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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sokrates über Armut und Reichtum #1 (237 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.04.2026 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Xenophon, Gespräch über die Haushaltsführung (Oikonomikos) 2, 1-8:
[...] Kritobulos sprach darauf ungefähr folgendermaßen: Gut, was diese Fragen betrifft, glaube ich das von dir Gesagte völlig ausreichend verstanden zu haben. Wenn ich mich selbst prüfe, glaube ich zu finden, darin recht zurückhaltend zu sein, so daß ich, wenn du mir raten wolltest, was zur Vergrößerung meines Haushalts zu tun sei, nicht von denen gehindert zu werden glaube, die du Herrinnen nennst (1). Also rate mir unbesorgt, was du Nützliches weißt; oder meinst du, Sokrates, daß wir reich genug sind, und scheinen wir dir kein größeres Vermögen nötig zu haben?

Ich, antwortete Sokrates, wenn du auch von mir sprichst, glaube kein größeres Vermögen nötig zu haben, sondern reich genug zu sein. Du allerdings, Kritobulos, scheinst mir wirklich arm zu sein, und manchmal, bei Zeus, bedauere ich dich sehr.

Da lachte Kritobulos und sagte: Und wieviel, bei den Göttern, glaubst du, Sokrates, würde dein Besitz beim Verkauf einbringen, und wieviel meiner?

Ich glaube, sagte Sokrates, wenn ich einen guten Käufer fände, daß er mir mit dem Wohnhaus und der gesamten Habe sehr leicht fünf Minen (2) einbrächte. Daß allerdings deiner mehr als das Hundertfache dessen einbringen würde, weiß ich genau.

Und doch glaubst du, obwohl du das weißt, kein größeres Vermögen nötig zu haben, mich aber bedauerst du wegen meiner Armut?

Das Meinige reicht doch aus, antwortete er, um mir das zu geben, was für mich genug ist. Für die Pracht aber, mit der du dich umgibst, und für dein Ansehen reicht dir, wie mir scheint, nicht einmal aus, wenn dir das Dreifache dessen gehörte, was du jetzt besitzt.

Wieso?, fragte Kritobulos.

(Xenophon: Ökonomische Schriften. Herausgegeben und übersetzt von Gert Audring. Berlin 1992, S. 36-39)

(1) Leckereien, Ausschweifungen, Trunksucht und Ehrgeiz (1, 22)
(2) 1 Mine = 100 Drachmen

 
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