Γραικύλος schrieb am 15.04.2026 um 17:05 Uhr (Zitieren)
Seit, soweit ich sehe, 1962 wird das Corpus Aristotelicum als „Aristoteles: Werke in deutscher Übersetzung“ herausgegeben – zunächst im Akademie-Verlag der DDR, dann in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft; nach deren Auflösung hat der Verlag DeGruyter Brill die Herausgabe übernommen. Es geht um 20 Bände, von denen etliche in mehrere Teilbände aufgeteilt sind.
Nicht alle Schriften dieses Corpus stammen tatsächlich von Aristoteles; andererseits gibt es Schriften von ihm, die nicht zum Corpus gehören (exoterische vs. esoterische Schriften).
Während in dieser Edition das Verhältnis von Text und Kommentar anfangs etwa 1 : 1 ausmachte, hat sich dies im Laufe der Jahre immer mehr zugunsten des Kommentarteils verschoben.
Derzeit stehen noch ca. 8 Bände bzw. Teilbände aus.
Nunmehr hat man sich der Herausforderung gestellt, die „Metaphysik“ herauszugeben (Bd. 15/II: Bücher IV, V und VI. Berlin/Boston 2026) – eines der am meisten diskutierten und kommentierten Werke der philosophischen Literatur. Dementsprechend beträgt das Verhältnis von Text zu Kommentar ca. 1 : 22. Das heißt: auf eine einzige Seite Text kommen 22 Seiten Kommentar!
Die 1300 Seiten des Teilbandes sind ihrerseits auf zwei Teilbände aufgeteilt.
Voluminös ist auch der Preis: 250 Euro.
Diese Edition begleitet mein Leben bzw. das, was daran der Philosophie gewidmet ist. Es gab sie bereits, als ich mein Studium aufgenommen habe ... und zur Zeit ihrer Vollendung werde ich mich wohl bereits in die ewigen Jagdgründe abgemeldet haben.
Und eben auch die endlich abgeschlossene Aristoteles-Ausgabe.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 15.04.2026 um 17:12 Uhr (Zitieren)
Lassen wir dem Herausgeber (Übersetzer und Erläuterer) dieses Teilbandes der "Metapyhsik" noch die schuldige Ehre zuteil werden: Es ist Michael-Thomas Liske.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 15.04.2026 um 17:49 Uhr (Zitieren)
"Metapyhsik" --> "Metaphysik"
Re: Neues zu Aristoteles
Ex-Griechischstudent schrieb am 15.04.2026 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Meine Frage zu Aristoteles:
Wie sinnvoll ist es, wenn ein Griechisch-Professor
in einem Proseminar für Lateinstudent(inn)en Aristoteles' "Poetik" lesen lässt?
Es war das schlimmste Seminar, das ich in
Griechisch einst belegt habe, zumal die Didaktik
der Dozenten demotivierend auf fast alle Teilnehmer wirkte,
wie sich in Privatgesprächen herausstellte.
Er war nicht der einzige exzellente Wissenschaftler, der didaktisch
wenig bis nichts draufhatte, aber an sich ein netter Mensch war.
Bei einem Philosophen, einem renommierter
Logiker war es ähnlich:
Seine Vorlesung über die Vorsokratiker war
zum Einschlafen und man hatte den Eindruck,
er macht das nur um sein Lehrdeputat zu erfüllen.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 15.04.2026 um 19:44 Uhr (Zitieren)
@Γραικύλος
Aristotleles schrieb über Walstrandungen.
Falls diese Kapitel im bereits erschienenen Teil enthalten sind, kannst du es bitte bringen?
Das wäre sehr freundlich :)
Re: Neues zu Aristoteles
Patroklos schrieb am 15.04.2026 um 19:53 Uhr (Zitieren)
Mein Unwissen konnte ich per Wiki eliminieren und aktualisieren.
Unter einer Walstrandung versteht man das unbeabsichtigte Auflaufen eines Wals auf den Strand oder eine Untiefe aufgrund einer Störung des Echolotsystems[1] der Meeressäuger, verursacht durch Schifffahrt, Fischfang, Verschmutzung, Klimawandel oder auch das Militär.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 15.04.2026 um 19:53 Uhr (Zitieren)
1. Was soll man sagen? Didaktik gehört nicht zur Ausbildung von Universitätsdozenten. Beim zweiten Staatsexamen wäre da so mancher durchgefallen. Bedauerlich, denn sie sind ja für Forschung und Lehre engagiert.
2. Aristoteles' zoologische Schriften sind innerhalb der genannten Ausgabe zum Teil ediert. Nach den Walen müßte ich suchen. Das kann eine Weile dauern, ist aber notiert.
Vielleicht meldet sich hier auch jemand mit der Stellenangabe, was mir die Aufgabe erleichtern würde.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 15.04.2026 um 20:10 Uhr (Zitieren)
@Patroklos
... so ist es. Die Ursachen sind auch heute nur teilweise bekannt. Für Aristoteles war es ein komplettes Rätsel. Es wird auf ihn verschiedentlich verwiesen. Ich bin neugierig, was er darüber dachte.
@Γραικύλος
#2 danke
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 16.04.2026 um 00:29 Uhr (Zitieren)
In DNP (Der Neue Pauly) finde ich zum Thema Aristoteles und Wal den Hinweis auf zwei Stellen in der "Historia animalium"; diese befinden sich beide im Teilband 16/II der genannten Ausgabe, der noch nicht erschienen ist.
Irgendwo wird es das vermutlich online geben, doch dafür bin ich nicht der richtige Ansprechpartner.
(Beide DNP-Stellen haben übrigens nichts mit der Walstrandung zu tun, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß alle Angaben über Wale in 16/II zu finden sein werden.)
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 16.04.2026 um 00:55 Uhr (Zitieren)
so ein Pech.
Danke für die Info.
Re: Neues zu Aristoteles
Bukolos schrieb am 16.04.2026 um 09:12 Uhr (Zitieren)
Es ist nur eine knappe Notiz zu Delphinen:
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 16.04.2026 um 09:23 Uhr (Zitieren)
Danke für das Zitat,
schrieb er gar nichts über gestrandete Wale?
Re: Neues zu Aristoteles
infoῳ schrieb am 16.04.2026 um 09:35 Uhr (Zitieren)
Patroklos schrieb am 16.04.2026 um 10:42 Uhr (Zitieren)
Wer wird die Namensherkunft von Timmy noch erklären können?
Der Name Timmy für den Buckelwal bezieht sich auf seine erste Strandung nahe Timmendorfer Strand und dem daraus resultierenden Medienecho. Etabliert wurde der Name von der Bild und Hape Kerkeling in seiner Kunstfigur Horst Schlämmer.[2][3] (Wiki)
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 16.04.2026 um 11:04 Uhr (Zitieren)
Der hat mehrere Namen, bei Focus hieß er Finn. Die Experten hatten ihn anfangs als Finwal ixentifiziert, viell. daher. Bei news5 u a. heißt er Hope.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 16.04.2026 um 11:21 Uhr (Zitieren)
Hope gefällt mir besser, weil neutral. Es ist bisher nur eine Vermutung, dass es ein Timmy ist und keine Timilia.
Re: Neues zu Aristoteles
info schrieb am 16.04.2026 um 11:50 Uhr (Zitieren)
Γραικύλος schrieb am 16.04.2026 um 13:14 Uhr (Zitieren)
Wenn es denn gar kein Wal, sondern ein Delphin sein soll, dann gibt es die zitierte Stelle, und der (Teil-)Band 16/V ist bereits erschienen.
Re: Neues zu Aristoteles
Patroklos schrieb am 16.04.2026 um 13:32 Uhr (Zitieren)
Gehören die Delphine nicht zu den Zahnwalen?
(Delphin von δελφύς, wg Form der Gebärmutter oder Meerestier mit Gebärmutter.)
Re: Neues zu Aristoteles
info schrieb am 16.04.2026 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Re: Neues zu Aristoteles
Bukolos schrieb am 16.04.2026 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Was auch immer das ist, Aristoteles ist es nicht.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 16.04.2026 um 14:09 Uhr (Zitieren)
Wahrscheinlich ist die von Bukolos gebrachte Stelle gemeint. Wie es aussieht ist das ja die einzige.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 16.04.2026 um 14:13 Uhr (Zitieren)
Übersetzt lautet 631b:
(in der Übersetzung von 16/V: Stefan Schnieders)
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 16.04.2026 um 14:15 Uhr (Zitieren)
miteinanderr --> miteinander
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 16.04.2026 um 14:33 Uhr (Zitieren)
das ist 31 b 1
31b zeigt sich auch noch mal unterteilt.
Bukolos hat es schon richtig herausgepuzzelt,
es ist 31b 2
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 16.04.2026 um 14:48 Uhr (Zitieren)
Mein Zitat: 631b 1-2. Das ist alles, was der Autor dort über Delphine schreibt.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 17.04.2026 um 10:44 Uhr (Zitieren)
warum ist der Buckelwal in der Ostsee gestrandet?
Sterbenskrank ist der nicht. Heute nach 18 Tagen auf der Sandbank ist er plötzlich sehr aktiv, bewegt seine Fluke kräftig, dreht die Richtung.
Was unterscheidet die Ostsee von anderen Meeren?
Ebbe und Flut machen sich kaum bemerkbar.
Viell. wollte der sich bisschen ausruhen und mit der Flut weiterschwimmen?
Die Flut kommt nicht, er steckt fest.
Re: Neues zu Aristoteles
Bukolos schrieb am 18.04.2026 um 04:42 Uhr (Zitieren)
Mit der Unterteilung, von der du sprichst, ist die Zeilenangabe innerhalb der Bekkerzahl gemeint. Die Bekkerzahl besteht aus Seiten-, Spalten- (a od. b) und Zeilenangabe innerhalb der Bekkerschen Edition des Corpus Aristotelicum. Durch Angabe der Bekkerzahl, die auch in modernen Ausgaben und Übersetzungen in der Regel ausgewiesen ist, wird das Auffinden einer Stelle im Text ungemein erleichtert. Wenn man auf Genauigkeit bei der Zeilenangabe wert legt, sollte man in Bekkers Aristoteles selbst nachschauen:
Mir ging es bei meiner Bemerkung allerdings nur darum, dass der von info beigebrachte griechische Text (ἄδηλον μὲν οὖν ἐστι δι᾽ ἣν αἰτίαν ἐκβάλλουσιν αὑτοὺς εἰς τὴν γῆν ...) nicht das ist, was bei Aristoteles steht, sondern allenfalls eine sehr freie Paraphrase dessen.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 18.04.2026 um 05:36 Uhr (Zitieren)
So hatte ich es gemeint.
Es gibt noch eine Bekkerzahl, wo er Wale beschreibt, jedoch fand ich dort keine Strandung.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 21.04.2026 um 05:38 Uhr (Zitieren)
17.04.2026 um 10:44 Uhr
Mit gestiegenem Pegel nutzte der Buckelwal die Change und schwamm los. Leider ist die Bucht, in die er sich verirrte, eine geografische Falle. Eine gigantische Reuse. Ein großer "Fisch" kommt leicht hinein und schwer hinaus.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 21.04.2026 um 05:53 Uhr (Zitieren)
... hätten Menschen dort keine Fahrrinne gegraben, hätte er in diese flache Bucht erst gar nicht rein schwimmen können.
Dass er die schmale Fahrrinne schwer finder für den Ausweg, ist nicht verwunderlich.
Er wurde von Experten abgeschrieben, obwohl er nicht schwer verletzt und/oder tödlich geschwächt ist.
Die Schwäche wurde ihm abgedichtet, damit es Menschen leichter fällt, ihn jämmeich eingehen zu lassen.
Klaus Stuttmann hat eine Karikatur gezeichnet, auf der einige im Mittelmeer ertrinkende Flüchtlinge gleichsam ausrufen oder denken: "Buckelwal müsste man jetzt sein!" Sind Menschen- und Tierrettung die berühmten Äpfel und Birnen, die man nicht miteinander vergleichen kann? Sind Wal- und Delphinstrandungen nicht ein gleichsam natürliches Phänomen wie Ulmen-, Eschen- und Ölbaumkrankheit, während Flüchtlinge ... Wo ist der Philosoph, der mir dies ethische Problem - wenn es denn eines ist - lösen hilft?
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 21.04.2026 um 18:42 Uhr (Zitieren)
Diese Bemühungen um einen Buckelwal sind mit keiner mir bekannten Ethik, auch Tierethik, zu rechtfertigen. Mir erscheint das eher als ein Fall für einen Psychoanalytiker.
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 21.04.2026 um 21:20 Uhr (Zitieren)
Hat Stuttmann in der preiswerten Moralkritik an asymmetrischer Empathie und falsch privilegierter öffentlicher Aufmerksamkeit einkalkuliert, dass, Buckelwal zu sein, in diesem Fall bedeutet, in die ursprüngliche Heimat zurückgebracht zu werden?
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 21.04.2026 um 21:43 Uhr (Zitieren)
Welche Ethik rechtfertigt das jämmerliche
monatelange verrecken lassen eines Tieres, wie es behördlicherseits vorgesehen war?
Wenn das Ethik ist, kann mir Ethik gestohlen bleiben.
Re: Neues zu Aristoteles
Patroklos schrieb am 21.04.2026 um 21:50 Uhr (Zitieren)
Wo mag die ursprüngliche Heimat sein, bei etwa 60.000 Buckelwalen weltweit?
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 21.04.2026 um 21:58 Uhr (Zitieren)
Das wären sie, wenn Menschen nicht Meere und Ozeane schwerst geschädigt hätten, mit Müll, Gift, Lärm, Geisternetzen usw. usf.
Menschen zerstören seinen Lebensraum und lassen ihn dann im Namen des Tierwohls auf "natürlichem" Wege eingehen.
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 21.04.2026 um 22:00 Uhr (Zitieren)
Die ist dort, wo er hergekommen ist und nach einhelliger Meinung hingehört. „Er gehört nicht in dieses Ökosystem, das ist nicht seine Heimat.“ (Walminister Backhaus im Tagesspiegel).
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 21.04.2026 um 22:02 Uhr (Zitieren)
Bei diesem Atlantik.
(Die Buckelwale haben 4 Populationen.)
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 21.04.2026 um 22:51 Uhr (Zitieren)
Moral bzw. Ethik haben es mit Regeln zu tun, aus denen dann das Verhalten in Einzelfällen abgeleitet werden kann.
Wie sollte die Regel in diesem Falle lauten? Daß man Tieren (allen? welchen?), die sich in Lebensgefahr befinden, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln helfen soll?
Wievielen Tieren wird nicht geholfen, während sich die Aufmerksamkeit auf diesen einzelnen Wal fokussiert?
Ich möchte an den Ausspruch von Isaac B. Singer erinnern: "Für die Tiere [die Tiere!] ist jeden Tag Treblinka."
Es gibt 1. eine anthropozentrische Tierethik, 2. eine pathozentrische, 3. eine biozentrische, 4. eine holistische.
Typ 1 fragt nach dem Nutzen oder Schaden für die Menschheit - was hinsichtlich der Tiere nur ganze Arten relevant macht, keine Individuen.
Typen 2 bis 4 sind schwer zu begründen.
Typ 2 läßt sich am ehesten auf einzelne Tiere anwenden - wobei aber Nutzen (Leidvermeidung) und Aufwand (der bei anderen fehlen kann) in einem vertretbaren Verhältnis stehen müssen: die Leidminimierung/Nutzenmaximierung aller Beteiligten im Utilitarismus.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 22.04.2026 um 01:12 Uhr (Zitieren)
Die Mittel stellen 2 Superreiche zur Verfügung. Man kann seinen Reichtum sinnloser verschwenden, als einen Wal zu retten.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 01:34 Uhr (Zitieren)
Das beantwortet nicht meine Frage nach der moralischen Regel, die angewendet werden soll.
Abgesehen davon, daß da ja schon einiges vor diesen zwei reichen Personen geschehen & aufgewendet worden ist.
Es ist ja auch interessant, daß viele Tierschützer [!] dies alles als Tierquälerei ablehnen.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 01:35 Uhr (Zitieren)
Vermutlich wäre dieses Geld im Sinne des Tierschutzes besser angelegt in der Erhaltung von Lebensräumen für Tiere.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 22.04.2026 um 06:13 Uhr (Zitieren)
Personen die aus der Ferne urteilen.
Veterinäre die ihn sahen, urteilen anders.
Das jämmerlich monatelange verrecken lassen eines Tieres ist kein Tierschutz.
Re: Neues zu Aristoteles
Quoth schrieb am 22.04.2026 um 08:57 Uhr (Zitieren)
Genau! Das Engagement für die Walrettung dient der Verdrängung der Schuldgefühle gegenüber der 100fachen Vernachlässigung von Menschenrettung im Mittelmeer ...
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 22.04.2026 um 09:51 Uhr (Zitieren)
Im Zweifel für das Leben.
Menschen von denen man nicht mehr weiß, als dass sie das jämmerlich monatelange verrecken lassen eines Tieres nicht als Tierschutz werten, qua Küchenpsychologie Schuldgefühle anzudichten, ist nicht angemessen.
Re: Neues zu Aristoteles
Patroklos schrieb am 22.04.2026 um 10:48 Uhr (Zitieren)
Patroklos schrieb am 22.04.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Angefangen zu lesen habe ich soeben:
Judith Schalansky
Marmor, Quecksilber, Nebel
Woraus die Welt gemacht ist
Berlin 2026.
Dort heißt es passenderweise beim Erkunden eines immensen Marmorblocks:
Eine Spaziergängerin vor einem angeschwemmten Walfisch kann sich nicht verlorener fühlen. Der Gegenstand des Interesses in einfach zu groß, er entstammt einer anderen Dimension…
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 22.04.2026 um 15:59 Uhr (Zitieren)
Moby. Endlich erwähnt mal einer, dass die Sache weniger nach Ethikern und Psychoanalytikern schreit als nach einem zeitgenössischen Melville. In dem Stoff vom einst erbittert gejagten, nun ebenso erbittert geretteten Leviathan steckt doch mindestens ein waldicker Gegenwartsroman!
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 16:22 Uhr (Zitieren)
Ich habe nicht den Eindruck, daß - anders als im Falle des Melville'schen Wals - sich hier jenseits von Ethik und Psychoanalye ein interessanter Konflikt ergibt, der einen Roman trüge.
Aber wer weiß? Vielleicht wird uns ein Autor überraschen.
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 22.04.2026 um 16:38 Uhr (Zitieren)
Die Konflikte und Widersprüche in einer Frage auf Leben und Tod, die stark emotionalisieren, treten doch sogar in diesem Thread offen zutage. Und das Personal! Sich bekriegende Experten, Taucher, Ärzte, Millionäre, Influencer, Politiker zwischen den Stühlen, der Medienzirkus, alles sehr brauchbar für den Gegenwartsroman.
Der Wal braucht nur im Mittelmeer auf einem Riff vor der Insel Lampedusa gestrandet zu sein, vor der auch Dutzende von Flüchtlingen sich an ihr gekentertes Boot klammern und zu ertrinken drohen - wem hilft der sich die Haare raufende Bürgermeister Lampedusas, wenn er nicht die Mittel hat, um beiden zu helfen?
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 16:45 Uhr (Zitieren)
Gewiß, hier treten Konflikte zutage - aber es sind moralische und, wenn man die Motive beleuchtet, psychologische.
Es gibt keinen Kampf eineres Besessenen mit dem Tier - was ich als stärksten Eindruck von der Lektüre des "Moby Dick" in Erinnerung habe.
Immerhin: Man kann auch daraus einen Roman machen. Ich bezweifle nur, daß sich daraus die epische Dichte der Vorlage ergibt. Eher das Zeitbild einer Epoche, die sich über das Schicksal eines einzelnen Tieres erregt und das Leiden Millionen anderer Tiere gelassen, oft desinteressiert hinnimmt.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 22.04.2026 um 16:52 Uhr (Zitieren)
Wie wäre es, die Motive der Gegner der Walretter mal unters psychologische Mikroskop zu legen?
Re: Neues zu Aristoteles
Patroklos schrieb am 22.04.2026 um 16:54 Uhr (Zitieren)
Der 1966 bis Köln den Rhein hinaufgeschwommene weiße Wal wurde von literaten Beobachtern „Moby Dick“ getauft.
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 22.04.2026 um 16:55 Uhr (Zitieren)
Man kann, was hier geschieht, nicht mit weniger Recht als besessenen Kampf um das Tier framen. Moby Dick ist gewiss ein epischer Roman, aber ein zutiefst hybrider, weil Melville das Epos mit philosophische, wissenschaftliche, kunstgeschichtliche und mythologische Exkursen zu einer Dichte angereichert hat, deren Bedeutung erst später verstanden wurde. Diese Hybridisierung spricht doch sehr zu unserer Gegenwart.
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 22.04.2026 um 16:58 Uhr (Zitieren)
+4x n
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 16:59 Uhr (Zitieren)
Es ist ein Kampf um ein Tier, ja. Wahrscheinlich paßt das besser in unsere Zeit, in der kaum noch ein Tier für Menschen gefährlich ist.
Re: Neues zu Aristoteles
Patroklos schrieb am 22.04.2026 um 17:12 Uhr (Zitieren)
Sehen wir zB vom Wolf im Hamburger Einkaufszentrum ab.
Re: Neues zu Aristoteles
Persephone schrieb am 22.04.2026 um 17:20 Uhr (Zitieren)
Klar, aber das um ist eben der epochale Unterschied, und die Intensität der Widersprüche und Konflikte dabei so hoch, dass selbst hier ertrinkende Flüchtlinge und Treblinkavergleiche aufgefahren werden. Ich denke außerdem, dass, was dabei in einer von massenmedialer Kommunikation bestimmten Wahrnehmungssphäre und Öffentlichkeitsdynamik geschieht, nicht mit individualpsychologischer Erklärung abgetan ist. Da steckt mehr darin.
Die Sache mit der Ungefährlichkeit sehen wahrscheinlich z.B. die jedes Jahr circa 5,4 Millionen Menschen, die von Schlangen gebissen werden, was zu über 80000 Todesfällen führt und dreimal so viele Überlebende mit Behinderungen hinterlässt, ein wenig anders. Man muss sie also auf unsere Breiten einschränken, wo auch der Kampf um Timmy spielt. Der vor anderen Küsten vmtl. so nicht stattfände.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 17:47 Uhr (Zitieren)
Ich korrigiere mich also:
1. Unter der Psychologie - neben der Tierethik - ist auch die Sozialpsychologie zu verstehen.
2. Tiere sind in unseren Breiten nur noch selten gefährlich. Zwar fällt hier gelegentlich ein Bär oder ein Wolf einen Menschen an, doch das hat nicht mehr die archetypische Qualität von einst. In anderen Gegenden steht es damit etwas anders, doch auch dort wird es selten zu einem epischen Zweikampf auf Leben und Tod kommen. Der Schlangenkonflikt scheint mir nur kurz zu sein.
Tiberius konnte über seine Stellung als Princeps gegenüber dem römischen Volk noch sagen, er halte einen Wolf bei den Ohren (Sueton: Tiberius 25); es würde mich wundern, sollte heute noch eine solche Tiermetapher funktionieren.
Es gibt einen epochalen Unterschied. Aber das muß nicht prinzipiell gegen einen Roman sprechen.
Notabene: Sowohl der Flüchtlings- als auch der Treblinkavergleich indizieren ein moralisches Problem.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 22.04.2026 um 18:55 Uhr (Zitieren)
Stimmt. Vor anderen Küsten sind hunderte Helfer rechtzeitig zur Stelle. Und die werden von ihren Landsleuten nicht für als reif für den Psychoanalytiker abgestempelt.
Oder sogar für. Ich sehe nach wie vor nicht, warum der Kampf um das Leben eines solchen Tiers nicht epische Ausmaße annehmen könnte. Selbst ein sehr klassischer Ansatz der nach starken epischen Motiven wie z.B. Hybris sucht, würde auf verschiedenen Seiten der Beteiligten schnell fündig. Natürlich sollte die Hybridform, für die sich schon Melville entschieden hat, zeitgemäß weiter ausgebaut werden. Aus dem Bauch eines solchen literarischen Wals müsste die ganze Kakophonie unserer Gegenwart ertönen. Und erst die Exkurse! Allein das Kapitel über den historischen Übergang von der Pequod zur Rainbow Warrior I und II …
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 28.04.2026 um 16:42 Uhr (Zitieren)
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 29.04.2026 um 05:03 Uhr (Zitieren)
Meine kleine Küchenpsychologie, warum wird der Wal von vielen so sehr geliebt? Sie sahen in ihrer Kindheit den Film whale rider.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 29.04.2026 um 05:19 Uhr (Zitieren)
... in den 90ger und Nullerjahren pflanzten Greenpeace und viele deutsche Lehrer (Sachkunde in der Grundschule) ein unerschütterlich positives Wal image in die Herzen der Menschen.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 03.05.2026 um 16:27 Uhr (Zitieren)
Der Wal zeigt es allen. Die einen schwäzten ihn tot, die anderen ramponierten ihn mit Rettungsgeräten. Er lebt, er taucht und atmet abwechseld.
Diese Biester sind unglaublich zäh. Der Blubber enthält große Mengen Energie, das kommt ihm jetzt zugute.
Re: Neues zu Aristoteles
Γραικύλος schrieb am 03.05.2026 um 16:42 Uhr (Zitieren)
Ich lese gerade, daß er 1. an der falschen Stelle ausgesetzt worden ist, 2. kein Mensch weiß, was mit ihm los ist (weil die Ortung nicht funktioniert), und 3. Meeresbiologen ihm weiterhin kaum eine Überlebenschance einräumen. Innerhalb der Rettungsgruppe gibt es heftigen Streit und Vorwürfe.
Voraussichtlich, so heißt es, werden wir nicht mehr erfahren, was mit ihm passiert ist. Bis in den nördlichen Atlantik, wo er Futter (Krill) findet, werde er es wohl nicht schaffen. Der Skagerrak sei kein Lebensraum für ihn.
Neu war für mich die Information, wie Wale sterben: sie ertrinken, wenn sie zu kraftlos sind, an die Oberfläche zu schwimmen; deshalb suchen kranke/sterbende Wale auch häufig Sandbänke auf, da sie dort ohne Kraftaufwand atmen können.
Ein Meeresbiologe seufzte: "Was hätte man mit diesem Geld alles für den Schutz von Meerestieren tun können!"
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 03.05.2026 um 17:37 Uhr (Zitieren)
Das ist eine Theorie, die manchmal zutreffen kann. Nicht so oft, sonst wären die Strände überfüllt von Toten Walen. Tote Wale sinken auf den Meeresboden, man nennt das Walsturz.
Der aktuelle Buckelwal strandete nicht aus Schwäche, dann wäre der längst tot. Nach 3 bis 5 Tagen, so sagten es die Bedenkoperten ja am Anfang. Damit lagen die falsch, um Größenordnungen.
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 03.05.2026 um 19:46 Uhr (Zitieren)
Witzig in dem Zusammenhang ist das offizielle Wort Bereederungsgesellschaft statt Reederei. Warum kein Denglisch?
Re: Neues zu Aristoteles
βροχή schrieb am 04.05.2026 um 13:29 Uhr (Zitieren)
Was denn genau?
Abgesehen davon, dass die Geldgeber genau so gut eine kleine gebrauchte Freizeit-Yacht hätten kaufen können für ihr Geld, oder sonst irgendwas, ohne dass jmd. deshalb gemeckert hätte.