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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Tapferkeit und Gerechtigkeit (146 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.04.2026 um 13:24 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Aussprüche von Spartanern (Moralia 213 C):
Being asked once which was better of the virtues, bravery or justice [ἀνδρεία ἢ δικαιοσύνη], he [sc. Agesilaos] said that there is no use for bravery unless justice is also in evidence, and if all men should become just they would have no need of bravery.

[Plutarch, Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 272-275]

Vgl. Plutarch, Leben des Agesilaos 23.
Re: Tapferkeit und Gerechtigkeit
??? schrieb am 12.04.2026 um 14:50 Uhr (Zitieren)
Was haben die Spartaner unter Gerechtigkeit verstanden?


Zentrale Säulen:
Gleichheit unter den „Gleichen“ (Homoioi)
Die spartanischen Vollbürger bezeichneten sich selbst als Homoioi (die Gleichen). Gerechtigkeit hieß hier, dass kein Bürger durch Reichtum oder Luxus über den anderen stehen durfte. Dazu gehörten die Verteilung von Staatsland (Kleros) und die Ablehnung von Prunk. Reichtum galt als potenziell ungerecht, da er den Zusammenhalt der Gemeinschaft gefährdete.

Unterordnung unter das Gesetz
Es galt als Inbegriff von Gerechtigkeit, die Gesetze des legendären Gesetzgebers Lykurg strikt zu befolgen. Gerechtigkeit war Gehorsam gegenüber der staatlichen Disziplin (Agoge). Wer sich für den Staat opferte, handelte gerecht.

Funktionalität statt Individualismus
Gerechtigkeit basierte auf Zuständigkeit und einer harten Hierarchie. Es galt als gerecht, wenn jeder Stand seine zugewiesene Aufgabe erfüllte: Die Spartiaten kämpften, die Periöken (Umwohner) trieben Handel und Handwerk, und die Heloten (Staatssklaven) bestellten das Land. Die Unterdrückung der Heloten wurde als notwendige Voraussetzung für die Sicherheit der Polis angesehen.

Das Urteil der Ältesten
Gerechtigkeit wurde durch die moralische Autorität der Gerousia (Rat der Ältesten) und der Ephoren (Aufsichtsbeamte) definiert. Sie entschieden nach dem Prinzip des Gemeinwohls. Eine Tat war dann gerecht, wenn sie Sparta nützte.



Wie stellte man die moralische Autorität fest?
Worin bestand sie?
Gab es nicht auch Nepotismus und Vorteilsdenken wie in Ungarn,
wo heute ein Machtwechsel erwartet wird?
Re: Tapferkeit und Gerechtigkeit
Γραικύλος schrieb am 12.04.2026 um 14:55 Uhr (Zitieren)
and if all men should become just they would have no need of bravery.

Bezöge man das nur auf Spartaner, ergäbe es m.E. keinen Sinn, denn dann könnten ja immer noch die Nicht-Spartaner "ungerecht" sein, weshalb Tapferkeit weiterhin nötig wäre.
Nein, ich denke, daß Agesialos hier eine allgemeine Aussage trifft.
Re: Tapferkeit und Gerechtigkeit
βροχή schrieb am 12.04.2026 um 15:08 Uhr (Zitieren)
Dass der gute Wunsch ein Konjunktiv bleiben muss, fängt schon damit an, dass es eine Einigung darüber gibt, was gerecht ist.
Re: Tapferkeit und Gerechtigkeit
Andreas schrieb am 12.04.2026 um 15:36 Uhr (Zitieren)
Wenn alle Menschen nach dem Doppelgebot bzw.
der Goldenen Regel oder dem kategorischem Imperativ
(auch in der Biophilie-Variante von Rupert Lay handeln würden,
wären die meisten Juristen oder gar alle arbeitslos.
Man könnte sich immer gütig und gerecht einigen.

Doch solche Sozialutopien bleiben reines Wunschdenken
und sind auf Erden unrealisierbar
wohl bis zum Jüngsten Tag.
(Non peccare non posumus.)
 
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