indes immer der gleiche - er sollte die U. in die Lage versetzen, ihre Aufgaben zu erfüllen: „O du Uschebti, wenn [Name des Toten] aufgerufen wird, irgendwelche Arbeiten zu tun, die im Totenreich getan werden müssen, die Felder urbar zu machen, das Land zu bewässern oder den Sand von Ost nach West zu tragen, dann sollst du sagen: ‚Hier bin ich, ich werde es tun.‘“

Zu Beginn des NR wurden den U. auch Modelle von Hacken und Körben beigegeben, ab der 3. ZZ (1069-747 v. Chr.) gab es zusätzliche „Aufseher“-U., die man mit einer Peitsche ausstattete; später wurde dieses Handwerkszeug gleich als Teil der Statuette gestaltet. Im NR trugen U. zuweilen Alltagskleidung statt ihrer Mumienhülle. Erhielt ursprünglich jeder Verstorbene nur einen U. mit ins Grab, so hatte sich bis zum NR die Zahl wesentlich erhöht: Jetzt konnten es bis zu 365 Figuren sein, eine für jeden Tag des Jahres, dazu 36 „Aufseher“, im ganzen also 401. Im Grab SETHOS‘ I. (1294-1279 v. Chr.) sollen sogar 700 gefunden worden sein. Die zunehmende Zahl von U. führte zur Herstellung von besonderen Behältern, die wir heute U.-Kästen nennen.

Qualität und Material der U. sind sehr unterschiedlich; belegt sind HOLZ, Ton, Wachs, Stein, Bronze, FAYENCE, ja sogar GLAS, wobei Fayence überwiegt. Besonders schön gearbeitete Fayence-U. sind aus der Zeit von der 26. bis zur 30. Dyn. (664-343 v. Chr.) erhalten. Manche U. waren auch von so schlechter Qualität, daß man sie kaum noch als solche erkennen konnte; dazu zählen insbes. die Exemplare der 17. Dyn. (1650-1550 v. Chr.), die eher die Form von Holzpflöcken hatten. In der Ptolemäerzeit (332-30 v. Chr.) starb der Brauch aus, dem Verstorbenen U. mitzugeben.

(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 316)

Erstaunlich, daß anscheinend auch ein Pharao nicht von dieser Frondienstpflicht im Jenseits befreit ist.
Re: Falls auch im Jenseits gearbeitet werden muß
??? schrieb am 02.04.2026 um 15:06 Uhr (Zitieren)
Erstaunlich, daß anscheinend auch ein Pharao nicht von dieser Frondienstpflicht im Jenseits befreit ist.

Zur Abbüßung zeitlicher Sündenstrafen?
So lernt es doch noch, was harte Arbeit bedeutet.
Diese Jenseitsvorstellungen sind schon sehr anthropomorph.
Felder bestellen ist anstrengender als
Halleluja-singen, was auf seine Weise zur unerträglichen
Langeweile führen dürfte.

Dazu fällt mir Brecht ein:

Fragen eines lesenden Arbeiters

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon-
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer
fertig war
Die Maurer? Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene
Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem
sagenhaften Atlantis
Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein ?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kocht den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte,
So viele Fragen
Re: Falls auch im Jenseits gearbeitet werden muß
Quoth schrieb am 02.04.2026 um 19:00 Uhr (Zitieren)
Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" haben sicherlich zur Entwicklung einer "Geschichte von unten" (z.B. Alf Lüdtke und Hans Medick) beigetragen.
 
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