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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die breiten Wurzeln der Demokratie (118 Aufrufe)
Persephone schrieb am 05.04.2026 um 19:37 Uhr (Zitieren)
„Unter Archäologen ist die Vorstellung tief verankert, dass Athen und die römische Republik die einzigen beiden Demokratien in der antiken Welt gewesen seien“, sagt der US-Archäologe Gary Feinman vom Field Museum in Chicago. Eine umfangreiche Studie unter seiner Leitung zeige nun aber, dass dies eine völlig einseitige, eurozentrische Sicht sei. Demnach hat die Demokratie viel breitere Wurzeln.




https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/archaeologische-forschung-nur-rom-und-athen-demokratie-hat-breitere-wurzeln/100211951.html
Re: Die breiten Wurzeln der Demokratie
Patroklos schrieb am 05.04.2026 um 20:39 Uhr (Zitieren)
Wie so häufig im Film, Epos etc überzeugt hier der Schluss (des Artikels).
Trotzdem vielen Dank.
Re: Die breiten Wurzeln der Demokratie
info schrieb am 06.04.2026 um 09:27 Uhr (Zitieren)
Beispiele für "Ur-Demokratien" außerhalb Europas:

Tlaxcala (Mexiko): Ein präkolumbianischer Stadtstaat, der von einem gewählten Rat regiert wurde, lange bevor die Spanier eintrafen.

Indus-Kultur (Harappa/Mohenjo-Daro): Riesige Städte ohne erkennbare Königspaläste, dafür mit hochstandardisierten Wohnhäusern und komplexer Abwasserentsorgung.

Mesopotamien (Frühzeit): Hinweise auf Ältestenräte und Volksversammlungen in sumerischen Stadtstaaten wie Uruk, bevor sich das absolute Königtum durchsetzte.

Gründe für die späte Erkenntnis:

Schriftfokus: Athen hinterließ Texte; Kulturen ohne entzifferte Schrift wurden oft pauschal als "despotisch" abgestempelt.

Eurozentrismus: Die Aufklärung definierte Demokratie als exklusives Erbe der westlichen Antike.

Forschungsfokus: Archäologen suchten lange nach Monumenten (Pyramiden, Gold) statt nach Indizien für kooperative Organisation.
Re: Die breiten Wurzeln der Demokratie
info schrieb am 06.04.2026 um 09:29 Uhr (Zitieren)
PS:
Freiheitsbedürfnis:

Biologische Wurzeln (Prähistorie): Freiheit manifestierte sich in der Mobilität von Jäger-und-Sammler-Gruppen. Die "Abwanderungsfreiheit" war das primäre Mittel, um autoritären Strukturen zu entkommen, bevor die Sesshaftwerdung feste Hierarchien ermöglichte.

Erster schriftlicher Beleg (ca. 2400 v. Chr.): Das sumerische Wort "Amargi" (wörtlich: "Rückkehr zur Mutter") gilt als die erste Erwähnung von "Freiheit" in der Weltgeschichte. König Urukagina von Lagash nutzte den Begriff in Reformedikten zur Aufhebung von Schuldknechtung und Steuerwillkür.

Widerstand gegen Staatsbildung (ab ca. 3000 v. Chr.): Die Entstehung der ersten Hochkulturen (Ägypten, Mesopotamien) löste sofort Gegenbewegungen aus. Archäologische Indizien für Fluchtbewegungen aus den Staatsgebieten deuten darauf hin, dass Mauern oft gebaut wurden, um die eigene Bevölkerung am Verlassen des Systems zu hindern.

Streiks und soziale Unruhen (ca. 1150 v. Chr.): Unter Ramses III. in Ägypten ist der erste historisch dokumentierte Streik von Handwerkern verzeichnet. Dies belegt das aktive Einfordern von Rechten und Autonomie gegenüber zentraler Macht.

Philosophische Systematisierung (ca. 500 v. Chr.): In der "Achsenzeit" wurde Freiheit zum politisch-philosophischen Kernkonzept:

Griechenland: Eleutheria als Bürgerrecht in Abgrenzung zur Despotie.

Asien: Taoismus und Buddhismus definierten Freiheit als innere Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Zwängen.

Fazit: Das Freiheitsbedürfnis wird historisch immer dann greifbar, wenn es durch die Entstehung von Herrschaft und Bürokratie unter Druck gerät. Es ist die unmittelbare Reaktion auf soziale Ungleichheit.
Re: Die breiten Wurzeln der Demokratie
Γραικύλος schrieb am 06.04.2026 um 11:42 Uhr (Zitieren)
Daß die römische Republik keine Demokratie war, sondern eine Aristokratie, habe ich bereits im Studium gelernt.

Dem Handelsblatt-Artikel mangelt es m.E. an einer halbwegs präzisen Definition von Demokratie. Erst dann kann man entscheiden, ob die Irokesen - deren auffallende Gesellschaftsstruktur unter dem Stichwort Matriarchat? schon lange diskutiert wird, eine Demokratie praktizierten.

Da bei den Irokesen die Frauen in die Entscheidungen eingebunden waren und es keine Sklaven gab, waren sie möglicherweise demokratischer als die Athener. Wie gesagt, es kommt auf den Begriff an.
 
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